Praxisbeispiel Unilever So funktioniert Jobsharing auf Dauer

von Redaktion LZ
Freitag, 11. September 2020
Gemeinsame Karriere bei Unilever: Christiane Haasis und Angela Nelissen.
Unilever
Gemeinsame Karriere bei Unilever: Christiane Haasis und Angela Nelissen.
Praxisbeispiel Unilever
So funktioniert Jobsharing auf Dauer
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Christiane Haasis und Angela Nelissen, genannt „CHAN“, sind im Jobshare gemeinsam Vice President Refreshment D-A-CH bei Unilever. Sie sind überzeugt, dass das New-Work-Modell unbedingt mehr Nachahmer braucht und erklären, wie es den Arbeitsalltag verändert.

In der Arbeitswelt werden sie noch immer gerne betrachtet wie ein exotisches Zirkuspferd in der Manege. Doch genau diesen Status wollen die beiden nicht haben. „Wir wollen, dass das Modell seine Einzigartigkeit verliert“, sagt Christiane Haasis. Und Angela Nelissen ergänzt: „Arbeit ist ein Kontinuum mit multiplen Aufgabenstellungen. Das kann man in nahezu jeder beliebigen Schachtelung machen“. Wobei sie mit Schachtelung flexible Arbeitsmodelle in nahezu jeglicher Form meint.

Seit zehn Jahren teilen sich die beiden Frauen Führungsjobs bei Unilever – und das so konsequent, dass sie in ihrer Funktion von Anfang an als eine Person auftreten: CHAN (Christiane und Angela) hat eine Emailadresse und will als eine Ansprechperson gesehen werden – von allen Stakeholdern, vom Boss bis zu den Praktikanten. Und das machen die beiden offenbar so erfolgreich, dass CHAN im April 2018 zum Vice President Refreshment D-A-CH bei Unilever aufgestiegen ist. Seither verantworten sie das gesamte Eis- und Teemarkenportfolio des Konsumgüterriesen mit Marken wie Magnum, Langnese, Ben&Jerrys und Lipton.

Zwar sind auch bei CHAN nach wie vor mindestens 95 Prozent der Arbeitszeit dem Business gewidmet, und in Zeiten der Coronakrise musste auch CHAN viele harte Entscheidungen treffen und sich für eine möglichst klare Kommunikation mit den Teams im Homeoffice teils neu finden. Doch die Frauen nutzen ihren Erfolg und ihre Berühmtheit auch ganz gezielt, um die Themen Jobsharing und New Work weiter voranzutreiben. Nelissen: „CHAN ist für uns der beste Hebel, um die Menschen für New Work-Themen zu begeistern.“ Schließlich wäre auch CHAN ohne die Bereitschaft zu flexiblem und agilem Arbeiten nicht möglich. Denn gerade ein Job-Tandem profitiert von New Work-Tools und -Technologien. Zudem würde ein Modell wie CHAN nicht funktionieren, wenn es den beiden Frauen nur um ihre jeweilige persönliche Karriere ginge.

Auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept, sagen sie gerne: „Der Fokus muss darauf liegen, die jeweils andere besser zu machen.“ Wer die Vorteile von Jobsharing nutzen wolle, müsse sich zu dieser Jobauffassung sehr klar committen.

CHAN live erleben

Am 14. und 15. Oktober finden die Horizont Digital Marketing Days 2020 statt. Rund 40 Top Speakerinnen und Speaker werden erwartet, darunter Christiane Haasis und Angela Nelissen (CHAN), beide Vice President Refreshment D-A-CH bei Unilever. Wegen Corona ist die Veranstaltung als Hybrid Event geplant mit festgelegter Teilnehmerzahl vor Ort in Hamburg sowie der zusätzlichen Möglichkeit zur virtuellen Teilnahme.

Hört sich gut an. Doch wie arbeitet CHAN ganz konkret? In normalen Zeiten, also vor der Coronakrise, haben Haasis und Nelissen ihre Arbeitszeit grob in Wochentagen aufgeteilt. Von Montag bis Mittwoch ist Nelissen CHAN, von Mittwoch bis Freitag ist es Haasis. Wobei der Mittwoch unter anderem Gelegenheit bietet für Übergaben und gemeinsame Teamgespräche. „Die gemeinsame Abstimmung ist das allerwichtigste, um alle Bälle richtig im Spiel halten zu können“, so Haasis. Wenn sie am Mittwoch übernimmt, müsse sie genau wissen, was am Montag oder Dienstag besprochen und entschieden wurde. Auch das, man ahnt es, funktioniert nur, wenn beide ihren Fokus darauf legen, die jeweils andere besser zu machen.

Hört sich zu gut an? Auf die Frage, wie oft ein Teil von CHAN in der Vergangenheit schon das Handtuch werfen wollte, antworten sie im Interview: „Noch nie“ (Haasis). „Im Gegenteil. Es wäre für uns keine Option gewesen, das Modell scheitern zu lassen.“ (Nelissen).

Das Unilever-Management haben die beiden seinerzeit mit einer Power Point Präsentation von ihrer damals wie heute außergewöhnlichen Jobsharing-Idee überzeugt – bis zum ersten gemeinsamen Job dauerte es dann nur noch ein paar Monate. Bei der Überzeugungsarbeit geholfen hat den beiden sicher auch, dass Nelissen und Haasis zwei ausgebuffte Marketingprofis sind. Weil beide von Beginn an jeweils einen 60-Prozent-Vertrag anstrebten, kamen sie schnell auf die markige Gleichung: Zweimal 60 Prozent Arbeitskraft ergibt 200 Prozent Brain Power. Das ist bis heute so geblieben.

Die Autorin Anja Sturm schreibt für die LZ-Schwesterzeitung Horizont, wo der Artikel ebenfalls erschienen ist.

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