Professionalisierung HR Wenig digitale Personaler in Ernährungsbranche

von Silke Biester
Freitag, 21. September 2018
In den Personalbereichen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie werden die Chancen digitaler Systeme erkannt. Dennoch haben viele Unternehmen noch keine Strukturen dafür geschaffen. Das zeigt eine Studie der Personalberatung Topos und der Fachhochschule Erfurt.

Im Personalbereich vieler Unternehmen der Ernährungswirtschaft wird die Digitalisierung voraussichtlich erst nach einem Generationswechsel der Verantwortlichen konsequent umgesetzt werden. Zu dieser Prognose kommt die Topos Personalberatung, die in Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt eine Befragung der Branche durchgeführt hat. "Das Potenzial einer verstärkten Digitalisierung des HR-Bereichs erkennen nahezu alle befragten Unternehmen, nur was die Umsetzung betrifft, tun sich besonders kleinere und traditionellere Firmen noch schwer", fasst Studieninitiator Carl Christian Müller von Topos die Erkenntnisse zusammen. Immerhin 56,5 Prozent der Befragten geben an, dass die Digitalisierung des Personalbereichs Teil der Unternehmensstrategie ist. Und 69,6 Prozent geben an, dass es konkrete Vorhaben gibt, die Entwicklung voran zu treiben. Erwartet werden davon vor allem Effizienzsteigerungen durch automatisierte Prozesse, Transparenz durch Netzwerklösungen und Zeitersparnis. Als wesentliche Stolpersteine machen die Befragten das neue Datenschutzgesetz, das Fehlen adäquater Software, fehlendes Budget sowie die mangelnde Kompetenz der Mitarbeiter aus.

Digitalkompetenz sei für die Beschäftigten der Personalabteilungen bisher oftmals (63 Prozent) kein Einstellungskriterium, benennen die Studienmacher eine Ursache. Darüber hinaus würden häufig (56,5 Prozent) keine Weiterbildungsmaßnahmen für Personaler angeboten. Für Carl Christian Müller ist das eine der größten Hürden: "Um den Personalbereich wirklich grundlegend zu digitalisieren, bedarf es im Grunde ganz neuer Berufsbilder und Karrierewege, die die nötigen Fähigkeiten zur Personalarbeit mit digitalen Skills kombinieren."

Tatsächlich gibt nur jeder dritte Betrieb an, dass die Handlungsabläufe und Arbeitsprozesse bereits überwiegend digitalisiert sind. Am weitesten ist dies im Bereich Personalcontrolling und Abrechnung umgesetzt, gefolgt von Administration und Rekrutierung. Personalplanung und -entwicklung tun sich bisher damit am schwersten.

Grundsätzlich gilt: "Je größer ein Unternehmen, desto eher werden konkrete Strategien und Konzepte zur Digitalisierung umgesetzt – nicht selten von einer eigenen Abteilung. In kleineren, meist familiengeführten Unternehmen müsste der Geschäftsführer eine entsprechende Strategie vorgeben", unterstreicht Prof. Steffen Schwarz, der die Befragung zusammen mit Masterstudierenden der Fachrichtung Business Management wissenschaftlich begleitet hat.

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