Kündigungsgespräche Trennung mit Happy End

von Julia Wittenhagen
Freitag, 24. August 2018
Scheiden tut weh: Ein „Kündigungs-Coach“ erhöht die Chance auf ein gutes Ende.
Andrey Popov/iStock by Getty Images
Scheiden tut weh: Ein „Kündigungs-Coach“ erhöht die Chance auf ein gutes Ende.
Kündigungsgespräche setzen nicht nur Mitarbeiter und Vorgesetzte unter Stress, sie können auch hässliche Nachwirkungen haben. Deshalb wirbt die Personalberatung Kienbaum für professionelles Trennungsmanagement.

Dynamische Unternehmen schaffen neue Positionen und streichen alte. Wer aber selbst einmal zu den Mitarbeitern gehörte, die "aussortiert" werden, vergisst das nie. Persönliche Verletzung und lange Rechtsstreitigkeiten um "Schmerzensgeld" binden Energie – auch beim ehemaligen Arbeitgeber.

Es geht für beide Seiten besser, ist Bernd Fricke überzeugt, der als Direktor bei Kienbaum Trennungsmanagement für Unternehmen und Kandidaten weiter voranbringen möchte. Für ihn sind das alle Maßnahmen und Abläufe, die eine Trennung für beide Seiten professioneller, wertschätzender und fairer gestalten. Dazu gehören Trennungsgespräch-Trainings für Führungskräfte, Modellrechnungen zu Rente und Abfindung plus ein Newplacement-Service für Mitarbeiter. Darunter versteht Fricke eine Perspektivberatung mit dem Ziel der Neupositionierung, die tiefer geht als eine reine Stellenbeschaffung und unter dem Begriff "Outplacement" bekannt wurde. Neben wenigen großen Beratungen haben sich darauf in Deutschland vor allem kleine Anbieter spezialisiert.

Wie groß der Bedarf für Trennungsmanagement ist, hat Kienbaum vor zwei Jahren bei über 400 Führungskräften abgefragt. Die Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen das Thema für wichtig halten, 70 Prozent aber noch keinerlei Trennungskultur haben. "Es ist ein rein emotionales Thema in einem rationalen Umfeld", erklärt Fricke die Lücke zwischen Bedarf und Angebot. Dabei gebe es viele Gründe, den Abschied von Mitarbeitern gut vorzubereiten: Dazu gehören Geldersparnis, die Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen, aber auch Soft Facts wie die Motivation der verbliebenen Mitarbeiter und das Außenimage. Gerade dieser Employer Branding-Aspekt macht die Dienstleistung gerade zum Modethema. "Als Arbeitgeber in der Konsumgüterindustrie würde ich mich schon fragen, wo mein Mitarbeiter hingeht", sagt Fricke. Denn als Kunde oder Lieferant könne er dem alten Unternehmen massiv schaden. Tatsächlich ist es in der Kienbaum-Studie die Kosumgüterbranche, die sich am sensibelsten für Imageschäden in Folge von Trennungen zeigt. "Man sieht sich immer zweimal", lautet auch im Handel die Devise: Mehr als 50 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, Ex-Führungskräfte in Zukunft wieder einzustellen.

Bernd Fricke: Experte für professionelles Trennungsmanagement bei Kienbaum.
Julia Wittenhagen
Bernd Fricke: Experte für professionelles Trennungsmanagement bei Kienbaum.

Schließlich gibt es viele Trennungsgründe. Fehlverhalten und Minderleistung sind nur ein Teil des Spektrums. "Die Botschaft, dass es vorbei ist, muss vermittelt werden und nachvollziehbare Gründe sollten auch geliefert werden. Aber der Mitarbeiter sollte mit erhobenem Haupt aus dem Unternehmen herausgehen", ist daher Frickes Anliegen. Für viele Angestellte komme eine Trennung aus heiterem Himmel, weiß er aus Erfahrung. "In dieser Situation holen wir den Kandidaten ab, sind Ventil und Sparringspartner zugleich. Wir hören genau zu und arbeiten heraus, was die Person besonders motiviert, welche Erfolge sie erlebt hat, aber auch, wo es eine Unzufriedenheit oder Überlastung gab oder eigene Wünsche nicht erfüllt wurden." Ziel sei es, durch eine bis zu sechsmonatige Begleitung die Perspektive des oder der Betroffenen zu verändern: Weg von der gekränkten Person hin zu jemandem, der nun die Chance hat, seine Fähigkeiten anderswo noch besser einzusetzen. "Vielleicht hat man Gründe ignoriert, selbst auf das Unternehmen zuzugehen und um Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu bitten. Nimmt man diesen Blickwinkel ein, verbessert sich sofort die Ausstrahlung beim nächsten Bewerbungsgespräch."

Auch am Auftritt wird gearbeitet, Unterlagen optimiert, manchmal gehört sogar Nachhilfe im sozialen Netzwerken dazu. Nach dieser Phase der "Marktvorbereitung" erfolgt die Platzierung des Kandidaten – Kerngeschäft bei Kienbaum. Als Faustregel gilt: Je höher Hierarchie und Einkommen sind, desto länger dauert die Vermittlung. Und: Eine lange Betriebszugehörigkeit ist problematischer als das Alter allein.

Natürlich hat so viel professionelle Unterstützung, die manchmal optional, manchmal verpflichtend angeboten wird, ihren Preis. Kritiker bemängeln, dass sie auf Kosten der Abfindung des ausscheidenden Mitarbeiters geht und fragen sich, ob er in gleichem Maß von einer "aufgefangenen" Kündigung profitiert wie der Arbeitgeber. Schließlich wirbt Kienbaum bei Unternehmen für die Dienstleistung mit der "geräuschlosen und schnelleren Durchführung von Trennungsprozessen" und "Amortisierung ab dem ersten Kandidaten".

Arbeitsrechts-Anwalt Thorsten Blaufelder (siehe Beitrag unten) rät Arbeitnehmern, pragmatisch an das Thema zu gehen: "Wer wirklich überzeugt ist, eigenständig einen neuen Job zu finden, sollte auf eine Outplacement-Beratung verzichten, die wahrscheinlich im Endergebnis eine geringere Abfindung bringt." Allerdings: "Die schönste Abfindungszahlung bringt wenig, wenn die eher unprofessionellen Eigenbemühungen nicht fruchten und der Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit fällt."

Dass finanzielle Absicherung für den Kandidaten an erster Stelle steht, weiß Kienbaum-Berater Fricke und empfiehlt dafür einen Anwalt. Seine Perspektivberatung hält er für nicht minder wichtig, weil sie die Person in einer Krisensituation unterstützt und davon abhält, in Panik erste Kontakte zu verbrennen. "Das ist essenziell, wenn ehemalige Mitarbeiter merken, dass das eigene Netzwerk doch eher auf Basis von Position und nicht Person entstand oder ihre Fähigkeiten in der Selbstständigkeit nicht tragen." Hilfe bei der Neupositionierung werde bei Kienbaum übrigens auch von privater Seite immer öfter nachgefragt.

Im Mai ist die kostenlose Trennungsmanager-App fertig geworden, mit der Kienbaum, eine Kanzlei und eine IT-Beratung gemeinsam Personalmanager für das ganze Instrumentarium guter Trennungen sensibilisieren wollen. Vom Nutzen für beide Seiten ist Fricke überzeugt: "Die Chance auf eine einvernehmliche Lösung wächst und die Kandidaten haben wir schneller wieder am Markt".

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