Trendence-Arbeitgeberranking Kritik am Führungsstil in der Branche

von Silke Biester
Freitag, 19. Oktober 2018
Das Image von Handel und FMCG-Industrie ist bei Akademikern dürftig. Wer sich dennoch in der Branche bewerben würde, klopft zuerst bei Amazon, Zalando, Procter & Gamble, Beiersdorf, Ikea oder Rewe an. Das zeigt die Sonderauswertung des Trendence Young Professional Barometers 2018.

Mehr als 18 000 Young Professionals hat das Trendence Institut gefragt, in welcher Branche und konkret bei welchen Unternehmen sie sich bewerben würden – und wo auf gar keinen Fall. Bei diesem Attraktivitätsvergleich landet die FMCG-Industrie gerade mal auf Platz 10 von 14, gefolgt von Handel und E-Commerce. Studierte Beschäftigte wollen lieber in die Automobilindustrie, Forschung oder Beratung. Im Vergleich aller Arbeitgeber schafft es Amazon immerhin auf Rang 39. Auch Beiersdorf (40), Rewe Group (53), Johnson & Johnson (58), Henkel (60), Ikea (64) sowie Procter & Gamble (98) haben es unter die Top 100 geschafft. Die Rewe Group profitiert bei dieser Betrachtung auch von der Touristiksparte, die im Ranking der beliebtesten Tourismusarbeitgeber Rang 1 erreicht.

Bei der Sonderauswertung für die LZ ist ein Blick auf die Prioritäten jener Jungakademiker möglich, die sich insbesondere für die Branche Handel, Online-Handel oder Konsumgüterindustrie interessieren. Im Handel schneidet Ikea am besten ab. Bei der Rewe Group (Platz 2) würden sich 17,3 Prozent der handelsaffinen Kandidaten bewerben, bei Aldi Süd 16,9 Prozent, dm 14,3, Edeka 11,1 und Lidl 6,8 Prozent. Real belegt Platz 20 und würde noch von einem Prozent der handelsorientierten Kandidaten eine Bewerbung erhalten.

Weit mehr Aufmerksamkeit erzielen die Top-Player im E-Commerce: Bei Amazon würden sich zwei von fünf Befragten bewerben und bei Zalando jeder Vierte. Otto und Ebay wecken noch das Interesse bei jedem Zehnten. Ein direkter Vergleich der Auf- und Absteiger gegenüber dem Vorjahr ist 2018 nicht möglich, da Trendence die Erhebungsregeln modifiziert hat. Die Branche heißt erstmals "Handel und E-Commerce" und bindet mehr Kandidaten ein, die zuvor der IT-Branche zugeordnet wurden. Im Ranking wurden dennoch Handel und Online-Handel getrennt ausgewiesen (siehe Grafik).

Bei den Arbeitgebern der FMCG-Industrie ist ein Vergleich dagegen möglich. Procter & Gamble hat in diesem Jahr deutlich an Attraktivität gewonnen und verweist Beiersdorf und Unilever auf die Plätze 2 und 3. Insgesamt hat es wenig Bewegung gegeben. Dr. Oetker schafft es von Platz 11 auf Rang 8. Dafür muss Tchibo seinen Platz in den Top 10 aufgeben und fällt auf Rang 13.

Wichtigster Grund für die Unzufriedenheit der Young Professionals ist schlechter Führungsstil, der von 48 Prozent der Befragten mit Job im Handel und 39 Prozent derer aus der Industrie explizit genannt wird. Kein ansprechendes Gehalt, mangelnde Wertschätzung und fehlende Karriereperspektiven werden ebenso kritisiert. 97 Prozent der jungen Beschäftigten im Handel und 98 Prozent in der Industrie ist gute Führung wichtig bei der Arbeitgeberwahl. Weit mehr als die Hälfte wünschen sich Vorgesetzte, die motivieren können. Motivationsfähigkeit ist für sie die mit Abstand wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft. 40 Prozent hätten zudem gerne empathische Chefs. Auch Organisationsfähigkeit und Authentizität sind gefragt. Expertise hingegen folgt abgeschlagen auf Rang 8 bzw. 9 der wichtigen Führungseigenschaften.

Für eine perfekte Arbeitsumgebung spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit eine große Rolle. Rund die Hälfte wünscht sich flexible Arbeitszeiten. Auf Rang 2 der Wunschliste folgen Überstundenausgleich (40 Prozent), dann Homeoffice. Mehr als ein Drittel wünschen sich Weiterbildungsangebote und Unterstützung bei der Karriereplanung. Freizeitangebote spielen hingegen kaum eine Rolle. Obwohl die Zufriedenheit der in der Branche Beschäftigten bei über 80 Prozent liegt, ist die Wechselwilligkeit hoch: 85 Prozent (FMCG) und 83 Prozent (Handel) sind offen für einen neuen Job oder suchen bereits aktiv. Zwei Drittel der Mitarbeiter im Handel haben im vergangenen Jahr mindestens ein Jobangebot erhalten. In der Industrie waren es 71 Prozent. Das entspricht dem Schnitt aller Branchen.

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