Talente finden Absolventenkongress feiert Comeback

von Julia Wittenhagen
Freitag, 01. Dezember 2017
Deutlich aufgefrischt: Über 10 000 Absolventen trafen beim Absolventenkongress auf 250 Aussteller. Ein Highlight war die Blackbox von Aldi Süd.
LZ
Deutlich aufgefrischt: Über 10 000 Absolventen trafen beim Absolventenkongress auf 250 Aussteller. Ein Highlight war die Blackbox von Aldi Süd.
Nach müdem Verlauf im Vorjahr, überrascht der Absolventenkongress 2017 mit hoher Besucherzahl, neuem Hallenkonzept und spannenden Aktionen. Die großen Stände der Lebensmittelhändler in der Hallenmitte sind gut besucht. Lidl fehlt.

"Mach, was Du liebst", war nicht von ungefähr das Motto des diesjährigen Absolventenkongresses. Durch neue Elemente und verjüngten Auftritt in Leuchtgelb gelang es dem Staufenbiel Institut als Veranstalter erfolgreich, Teilnehmern wie Ausstellern mehr Spaß an einer der großen deutschen Karrieremessen zu vermitteln.

So lockerte eine kleinteilige Start-up-Zone mitten in der Halle mit angrenzendem Street-Food-Court das Messegeschehen sichtbar auf.

Lounge-Feeling auf der Jobmesse.
Staufenbiel
Lounge-Feeling auf der Jobmesse.
Deckenhänger und übersichtliche Faltpläne verbesserten die Orientierung. Große und kleine Stände wurden gemischt und damit viel gefälliger als früher angeordnet, wo kleine Aussteller in Holzboxen am Hallenrand Platz fanden.

Markenartikler wie Henkel und Unilever präsentierten sich auf gewohnt bescheidenen Ständen, während Rewe, Kaufland und Aldi Süd die Platzhirsche in der Hallenmitte waren. In den Stoßzeiten konnte man fast den Eindruck gewinnen, als ob alle Absolventen in den Handel oder die Lebensmittelindustrie streben, so voll waren die Stände. "Wir sind wirklich überrascht von dem Andrang", hieß es bei Kaufland.

Aber auch bei Tedi, Fressnapf, Obi, Barilla, Storck, Arla oder Krombacher schien das mitgebrachte Standpersonal pausenlos im Gespräch zu sein. "Absolventen treten mit einem starken Selbstbewusstsein auf, wissen genau, was sie wollen, und stellen sehr gezielte Fragen", beobachtete man bei Henkel. Die Mitarbeiter am Stand würden ganz konkret danach gefragt, was ihnen an ihrem Job gefällt und warum sie sich für Henkel als Arbeitgeber entschieden haben.

Für lange Schlangen sorgten Melitta und Kaufland mit ihrem Gratis-Catering: Der Kaffeeanbieter versorgte das gesamte Messepublikum mit Unmengen von Kaffee plus Porzellan-Kaffeebecher, Kaufland mit belegten Bagels.

Aldi Süd bot den Bewerbern in der Blackbox ein zehnminütiges Vorstellungsgespräch im Dunkeln.
Aldi Süd
Aldi Süd bot den Bewerbern in der Blackbox ein zehnminütiges Vorstellungsgespräch im Dunkeln.

Aldi Süd, im Vorjahr messe-abstinent, setzte mit Blind Recruiting in einer Blackbox fernab vom Hauptstand ein Highlight. Ohne zu wissen, um welchen Arbeitgeber es geht, konnten sich Bewerber dort für ihr "Blind Date" mit einem Recruiter eintragen. Das zehnminütige Gespräch fand in der komplett unbeleuchteten Box statt. Motto: keine Vorurteile von keiner Seite. Erst am Nachmittag des ersten Messetags deckten ein Sprayer und ein Rapper vor großem Publikum auf, dass Aldi Süd Betreiber der Black Box war. Das Medienecho reichte von ZDF bis FAZ.

Glücklich auch die Verlegung der Vorträge in vier sogenannte Speech Areas in den Hallenecken. Das hielt die Besucher im Geschehen, die früher dafür separate Seminarräume aufsuchen mussten. Rund 150 Absolventen konnten so mühelos dem Fachvortrag von Amazon Prime Deutschlandchef Samuel Nicols über Innovationsmanagement lauschen. Aber auch klassische Präsentationen wie "Unilever stellt sich vor" oder "Auf welche Skills achten Personaler" stießen bei den Bewerbern auf reges Interesse. Ebenso Foto-Shooting, Styling-Beratung und Lebenslaufcheck. "Die Messe hat wieder Event-Charakter. Es macht den Bewerbern Spaß, hierher zu kommen", formulierte es Jana Dobrunz, Leiterin des Personalmarketings bei Melitta.

Der Bereich IT, in dem sich Aldi Süd erstmals mit separatem Stand präsentierte, erfuhr eine Aufwertung durch Fußballroboter, die von Studententeams programmiert auf grünem Spielfeld um die Wette kickten. Auch Chemieriese Bayer hatte Roboter als humanoide Recruiter im Einsatz. Sie beantworteten Standardfragen zu Traineeprogrammen und Jobeinstieg.

Arla machte mit englischsprachigen Roll-ups und Nachwuchskräften das Statement, dass eine Karriere beim Milchkonzern international ist. Gleiches gilt für Amazon, dessen Mini-Stand in keinem Verhältnis dazu steht, dass das Unternehmen dieses Jahr 2 000 neue Leute einstellt. Lidl war dieses Mal nicht in Köln. Man gebe derzeit regionaleren Events den Vorzug, hieß es dazu.

25 Jahre schon veranstaltet das Kölner Staufenbiel Institut die Jobmesse. "In diesem Jahr haben wir versucht, den Absolventenkongress neu zu erfinden", sagt Thomas Friedenberger, Karriereberater. Auch vom neuen Eigner Squeaker.net kam dazu Input. Mit den Neuheiten habe man im Vorfeld verstärkt bei Hochschulen und Medien geworben, die Besucherzahlen seien deutlich gestiegen. "Und ich kann jetzt schon versprechen, dass es 2018 weitere Neuerungen geben wird", so Friedenberger.

Sabine Grobara, HR Marketing: Hat für Aldi Süd die Blackbox konzipiert.
Aldi Süd
Sabine Grobara, HR Marketing: Hat für Aldi Süd die Blackbox konzipiert.

Aldi Süd wertet Blackbox als Erfolg

Frau Grobara, wie kamen Sie auf die Idee, Bewerber in der Blackbox zu interviewen?
Wir wollten den Besuchern etwas bieten, das ihnen Spaß macht und mehr ist als ein typisches Bewerbungsgespräch. In der Blackbox haben wir nicht gesehen, wer uns gegenüber saß, das Outfit spielte keine Rolle, die Frisur war egal. Es kam einfach nur auf die Persönlichkeit an. Das hat spannende Gesprächssituationen geschaffen. Wir wollten auch zeigen, dass wir großen Wert auf Vielfalt und Diversity legen.


Wurde das Ziel erreicht, neue Kandidaten auf den LEH neugierig zu machen?
Ja, das Feedback der Bewerber war überragend. Nahezu alle waren überrascht, dass sich Aldi Süd hinter der Blackbox befindet. Viele Interessenten sagten uns, dass sie nach dem Gespräch in der Blackbox noch einmal das Gespräch am Messestand suchen wollten – mit dem Hinweis, dass sie das nicht geplant oder Aldi Süd bis dato nicht als attraktiven Arbeitgeber wahrgenommen hatten.

Steigt die Aufgeschlossenheit der Absolventen für Aufgaben im Handel?
Aldi Süd befindet sich im Wandel. Wir modernisieren unsere Filialen, präsentieren uns in TV und Kino und überraschen mit Events wie dem Aldi Bistro. Das zeigt nach außen, dass sich ein traditionsreiches Unternehmen mit seinen Kunden weiterentwickelt und damit viele spannende Aufgabenbereiche auf Absolventen warten. lz 48-17

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