Schüler- und Absolventenbarometer Sinn und Fairness locken Einsteiger

von Silke Biester
Freitag, 21. August 2020
Kritische Zielgruppe: Auf der Suche nach dem ersten Arbeitgeber guckt die Jugend genau hin.
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Kritische Zielgruppe: Auf der Suche nach dem ersten Arbeitgeber guckt die Jugend genau hin.
Schüler- und Absolventenbarometer
Sinn und Fairness locken Einsteiger
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Bei welchen Arbeitgebern junge Talente ihre Berufslaufbahn starten wollen, zeigen Umfragen des Trendence-Instituts. Exklusiv veröffentlicht die LZ die Rankings der beliebtesten Händler und Konsumgüterhersteller von Schulabgängern und Wirtschaftswissenschaftlern.

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz würden 3,2 Prozent der Schüler eine Bewerbung an Ikea schicken. Der Möbelfilialist ist damit der beliebteste Händler dieser Zielgruppe. Im Vergleich mit allen Arbeitgebern reicht es unverändert für Rang 18. Das zeigt das aktuelle Trendence-Schülerbarometer. Es folgen New Yorker, Media Saturn, Fressnapf, Douglas und dm-Drogeriemarkt, dessen Beliebtheit merklich nachgelassen hat. Coca-Cola ist auf Platz 7 der erste Hersteller. Der Markenartikler zählt dennoch zu den Absteigern, würde aber noch von 2,2 Prozent der Schüler eine Bewerbung bekommen. Zum Vergleich: Netto, Obi und Otto erhalten nur ein Zehntel davon (0,2 Prozent).

Ganz anders die Prioritäten der Absolventen: Schon seit mehreren Jahren ist Amazon bevorzugter Erstarbeitgeber unter den Händlern. Doch hat der Online-Riese etwas an Ansehen verloren. Während 2019 noch 5 Prozent der Wirtschaftsstudenten dort gern arbeiten wollten, sind es 2020 nunmehr 4,3 Prozent. Auch die Markenartikler stehen stärker im Fokus als bei den Schülern, wo es nur Coke und Nelstlé in die Top 30 geschafft haben. Bei den Absolventen ist das Verhältnis Handel zu Marke relativ ausgeglichen. L‘Oréal, Red Bull und Coca-Cola erreichen Rang 2, 3 und 6. Ikea (4), Aldi Süd (5) und dm-Drogerie (7) sind verlockendsten Filialisten.

Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah weiß, womit Unternehmen bei Berufseinsteigern punkten: "Der Trend geht weiter – Schülern ist eine sinnvolle Tätigkeit zunehmend wichtig. Vor allem bei denjenigen, die sich für den Bereich Handel und FMCG interessieren." Hier gab es den größten Bedeutungszuwachs. Auch die Faktoren "fairer Bewerbungsprozess" und "sozial und ökologisch verantwortungsvolles Unternehmen" werden wichtiger. Hoch im Kurs stehen "gute Vorgesetzte". "Das Thema Candidate Experience ist noch längst nicht veraltet", sagt Ullah. "Durch aktuelle Diskussionen in den Medien wird für das Thema Fairness gegenüber Menschen sensibilisiert. Schüler projizieren solche Anforderungen natürlich auch auf Arbeitgeber."

Brancheninteressierte Studenten achten bei der Arbeitgeberwahl vor allem auf ein "faires Gehalt", "Kollegialität", "attraktive Aufgaben", "Wertschätzung" sowie die "persönliche Entwicklung". "Ebenso wie bei Schülern macht sich bei Studierenden langsam das Sinn-Thema breit", beobachtet Ullah. "Auch wird häufiger die Freizeit anstelle des Geldes gewählt."

Von mehr als 22 000 befragten Schülern streben 1 880 in den Handel oder die FMCG-Industrie. Als branchenaffin gelten für Trendence jene, die zwei von drei Bewerbungen an Handel oder FMCG schicken würden. Bei den Absolventen sind von knapp 18 000 befragten Wirtschaftswissenschaftlern 1 292 branchenaffin. Bei beiden Studien lag der Befragungszeitraum direkt vor dem Ausbruch der Corona-Krise.


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