Trendence-Absolventenbarometer Handel wird bei Jobsuche beliebter

von Silke Biester
Freitag, 10. Mai 2019
FatCamera/iStock
Der Handel gewinnt in der Gunst junger Akademiker als möglicher Arbeitgeber. Die vielfältigen Employer Branding Maßnahmen scheinen sich auszuzahlen. Bei den Digitaltalenten und High Potentials kann die Branche allerdings noch nicht punkten. Beliebtester Wunscharbeitgeber bleibt Amazon.

Schon das zweite Jahr in Folge steigt das Ansehen des Handels bei Absolventen und erreicht bereits den dritten Platz im Branchenvergleich, hinter der Automobil- und Consulting-Branche. Im Vorjahr musste man sich noch mit Rang 9 begnügen. Erstmals sind die Händler sogar knapp an den FMCG-Herstellern vorbei gezogen. Das zeigt das Absolventenbarometer 2019 des Trendence Instituts. Eine exklusive Sonderauswertung für die LZ beleuchtet vor allem die Zielgruppe mit einer Affinität zu Handel und Industrie. Von den rund 55 000 befragten Studierenden aus wirtschaftswissenschaftlichen Fächern trifft das auf 1 673 zu. Sie würden zwei von drei Bewerbungen an Unternehmen der Branche schicken.

Amazon konnte die Spitzenposition festigen und belegt erneut den ersten Platz im Ranking. Der Online-Profi würde von 5 Prozent aller Absolventen eine Bewerbung bekommen. Es folgt dm-Drogeriemarkt mit 3,1 und Aldi Süd mit 2,2 Prozent. Fast alle Händler konnten ihre Position verbessern. Erstmals hat es auch Aldi Nord in die Top-Liste geschafft. Bei Trendence ist man überzeugt, dass sich die Bemühungen bezahlt machen, das Image zu verbessern. Das Unternehmen hat 2017 damit angefangen, seine Arbeitgebermarke zu entwickeln, hat einen neuen Geschäftsführer Personal eingestellt und arbeitet kontinuierlich an der Attraktivität als Arbeitgeber. Das macht sich bemerkbar. Auch Rewe, Lidl und Edeka konnten die Position im Beliebtheitsvergleich leicht steigern.

Ganz anders ist die Entwicklung bei den Konsumgüterlieferanten, die überwiegend verloren haben. Positive Ausnahmen sind L‘Oréal, Ferrero, Dr. Oetker, Henkel sowie Johnson & Johnson. Als Gesamtbranche büßen die Hersteller bereits das zweite Jahr infolge Ansehen ein. In dieser Zeit haben sie 24 Prozent ihrer Fans verloren. 2017 wollten im Vergleich zum Handel fast doppelt so viele Studierende unbedingt zu FMCG-Produzenten. Heute hat der Handel FMCG überholt. Das macht sich v.a. bei Nestlé, Unilever und Red Bull bemerkbar.

Regelrecht Rot sieht Trendence für beide Branchen, wenn es darum geht, digitale Talente anzulocken. Denn diese wollen bevorzugt bei Tech-Konzernen wie Google oder Apple, Automarken wie Porsche oder Beratern wie McKinsey oder BCG arbeiten. Einzig Amazon kann hier als Händler ernsthaft punkten, Zalando und Otto bewegen sich gerade noch im grünen Bereich, wie auch die FMCG-Hersteller L‘Oréal, Red Bull und Coca-Cola. Nahezu das gleiche, wenig erfreuliche Bild ergibt sich bei High Potentials: Hier konnten allerdings dm-Drogerie, L‘Oréal, Henkel, Rewe, Ferrero, Dr. Oetker und Otto zulegen.

Besonders wichtig sind Studierenden mit Affinität zu Handel und FMCG ein "faires Gehalt" (68 Prozent), "attraktive Aufgaben" (61 Prozent) und "Wertschätzung der Mitarbeiter" (61 Prozent). Überproportional bedeutend ist für sie zudem "Spaß an der Arbeit". Dieser ist bedeutender als die Höhe des Gehalts – sofern dies zumindest als fair angesehen wird. Zu niedriges Gehalt ist wiederum ein No-Go. 43 Prozent der Branchenfans würde ein attraktives Arbeitsangebot ablehnen, wenn das Gehalt zu niedrig ist. Bei der Frage "Geld oder Freizeit" würden 52 Prozent mehr Zeit bevorzugen, dies sind deutlich mehr als im Durchschnitt der Wirtschaftswissenschaftler.

Trendence hat in diesem Jahr auch den Wertekanon der Absolventen genauer untersucht: Im Vergleich zu anderen Wirtschaftswissenschaftlern legen diejenigen, die im Handel und in der Konsumgüterindustrie arbeiten wollen, weniger Wert auf Karriere oder Geld. Ihnen ist das Team deutlich wichtiger und sie sind nicht so an ihre Heimat gebunden und können sich ebenso die weite Welt vorstellen. Frauen zieht es deutlich stärker in den Handel (12,5 Prozent) und FMCG-Bereich (10,6 Prozent) als Männer (5,1 bzw. 2,2 Prozent).

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