Trennungsmanagement Mediation kommt vor Kündigung

von Redaktion LZ
Freitag, 24. August 2018
Thorsten Blaufelder: Der Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Dornhan ist zugleich Wirtschaftsmediator, Referent, Coach und Blogger.
Privat
Thorsten Blaufelder: Der Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Dornhan ist zugleich Wirtschaftsmediator, Referent, Coach und Blogger.
Manche Vakanz müsste gar nicht entstehen, wenn Mitarbeiter und Vorgesetzte früher und intensiver über Missstände sprechen würden. In einer Zeit, in der Fachkräfte knapp sind, ist dies ein Argument für die Mediation.

In Krisenzeiten mögen Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein, sich von einzelnen oder von einer großen Zahl von Mitarbeitern zu trennen. Professionelles Trennungsmanagement kann in solchen Fällen dem Unternehmen und den betroffenen Mitarbeitern helfen, den Trennungsprozess wertschätzend zu begleiten – im Idealfall ohne gerichtliche Auseinandersetzung.

Wenn es aber um innerbetriebliche Konfliktfälle wie etwa mutmaßliches Fehlverhalten am Arbeitsplatz, mangelhafte Arbeitsleistung und krankheitsbedingte Leistungseinschränkungen geht, greifen viele Arbeitgeber vorschnell zum Mittel der Kündigung. Zeit- und kostenintensive Rechtsstreitigkeiten vor dem Arbeitsgericht können die Folge sein. In derartigen Situationen sind Unternehmer besser beraten, mithilfe von Mediation den Konfliktfall zu bearbeiten und den Versuch einer einvernehmlichen Lösung zu unternehmen.

Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben. Im Verlauf eines Mediationsverfahrens werden die hinter dem Konflikt liegenden Sichtweisen, Bedürfnisse und Interessen der Beteiligten (die als "Medianten" bezeichnet werden) herausgearbeitet. Es werden Optionen zur Regelung und Beilegung des Streits erörtert und geprüft.

Ein zentraler Gedanke des Mediationsverfahrens beruht auf der Erkenntnis, dass nur die Medianten selbst die wirklich angemessenen und als fair empfundenen Lösungen entwickeln können. Eigene Lösungen werden eher akzeptiert und verwirklicht als von außen vorgeschlagene oder gar gerichtlich festgelegte. Im Gegensatz zum gerichtlichen Verfahren liegt das Ergebnis eines Mediationsverfahrens allein in den Händen der Konfliktparteien. Ziel einer Mediation ist es, gemeinsam tragfähige und zukunftsorientierte Lösungen zu finden, bei der sich keine Seite als Verlierer ("win-win"-Situation) fühlt und die zu einer langfristigen und nachhaltigen "Befriedung" des Konflikts führt. Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass die Medianten im Verlauf des Verfahrens unter Anleitung und Führung des Mediators (wieder) miteinander kommunizieren, gemeinsam nach kreativen Lösungsmöglichkeiten Ausschau halten und diese dann umsetzen. Die eigentliche Rechtslage und etwaige "Schuldfragen" stehen im Hintergrund. Mediatoren ermitteln nicht die Wahrheit, sie bewerten und urteilen nicht und schlagen keine Lösungen vor. Mediatoren sind im Rahmen ihrer Aufgabe zur Neutralität, Allparteilichkeit und zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Mediation kann oftmals dazu dienen, dass ein "angeschlagenes" Arbeitsverhältnis einen Neustart erfährt und somit vertrauensvoll und konstruktiv fortgeführt werden kann. Sie stärkt als Bestandteil eines betrieblichen Konfliktmanagements das Unternehmensimage und unterstreicht, dass soziale Verantwortung für die Mitarbeiter nicht mit der Trennungsentscheidung endet.

Sollte sich im Verlauf eines Mediationsverfahrens jedoch herauskristallisieren, dass eine Trennung wirklich unumgänglich ist, so kann das Angebot einer Outplacement-Beratung einer von vielen "Bausteinen" einer Aufhebungsvereinbarung sein. Beim Outplacement handelt es sich um eine vom Unternehmen finanzierte Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter, die als professionelle Hilfe zur beruflichen Neuorientierung angeboten wird – zusätzlich oder als Alternative zu einer Abfindungszahlung.

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