Umfage bei Berufschülern Wie der Handel junge Mitarbeiter gewinnt

von Redaktion LZ
Donnerstag, 02. Mai 2019
Als Nachwuchskraft bei Bauhaus sind Daniel Krummel die Imageprobleme des Handels bei jungen Bewerbern wohl bekannt. In seiner Bachelorarbeit ist er ihnen durch eine eigene Erhebung unter 216 Stuttgarter Berufsschülern auf den Grund gegangen.

Die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte im Einzelhandel steigt, weil seit Jahren die Umsätze wachsen, ebenso Wettbewerbsdruck und Kundenerwartungen. Nur: Die heutigen Berufseinsteiger treten mit völlig neuen Anforderungen an ihren Arbeitgeber heran. Digitalisierung, Wohlstand und Wertewandel haben die Generation geprägt. Der Schrei nach Weiterbildung, Instant Gratification und das Hinterfragen bestehender Strukturen sind typische Merkmale. Entspricht der Arbeitgeber nicht den Anforderungen, kommt es schnell zur Kündigung.

Trifft diese neue anspruchsvolle Arbeitnehmergruppe auf alteingesessene Mitarbeiter, kommt es nicht selten zum "Clash of Cultures". Die Einsteiger sind nicht bereit, allen Forderungen des Unternehmens Folge zu leisten ohne vollständig überzeugt zu sein. Sie fordern Feedbacks ein und strahlen Selbstsicherheit im täglichen Tun aus. Eingefahrene Strukturen und Arbeitsprozesse werden bewertet und eigene Ansichten geteilt. Um Digital Natives als Arbeitnehmer für sich zu gewinnen, brauchen Unternehmen flache Hierarchien, einen kooperativen Führungsstil mit häufigen Feedbacks und eine offene Unternehmenskultur. Freie Meinungsäußerung und wertschätzender Umgang miteinander sind ebenso wichtig.

Der Einzelhandel gilt bei der jungen Zielgruppe, vor allem nach einem Studium, nicht als attraktivste Branche. Viele denken an die Aktivitäten auf der Fläche und nicht in der Zentrale. Dementsprechend wird eine geringe Vergütung erwartet. Außerdem wird angenommen, dass autoritäre Führungsstile in einem angespannten Betriebsklima und einer mangelnden Arbeitsplatzsicherheit münden. Dabei haben gerade in der Zentrale einige Schwächen des Einzelhandels keine Gültigkeit.

Für 63 Prozent der Millenials trägt der Ruf einer Branche wesentlich zur Wahl zukünftiger Arbeitgeber bei. Ergo ist es unerlässlich, am Image zu arbeiten, um nachhaltige Rekrutierungsarbeit zu ermöglichen. Für 37 Prozent der Befragten fließt das Branchenimage kaum oder gar nicht in ihre Arbeitgeberselektionen mit ein. Hier ergeben sich Potenziale für Einzelhändler: Sie könnten sich mit einem besonders bunten, vielfältigen Leistungsangebot von der Masse abheben. Schließlich haben auch die bei Akademikern früher so beliebte Automobilindustrie oder Finanzbranche durch anhaltende Skandale Ansehen verloren.

Fragt man nach Lieblingsarbeitgebern im Handel, bevorzugen die männlichen Probanden Einzelhändler der Unterhaltungselektronik, wohingegen Drogeriemärkte und Bio-Sortimenter aus weiblicher Sicht vorne liegen. Aldi und Lidl liegen in etwa gleichauf in puncto Arbeitgeberpräferenz, jedoch mit großem Abstand zu den geschlechtsspezifischen Wunscharbeitgebern.

Untersucht man die relevanten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl, so wünschen sich 81 Prozent der Befragten ein freies Wochenende, 74 Prozent setzen eine ausgewogene Work-Life-Balance und eine überdurchschnittliche Bezahlung voraus. Bei den sozialen Bedürfnissen stechen ein gutes Betriebsklima (87 Prozent ) und die Transparenz des Unternehmens (zu 86 Prozent) besonders heraus. Weiterbildung und Jobsicherheit punkten bei der Frage nach den Wünschen an die persönliche Entwicklung (siehe Grafik). Folgende Leistungen könnten somit der Studie zufolge zur Differenzierung beitragen:

• Ein nur wöchentlich wechselndes Schichtsystem (Frühschicht/Spätschicht im Wechsel) und mindestens ein freier Samstag im Monat.

• Die Ausweitung und autonome Gestaltung des Weiterbildungsangebots durch die Mitarbeiter.

• Transparenz und Offenheit bei der Präsentation von Geschäftszahlen, Unternehmensstruktur und -führung.

• Das Etablieren einer kontinuierlichen Feedbackkultur im Unternehmensalltag.

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