Sanierung von Galeria Geiwitz will ohne Staatshilfe auskommen

von Jan Mende
Freitag, 03. April 2020
Arndt Geiwitz: "Ohne diesen von der Corona-Krise ausgelösten Shutdown wäre das Unternehmen nicht in die Schieflage geraten und das Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung jetzt nicht notwendig".
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Arndt Geiwitz: "Ohne diesen von der Corona-Krise ausgelösten Shutdown wäre das Unternehmen nicht in die Schieflage geraten und das Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung jetzt nicht notwendig".
Sanierung von Galeria
Geiwitz will ohne Staatshilfe auskommen
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Der neue Generalbevollmächtigte von Galeria Karstadt Kaufhof, Arndt Geiwitz, möchte zunächst keine Hilfskredite der KfW-Bank beanspruchen. Die Mittel, die der Eigentümer René Benko zur Verfügung stellt, reichten bis Juni.
Arndt Geiwitz will Galeria Karstadt Kaufhof ohne die von der Bundesregierung aufgelegten staatlichen Hilfskredite sanieren. "Wir werden zunächst keine Mittel aus den nun mithilfe der KfW-Bank bereitgestellten Töpfen in Anspruch nehmen", sagte der neue Generalbevollmächtigte des Warenhauskonzerns der LZ.

Der Eigentümer des Unternehmens, René Benko, hatte in dieser Woche noch einmal 140 Mio. Euro nachgeschossen. Sollten die Türen der Warenhäuser wegen der Pandemie auch über den Sommer hinaus geschlossen bleiben, werde das Unternehmen aber wohl nicht mehr ohne zusätzliches Fremdkapital auskommen, sagte Geiwitz. Dann könnten auch von der KfW-Bank gestützte Kredite wieder ein Thema werden. 

Es sei deshalb wichtig, dass die Häuser Ende April wieder den Geschäftsbetrieb aufnehmen könnten. "Ohne diesen von der Corona-Krise ausgelösten Shutdwon wäre das Unternehmen nicht in die Schieflage geraten und das Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung jetzt nicht notwendig", erklärte Geiwitz.

Der Wirtschaftsprüfer und Insolvenzverwalter aus Neu-Ulm führt das Verfahren, dem das Amtsgericht Essen am Mittwoch auf Antrag des Unternehmens stattgegeben hatte. Das Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung gilt als Vorstufe zum Insolvenzverfahren, erlaubt den Gesellschaftern aber eine Sanierung, bevor die Zahlungsunfähigkeit eintritt und Gläubigeransprüche entstehen. Zudem bleibt das bestehende Management an Bord, an dessen Seite nun aber der Generalbevollmächtigte Geiwitz und sein Partner Patrick Wahren rücken.

„Unser Ziel ist es, dieses unverschuldet in die Krise geratene Unternehmen unbeschadet durch dieses Verfahren zu führen und eine Insolvenz zu vermeiden“
Arndt Geiwitz

Geiwitz ist überzeugt davon, dass der Warenhauskonzern zu retten ist. Das Unternehmen habe kaum Bankschulden, "sie liegen bei nicht einmal 1 Prozent der Bilanzsumme". Zudem stimme das Geschäftsmodell, es gebe ein hochqualifiziertes Management und die IT-Systeme seien State of the Art. "Unser Ziel ist es, dieses unverschuldet in die Krise geratene Unternehmen unbeschadet durch dieses Verfahren zu führen und eine Insolvenz zu vermeiden", sagte Geiwitz. Dafür habe er bereits am Donnerstag gemeinsam mit seinem zehnköpfigen Team bei den großen Gläubigern, beim Betriebsrat und bei der Gewerkschaft Verdi geworben.

Rückkehr ungewiss

Die bisherigen Gespräche seien mit allen Seiten konstruktiv verlaufen. Auch mit dem Eigentümer René Benko, der ihn zu Galeria geholt hat, steht Geiwitz in engem Kontakt. Sie lernten sich vor Jahren über Stephan Fanderl, den heutigen CEO von Karstadt kennen. Der spielt momentan keine Rolle – weder in der externen noch in der internen Kommunikation. Auch bei Karstadt selbst ist er nicht präsent. In Medienberichten heißt es, er sei krank. Ob und wann er zurückkommt, ist ungewiss. Geiwitz äußert sich nicht dazu. Die beiden kennen sich seit Geiwitz im Jahr 2012 als Insolvenzverwalter von Schlecker eingesetzt wurde. Fanderl war damals sein Wunschkandidat für den CEO-Posten bei dem maroden Drogerieunternehmen, lehnte aber ab und wurde lediglich Berater. Als Fanderl an die Spitze des Karstadt-Konzerns rückte, ließ er sich wiederum von Geiwitz für Einzelprojekte im Zuge der Restrukturierung beraten. Jetzt hat Geiwitz mit dem Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eine viel größere Aufgabe vor der Brust.

Als Sachwalter des Verfahrens hat das Amtsgericht den Düsseldorfer Insolvenzexperten Frank Kebekus bestellt. Für den ist ein wankender Warenhauskonzern keine neue Materie: Er war bereits involviert, als die damalige Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ins Insolvenzverfahren gehen musste.

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