Rückblick 2020 Das Jahr der Personalarbeit

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 24. Dezember 2020
Corona fordert Mitarbeiter und Arbeitgeber
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Corona fordert Mitarbeiter und Arbeitgeber
Rückblick 2020
Das Jahr der Personalarbeit
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Schutz, Fürsorge, Vertrauen, Dankbarkeit: Es hat 2020 mächtig gemenschelt in der Lebensmittelbranche. Personaler in Industrie und Handel haben wesentlich dazu beigetragen, dass genug Mitarbeiter die Bevölkerung unermüdlich mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgt haben.

Bis März wurde auf Personalmessen noch entspannt über Buzzwords wie Digitalisierung, Agilität, Employer Branding, Diversität und New Work diskutiert. Dann stellte eine unerforschte ansteckende Krankheit alles auf den Kopf und aus der Theorie musste ganz schnell Praxis werden. Das bürokratische Thema Arbeitsschutz rückte plötzlich ganz vorn auf die Agenda. Wo zuvor Regeln und Verordnungen abgearbeitet werden konnten, war plötzlich Improvisation gefragt.

Wie schützt man Kassiererinnen vor Tröpfcheninfektion durch Kunden? Lässt man den Außendienst der Lieferanten noch ins Unternehmen? Braucht man Masken und wo bekommt man sie auf einem weltweit leergefegten Markt? Was tun, wenn sich Mitarbeiter bei der Arbeit anstecken und wer haftet dafür? Mittlerweile haben Wissen und Schutzmaterial in gleichem Maße zugenommen. Wo Fleischzerlegungsbetriebe und Logistikfirmen zu Hotspots wurden, sind Maßnahmen und Gesetze verschärft worden bis hin zu eigenen Corona-Teststationen.

So sehr die Systemrelevanz Lebensmittelhändler, Bau- und Drogeriemärkte beflügelt hat, so schwierig war es zeitweise, genug Mitarbeiter auf der Fläche zu haben. Eltern kleiner Kinder fielen aus, Risikogruppen mussten geschützt werden. Aldi machte Furore mit der Übernahme von Mc-Donalds-Mitarbeitern. Auch bei der Anpacker-Kampagne schlossen sich Aldi Süd und Nord erstmals zusammen. Positiv: Sichere Arbeit punktet in der Krise, so dass viele Recruiter im Handel endlich auf einen größeren Bewerberpool zugreifen dürfen. Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass Gastronomie und Tourismus nach wie vor unter der Krise leiden. Ihren Shutdown bekommen selbst F&B-Branchengrößen wie Coca-Cola oder Unilever zu spüren. Kurzarbeit, Konsolidierung und Werksschließungen werden die HR-Teams vermutlich auch nächstes Jahr noch beschäftigen.

„Die anfänglicheEuphorie zum Homeoffice ist einer neuenNachdenklichkeitgewichen.“

Corona hat sich als der Türöffner für mobiles Arbeiten erwiesen. Otto ließ den Mitarbeitern gar keine andere Wahl: Die Zentrale wurde zeitweise geschlossen: "Führen heißt loslassen", gab Otto-Manager André Strunz Chefs mit auf den Weg. Und selbst ein eher konservativer Chef wie Timo Huwer von Globus Fachmärkte musste feststellen: "Wenn es sein muss, funktioniert es." Aber was macht es mit uns, umgeben von leeren Büros oder allein am Küchentisch zu arbeiten? Nach neun Monaten ist die anfängliche Euphorie über die gesicherte Betriebsbereitschaft, die freiere Zeiteinteilung und geglückte Installation und Beherrschung neuer Laptops, Plattformen und Tools einer Nachdenklichkeit gewichen. Warum genau sind wir früher nochmal ins Büro gegangen? Lassen sich Gruppendynamik, Kreativität, Firmenkultur und vor allem Einarbeitung und Entwicklung der Mitarbeiter auch digital erleben und nachbauen? Hybride Modelle sind ein guter Kompromiss, aber die Regeln müssen noch verhandelt werden.

Wer im Lager, Markt oder Werk von der Präsenzpflicht so schnell nicht loskommen wird, konnte sich im Corona-Jahr wenigstens über eins nicht beklagen: mangelnde Aufmerksamkeit. Sie reichte von Dankesplakaten, Durchhaltepaketen und Sonderzahlungen der Arbeitgeber bis zu lobenden Worten der Bundeskanzlerin sowie Trinkgeld und Pralinenpräsenten von der Kundschaft.

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