Vereinbarkeit bei Cosnova Kinder, Kosmetik, Karriere

von Julia Wittenhagen
Freitag, 17. Januar 2020
Führungsposition trotz Kind: Dabei unterstützt Cosnovas HR-Direktorin Christine Fink, (3.v.l.) Kristin Jaskolka, Sandra Plahuta und Denise Klotz (v.l.).
Fotos: Thomas Fedra
Führungsposition trotz Kind: Dabei unterstützt Cosnovas HR-Direktorin Christine Fink, (3.v.l.) Kristin Jaskolka, Sandra Plahuta und Denise Klotz (v.l.).
Kosmetikunternehmen ziehen Frauen an und bieten ihnen gute Aufstiegsmöglichkeiten. Kommen Kinder ins Spiel, stehen in weiblich geprägten Unternehmen mehr Karrieren auf dem Spiel als anderswo. Daher fördert Cosnova Führen in Teilzeit und Doppelspitzen. Drei "Role Models" und die HR-Chefin geben Auskunft.

Wer wie Kristin Jaskolka in New York mit zwei kleinen Kindern Karriere bei einer großen Kosmetikmarke gemacht hat, denkt auch nach der Geburt des dritten Kindes und Neustart in einem deutschen Kosmetikunternehmen noch lange nicht an Teilzeit. Immerhin führt Jaskolka als Director of Brandhouse Essence die größte Marke des Hauses – im Tandem mit einer zweiten Managerin. "Als ich bei Cosnova anfing, habe ich ein Jahr lang Vollzeit gearbeitet. Erst als unsere Nanny uns vor zwei Jahren verließ, habe ich auf 80 Prozent reduziert", sagt sie. Damals waren die Kinder neun, sieben und zwei Jahre alt.

Vorbild waren ihre Chefin und die Chefin der Chefin. "Sie hatten ihre Kalender zu bestimmten Zeiten, vor allem nachmittags, geblockt, und genau das habe ich dann übernommen." Als Puffer nutzt Jaskolka die Abende. "Meine Haltung und meine Aufgaben hier fühlen sich immer noch nicht nach Teilzeit an", räumt sie ein. "Aber ich muss nicht mehr bei jedem Meeting körperlich anwesend sein. Viele Abstimmungen mit Agenturen kann ich per Videokonferenz von zu Hause erledigen. Für mich ist es von großem Wert, so zu arbeiten."

Die Amerikanerin versteht, dass in Deutschland mehr Frauen mit Kindern Arbeitszeit reduzieren als in den USA. "Der Druck kommt aus dem System, von Schulen, Ärzten, Hobbys. Sie sind wenig modern. "Für einen Termin beim Elternsprechtag, musste ich mich neulich persönlich vormittags in der Schule in eine Liste eintragen." Cosnova lobt sie als "Oase des Verständnisses".

„Ich muss nicht mehr bei jedem Meeting körperlich anwesend sein. Viele Abstimmungen mit Agenturen kann ich per Videokonferenz von zu Hause erledigen“
Kristin Jaskolka, Director of Brandhouse Essence
Kristin Jaskolka, Director of Brandhouse Essence
Thomas Fedra
Kristin Jaskolka, Director of Brandhouse Essence

Für Familienfreundlichkeit gibt es in dem wachsenden Unternehmen handfeste Gründe: 80 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30. "Wir haben viele Mütter im Unternehmen und wollen ihnen die Sicherheit geben, Beruf und Familie in eine gute Balance zu bringen", erklärt Personalchefin Christine Fink. Früher hätten weibliche Führungskräfte auf Director-Ebene bestenfalls auf 85 bis 90 Prozent reduziert, heute seien 80 Prozent keine Ausnahme mehr.

"Wir haben uns erst sehr schwer damit getan, von der Präsenzkultur loszulassen", räumt sie selbstkritisch ein. "Wir hatten die Illusion, mit einem One-size-fits-all-Modell allen gerecht zu werden, à la "Du darfst alle zwei Wochen einen halben Tag zu Hause arbeiten", und daran haben wir uns die Zähne ausgebissen. Es hat die unterschiedlichen Bedürfnisse nicht abgebildet."

Seit Januar 2018 gibt es nun das generelle Gebot, dass jeder mobil arbeiten darf, wenn er die Modalitäten mit seiner Abteilung geklärt hat. "Und das hat dem Thema Teilzeit-Führung natürlich einen Schub gegeben", sagt Fink. Im stauträchtigen Rhein-Main-Gebiet spare man schon mit der Anfahrt mächtig Zeit. Den zweiten Impuls gab die Einführung der Kommunikationsplattform Microsoft Teams. "Seitdem ist das Einwählen in Meetings viel selbstverständlicher. Auch unsere Gründerin Christina Oster-Daum hat sich für ein Grußwort neulich in ein Town Hall Meeting aus Berlin zugeschaltet", sagt Fink. Flexibilität mache den Arbeitsplatz wertvoller und gäbe neue Impulse. "Immer die gleiche Bürowand anzustarren, fördert ja nicht unbedingt die Kreativität."

Sandra Plahuta hat auf der Suche nach neuen Schönheitstrends die Welt bereist. Seit elf Jahren ist sie bei Cosnova. Als sie im März 2018 nach einem Jahr Elternzeit zurück ins Unternehmen kam, war klar, dass sich der Zuschnitt ihrer Aufgaben im Innovation Hub ändert. "Ich wusste, dass ich mit Tochter zu Hause die Reisen an das Team abgeben musste." Der Prozess sei gut von Personalleitung und Abteilung gesteuert worden. "Wir unterstützen dabei, Aufgaben neu zuzuschneiden und schauen, was das Team braucht", erklärt Christine Fink. Das kann personelle Verstärkung bei administrativen Aufgaben bedeuten, aber auch ein Coaching für die Etablierung von Doppelspitzen. "Wir denken HR und Organisation zusammen", beschreibt Christine Fink ihren Ansatz, "dementsprechend haben wir die HR-Abteilung umbenannt in ‚People and Organization‘."

Plahuta arbeitete zunächst 60 Prozent. Erst als ihre Einheit Anfang 2019 mit der Marktforschung zusammengelegt wurde, um Trendanalyse und Produktentwicklung um die Konsumentensicht zu erweitern, stockte sie auf 80 Prozent auf, "weil wir unheimlich viele Themen haben". Die Position des ‚Head of Trends and Consumer Insights‘ teilt sie sich seitdem mit der Marktforschungs-Kollegin. Freitags hat Sandra Plahuta frei. Ansonsten arbeitet sie mal länger, mal kürzer, mal am Wochenende. "Heute Nachmittag habe ich den Kalender für ein Kindergarten-Event geblockt. Dafür habe ich gestern, als das Kind schlief und mein Mann Fußball guckte, den Rechner angemacht. Diese Flexibilität möchte ich mir gern erhalten." Ihr ist wichtig, dass Beruf und Familie sich auf Augenhöhe begegnen. "Mal wird das Privatleben vom Job beeinflusst, mal ist es andersrum und dafür muss ich selbst einstehen", hat sie gelernt. Enorm hilfreich sei das richtige familiäre Umfeld und die richtige Firma. "Wenn ich mich mit anderen Frauen vergleiche, ist Cosnova echt ein Vorreiter."

Auch Denise Klotz fand es relativ leicht, nach einem Jahr Elternzeit mit 80 Prozent in ihren alten Job zurückzukehren: "Meine Chefin hielt mir die Stelle frei." Als Head of Company Projects und Corporate Identity steuert sie mit einem Team von vier Leuten markenübergreifende Projekte wie Messen und Events, interne Feiern und Veranstaltungen sowie den Markenauftritt von Cosnova. Die größte Umstellung für sie und ihre Kollegen: "Nach Vollzeit mit projektspezifischen Peaks muss ich jetzt die Schließzeiten der Kita schaffen." Im Zweifel erledige sie eilige Dinge abends, oder "ich priorisiere die Aufgaben mit meiner Chefin." Zudem sei das Team verstärkt worden. Frauen in Führung empfindet sie bei Cosnova von der Gründung an als natürlich. "Deshalb bin ich sehr froh, dass Teilzeit bei uns kein Karrierehindernis mehr ist." Ihre zweijährige Tochter ist zwei Minuten entfernt in einer Kita untergebracht. Die Betreuung wird von Cosnova bezuschusst. "Die Rahmenbedingungen stimmen." Christine Fink hört das gern. Gute Vereinbarkeit, Goodies wie fünf Tage "kinderkrank" für Eltern, Kita-Zuschüsse und Arbeitszeiten "flexibler, als der Gesetzgeber es verlangt" setzt sie längst im Employer Branding ein. "Wir geben auch Frauen von extern die Chance für einen guten Wiedereinstieg nach Elternzeit." Zudem sei Führen in Teilzeit natürlich auch ohne Kinder möglich.

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