Schülermarketing Nase vorn bei der Azubi-Suche

von Julia Wittenhagen
Freitag, 19. Juni 2020
DisobeyArt/Shutterstock
Schülermarketing
Nase vorn bei der Azubi-Suche
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Die Besetzung freier Ausbildungsplätze war schon vor Corona ein Kraftakt. Jetzt gilt es, alle Register zu ziehen bei der Kommunikation mit Bewerbern. Drei aktuelle Studien geben Hinweise.

Schon das letzte Ausbildungsjahr vor Corona bezeichnet das Bundesinstitut für Berufsbildung als durchwachsen: 2019 wurden 525 100 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 6 300 weniger als im Vorjahr. Fast ein Zehntel der angebotenen Stellen blieb unbesetzt. Das Corona-Stimmungsbarometer des Solinger Ausbildungsspezialisten U-Form zeigt, dass die Hälfte der Betriebe in diesem Jahr erneut weniger Bewerbungen erhält als in den Vorjahren. Durch den Ausbruch von Covid-19 finden Bewerber und Ausbildungsbetriebe 2020 noch schlechter zusammen: So zeigt eine Umfrage der Plattform Ausbildung.de, dass 80 Prozent der Bewerber sich von Ausbildungsbetrieben nicht ausreichend informiert fühlen. Die immer aufwändiger bestückten Karriereseiten der Firmen mit Filmen, Testimonials, Klickboxen und Quizseiten erfordern eine gezielte Suche der Bewerber. Sie können offenbar nicht ausgleichen, dass allgemeine Orientierungsveranstaltungen in der Schule, bei Ausbildungsmessen, Praktika und Beratungen der Agentur für Arbeit wegen Corona abgesagt werden mussten.

59 Prozent der Bewerber haben sogar Angst, aufgrund der Coronakrise keinen Ausbildungsplatz zu finden, bei mehr als der Hälfte verzögern sich Bewerbungsprozesse. Dabei zeigen sich die Berufseinsteiger offen für Online-Testverfahren und Bewerbungsgespräche per Videocall.

Die Apo-Bank liefert mit ihrer Schülerbefragung 2020 wertvolle Erkenntnisse, wo man die knapp 600 000 Ausbildungsplatz-Suchenden erreicht. So gehören Whatsapp, Youtube und Instagram zwar zu den Top 3 der meist genutzten sozialen Netzwerke. Geht es um Infos über den Arbeitgeber, sinkt aber der Wunsch, über diese Medien in Austausch mit Firmen zu gehen. Wenn überhaupt, ist Instagram der Favorit, gefolgt von Youtube. Ein Viertel der befragten Schüler möchte privat genutzte soziale Medien am liebsten überhaupt nicht dienstlich nutzen.

Die Google-Suche ist ihr bevorzugter Einstieg in die Information über Ausbildungsplätze, gefolgt von den Jobbörsen der Agentur für Arbeit und speziellen Plattformen für Azubis wie azubi.de und ausbildung.de. Printmedien wie Firmenbroschüren, Plakate und Zeitschriften in der Schule sind für sie relevanter als TV- oder Radiowerbung. Schauen sie sich einen Arbeitgeber genauer an, finden sie Videos hochwichtig.

Wie es um die Qualität der Ausbildung bestellt ist, fragt Ausbildungsspezialist U-Form bereits zum zehnten Mal mit seinen "Azubi Recruiting Trends" ab. Hier werden die Aussagen von über 5 000 Schülern und Azubis denen von 2 000 Ausbildern gegenübergestellt. Ein zentrales Ergebnis: Berufsschulen sind die Schwachstelle, wenn es um die Attraktivität der dualen Ausbildung geht. Die Art des Lernens, Lernstoff und zeitlicher Aufwand werden deutlich schlechter bewertet als alles, was in der Hand des Ausbildungsbetriebs liegt. Wichtigstes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl ist für angehende Azubis branchenübergreifend der Ruf als Ausbildungsbetrieb, gefolgt von der Übernahmebereitschaft, Nähe zum Wohnort und überdurchschnittlicher Ausbildungsvergütung. Im Handel rangiert Vergütung vor Wohnortnähe.

Optimierungspotenzial hat der Inhalt der Stellenanzeigen: Bewerber wünschen sich in erster Linie eine Beschreibung des Ausbildungsberufs und der gefragten Fähigkeiten. Auch Perspektiven nach der Ausbildung fehlen bislang als eines der drei gewünschten Topthemen in einer Anzeige. Unterschiedlich bewerten die Studien den Einfluss der Pandemie auf das Interesse an Berufen in Handel und Lebensmittelindustrie: Während die Umfrage der Apobank zeigt, dass Industrie und Handel in der Beliebtheit sinken, konstatiert U-Form steigendes Interesse: 23 Prozent der befragten Schüler würden sich vermehrt mit systemrelevanten Berufen auseinandersetzen.

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