Rückblick 2019 Händler powern fürs Arbeitgeberimage

von Silke Biester
Freitag, 27. Dezember 2019
Gemeinsam: Der HDE setzt die Branche mit einer digitalen Ausbildungskampagne in Szene.
Gemeinsam: Der HDE setzt die Branche mit einer digitalen Ausbildungskampagne in Szene.
Der Wettstreit um Talente spitzt sich seit Jahren weiter zu. Erstmals startet der HDE 2019 eine Kampagne für die gesamte Branche, um die Jugend für den Berufseinstieg im Handel zu begeistern. Darüber hinaus feilen die Unternehmen an Führung, Kultur und Kommunikation.

Statt sich nur gegenseitig die potenziellen Kandidaten abspenstig zu machen, zieht der Handel 2019 an einem Strang: Hinter der vom Handelsverband Deutschland HDE gesteuerten Digitalkampagne #JetztSchonProfi stehen 17 führende Handelsunternehmen wie etwa Edeka, Rewe, Aldi, Lidl & Kaufland, C & A, Deichmann und Media-Saturn. Über Social-Media-Kanäle wie Instagram und Youtube werden "die Jugendlichen dort abgeholt, wo sie sich bewegen", erläutert HDE-Bildungsverantwortliche Katharina Weinert. Die per Video vorgestellten Berufe, allgemeine Bewerbungstipps sowie mit Gaming-Elementen unterstützte Analysetools zur besseren Selbsteinschätzung der eigenen Stärken sollen Interesse für die gesamte Branche wecken.

Andreas Gutt, Rewe Markt
GEORG LUKAS
Andreas Gutt, Rewe Markt
Um im Wettbewerb untereinander die erste Adresse für Bewerber zu werden, daran arbeiten die Unternehmen individuell parallel. Im Interview mit der LZ erläuterten Chris Overbeek, Geschäftsführer Human Resources bei Aldi Nord, Andreas Gutt, Personalchef bei Rewe Markt, sowie Jens Urich, Geschäftsleiter Personal bei Lidl, ausführlich ihre individuelle Strategie, um das Arbeitgeberimage voran zu bringen. "Mitarbeiterbindung und -gewinnung ist eine große Herausforderung", stellt Rewe-Manager Andreas Gutt klar. "Wir haben keinen Anlass dazu zu glauben, dass sich die Situation entspannt." Die Stärkung der Führung und Weiterentwicklung der Unternehmenskultur bleiben für ihn strategische Themen. Auf der Agenda stehen Konzepte wie Teilzeit oder Homeoffice auch für Marktleiter und andere Führungskräfte. Darüber hinaus hat er daran gearbeitet, Bewerbungsprozesse zu effektivieren, damit kein Interessent verloren geht. Für jede einzelne Stelle wird die "Time to hire" gemessen, um erkennen zu können, ob der Prozess, die Technik oder eine Führungskraft etwaige Verzögerungen verantwortet.
Jens Urich, Lidl
TERZO ALGERI
Jens Urich, Lidl
Lidl hat im vergangenen Jahr eine Arbeitgeberkampagne mit dem Motto "Lidl muss man können" gestartet. "Wir sagen bewusst, Lidl ist nicht für jeden etwas", erläutert Jens Urich. Denn auch wenn der Discounter an kulturellen Aspekten feilt, bleibt es doch dabei, dass "wir in einem konzeptorientierten Unternehmen arbeiten, dessen Erfolg auf Standards und Systemen fußt": Die Werte der Arbeitgebermarke gehen mit den Führungsgrundsätzen Hand-in-Hand: Über Kommunikation führen, Mitarbeiter entwickeln, leistungsstark und dynamisch bleiben, Vertrauen schaffen und fair handeln, Verantwortung leben und Vorbild sein. "Es bringt nichts, sich mit bunten Bildern als Arbeitgeber anzubiedern", weiß Urich.

Chris Overbeek, Aldi Nord
Fotos: John M. John; GEORG LUKAS; TERZO ALGERI
Chris Overbeek, Aldi Nord
Auch der HR-Chef von Aldi Nord, Chris Overbeek ist sich bewusst, dass Employer Branding nur wirkt, wenn es authentisch ist. "Es geht uns um ehrlichen Wandel, nicht nur um Marketing", bekräftigt er. Deshalb ist Kulturwandel für ihn "erstmal ein internes Thema". Dafür wurde der HR-Bereich neu strukturiert und deutlich ausgebaut. Es gibt ein neues Bewerbermangementsystem, neue Karrieremodelle, eine Aldi Academy mit Führungsstil-Coachings und eine veränderte Kommunikationskultur. Anonyme Mitarbeiterbefragungen, Feedback-Workshops und ein Stimmungsbarometer zeugen davon, dass die Perspektive der Beschäftigten an Einfluss gewonnen hat. "Sie können es als gelebtes Zeichen von Transparenz verstehen, dass wir bereits im Veränderungsprozess offen im Interview darüber sprechen."

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