Unterstützung für digitale Prozesse Handel beschert Personalberatern gute Zuwächse

von Julia Wittenhagen
Mittwoch, 29. Mai 2019
2018 wurden in Deutschland 72 000 Positionen mit Unterstützung durch Headhunter besetzt. Diese profitieren von Personalknappheit und der großen Nachfrage nach digitalen Experten. Da der Beratungsaufwand wächst, gelten HR-Tools nur bedingt als Bedrohung.

Das neunte Jahr in Folge wachsen die Umsätze der Personalberater. Das zeigt die neuste Branchenstudie des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Der Maschinenbau (+ 9,6 Prozent), die Chemiebranche (+ 9,6 Prozent) und der Handel (+ 8,8 Prozent) zeigten 2018 den stärksten Personalbedarf. Die hohe Nachfrage aus dem Handel erklärt der Verband mit dem Wunsch nach Experten für digitale Geschäftsprozesse.

In vielen Branchen erschwere der knappe Kandidatenmarkt die Suche und erfordere von den Unternehmen mehr Flexibilität und Entscheidungsfreude. Mehr denn je sei beim Headhunting die persönliche Beratungsleistung gefordert und könne durch digitale HR-Tools nicht so schnell ersetzt werden. "Bei unseren Mandanten finden diversere Lebensläufe Toleranz", benannte Wolfram Tröger aus dem BDU-Prasidium eine Folge der Knappheit: Bei den platzierten Kandidaten stieg der Anteil der Frauen, aber auch der Kandidaten über 50 Jahre und mit Migrationshintergrund. Dass der Pool der Frauen wächst, die für leitende Funktionen zur Verfügung stehen, konnten die Berater nicht bestätigen. "In bestimmten Bereichen und Branchen fehlt nach wie vor schon vom Studiengang an weiblicher Nachwuchs", sagte Tröger. Das Handicap der weniger selbstsicheren Darstellung dagegen könne seine Zunft ausgleichen. Als weiteren Trend im Geschäft benannte er die wachsende Bedeutung der Work-Life-Balance bis hoch in die Vorstandsebene. "Wer den Ort wechseln soll, will pendeln und fragt automatisch nach Home-Office." Dabei würde das Arbeiten zu Hause im Mittelstand häufig noch mit "zusätzlicher Urlaubstag" gleichgesetzt. "Früher schrieben Führungskräfte nichts von Hobbys in den Lebenslauf. Heute haben private Interessen durchaus einen Stellenwert im Gespräch", ergänzt Karl-Josef Mondorf, Vorstand im BDU-Fachverband Personalberatung.

Neben der Suche, Auswahl und Gewinnung von Führungskräften und Experten wurden die Berater 2018 von den Kunden verstärkt mit der Suche nach Interim-Managern (Umsatzanteil 2,8 Prozent) beauftragt. Das durchschnittliche Honorar (ohne Reisekosten und Spesen) ist nochmals leicht gestiegen auf 26,4 Prozent (2017: 26 Prozent) des Zieleinkommens eines Kandidaten. Dieses liegt im Schnitt bei 160 000 Euro.

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