Talentgewinnung Jobeinstieg im Corona-Jahr

von Redaktion LZ
Freitag, 02. Oktober 2020
Krisenfest: Die Arbeitgeber im LEH und der Konsumgüterindustrie bekommen mehr und andere Bewerbungen als früher. Die Systemrelevanz in Kombination mit Einbrüchen in manchen Branchen bietet ihnen neue Möglichkeiten bei der Talentgewinnung.
Shutterstock/Goran Bogicevic
Krisenfest: Die Arbeitgeber im LEH und der Konsumgüterindustrie bekommen mehr und andere Bewerbungen als früher. Die Systemrelevanz in Kombination mit Einbrüchen in manchen Branchen bietet ihnen neue Möglichkeiten bei der Talentgewinnung.
Talentgewinnung
Jobeinstieg im Corona-Jahr
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Der Lockdown hat Studienabsolventen den Jobeinstieg erschwert. Dort, wo die Geschäfte florierten, wurden Anpacker gesucht für Verkauf, Lager, Produktion, doch bei zentralen Funktionen herrschte Stillstand. Manche Hersteller und Händler bleiben vorsichtig, obwohl die Bewerberqualität in der Branche steigt.

"In den Monaten des harten Lockdowns – im März, April und im Mai – sanken die Stellenangebote im Bereich der Einstiegsjobs, bei Werkstudentenstellen und bei Praktika um circa 20 Prozent", berichtet Svenja Rausch von Jobteaser, einer Stellenbörse mit Fokus auf Studierende und Absolventen.

Kein Wunder: Je nach Branche hatten die Personalabteilungen bei Ausbruch der Pandemie alle Hände voll damit zu tun, die eigenen Mitarbeiter zu schützen, fit fürs Home-Office zu machen, Kurzarbeit zu beantragen und kurzfristig Personal ab- oder aufzubauen. Dafür, unerfahrene BWL-Absolventen einzuarbeiten, hatte gefühlt niemand Zeit.

Selbst im August zeigte eine Umfrage von Recruitingspezialist Wolfgang Brickwedde (ICR) noch, dass 52 Prozent der Unternehmen das Angebot an Praktika eingestellt oder verringert hatten, 43 Prozent auch für Werkstudenten. 35 Prozent wollten weniger Berufseinsteiger einstellen, doch Beratung, IT und Handel gehörten zu den weiterhin Suchenden.

Zwischendurch habe auch der Einzelhandel viele Stellenangebote pausiert, weiß Svenja Rausch. "Mittlerweile fährt das Recruiting aber wieder hoch – und man merkt gerade hier, dass Nachwuchsfachkräfte mit digitalen Skills aus dem Bereich E-Commerce gesucht werden." Vergleichsweise stabil seien Hersteller von Konsumgütern durch die Krise gekommen. "Unsere Einstellungspraxis hat sich durch die aktuelle Situation nicht verändert", bestätigt Christina Rositzka, Recruitment- und Ausbildungsleiterin bei Henkel in Deutschland. Zwar arbeiteten immer noch viele Teams im Home-Office oder hybrid, aber das sei kein Hinderungsgrund, Praktikanten und Werkstudenten in die Arbeit einzubinden. Auch das Onboarding für neue Mitarbeiter sei komplett auf virtuell umgestellt, Bewerbungsprozesse und Erstgespräche seit langem hoch digitalisiert. Auch bei Aldi Süd hat Corona nichts an der Einstellungspraxis für junge Talente verändert. Das könnte sich für Bewerber wie den Discounter auszahlen, denn: "Derzeit verzeichnen wir einen leichten Anstieg der Anzahl und Qualität der Bewerbungen." Das ist eine gute Nachricht, denn der Fachkräftemangel erledigt sich durch Corona keineswegs von selbst: "Die Besetzung von Tech-Jobs bleibt für uns, wie viele andere Unternehmen, teilweise herausfordernd", heißt es bei Otto.

Christian Harms, dm-Geschäftsführer für des Ressort Mitarbeiter, ist vorsichtig beim Recruiting: "Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu einer Ausnahmesituation geführt, die es in dieser Form bisher noch nicht gab. Die Auswirkungen und die Entwicklungen im Einzelhandel sind noch nicht abzuschätzen." Dies habe Folgen für Berufseinsteiger. So hat sich bei dm das Angebot für Praktika verringert, auch vor dem Hintergrund, "dass im Remote-Betrieb die Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten erschwert ist." Erfreulich findet Harms, dass sich die Anzahl der Bewerber erhöht hat. "Vor allem Initiativbewerbungen haben zugenommen." Auch die Qualität der Bewerbungen steige – jedoch nicht bei jedem Stellentyp.

Gut möglich, dass die Konsumgüterbranche als Anbieter sicherer, systemrelevanter Jobs (endlich) attraktiver für junge Talente geworden ist. Zumindest haben Recruiter 2020 die historische Chance, mit solchen Bewerbern in Kontakt zu kommen, die vor der Krise andere Branchen bevorzugt haben.

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