Weiterbildung Social Media Nestlé macht Schüler zu Mentoren

von Julia Wittenhagen
Freitag, 14. September 2018
Lernen von den Heavy Usern: Schüler sagen, wie sie Snapchat, 9gag und Co nutzen.
Nestlé
Lernen von den Heavy Usern: Schüler sagen, wie sie Snapchat, 9gag und Co nutzen.
Ungefilterten Einblick in das Social-Media-Nutzungsverhalten der Jugend, ihre Vorlieben und Meinungen gewährte Nestlé interessierten Mitarbeitern beim dritten Reverse Mentoring mit zwei Schulklassen.

Was können die Mitarbeiter eines Weltkonzerns an einem Freitag Vormittag von zwei Schulklassen aus einem beruflichen Gymnasium lernen? Ist es verrückt, sich mit Jugendlichen durch Instagram und Whatsapp zu klicken oder ein bestechend bodenständiger Ansatz, um "an der Basis" zu erleben, in welchen sozialen Medien die Generation Z unterwegs ist, was ihr dort gefällt und was nicht? Das Stimmengewirr an den zehn Stehtischen im Nestlé-Kompetenzcenter gab die Antwort: Über 50 Berufsprofis haben unzählige Fragen und wissen, dass niemand so fit im Liken, Posten und Vernetzen ist wie die Intensivnutzer: Schüler, die frank und frei erzählen, warum sie Facebook nicht mehr gern nutzen: "Zu viel Werbung". Warum Ask keine interessante App mehr ist, "zu viele dumme Fragen, zu viel Mobbing" und was Nestlé tun muss, um Likes auf Pinterest zu bekommen. "Nicht nur Kartoffelsalat schön abbilden, sondern beim Draufklicken einen Mehrwert bieten wie ein Rezept." Wie Storytelling auf Whatsapp geht und warum eine Schülerin 1 200 Follower auf Instagram hat? Auch darum geht es hier.

Die bunt gemischten Nestlé-Mitarbeiter aus Marketing, Vertrieb, Personal oder Supply Chain wechseln im 20- Minuten-Takt Tisch und Mentoren, um Fragen zu 16 (!) sozialen Medien loszuwerden. "Vor drei Jahren hatte ich noch nicht einmal eine Youtube-App auf meinem Handy", beichtet der kaufmännische Maggi-Geschäftsführer Florian Wessa, als er die Veranstaltung eröffnet. "Heute frage ich mein Digitalteam, welchen Share wir bei Instagram, Facebook und Co haben." Besonders erfolgreich sei Maggi auf Pinterest. "Hier sind wir die größte Food-Marke in Deutschland." Bei ihm habe sich viel geändert durch den engen Dialog mit den Digital Natives, erklärt der 46-Jährige. Sie zu verstehen sei Teil seiner Verantwortung für das Geschäft.

Auch die Schüler profitieren vom Ausflug in die Firmenwelt. Sie knüpfen Kontakte, lernen ein großes Unternehmen von innen kennen und diskutieren auf Augenhöhe mit erfahrenen Nestlé-Mitarbeitern. Nicht umsonst wird häufig das Du als Anrede verwendet. Tobias Groß, Teamleiter Recruiting bei Nestlé, hört, dass die Schüler auf Instagram nur ungern potenziellen Arbeitgebern folgen würden, dort meist auch keine Werbung mögen und Whatsapp ihnen zu privat für die Korrespondenz mit Firmen ist. Ein ehrliches Feedback gibt es obendrein: Die Azubi-Videos von Nestlé seien zu traurig. "Der Typ im Film lächelt noch nicht einmal." Für Daniel Meier aus dem Digital Acceleration ist das Weiterbildungsformat ein Volltreffer. "Wir halten auch für andere Projekte gern Kontakt zu den Jugendlichen. Haben sie beispielsweise eine Kaffee-Werbung entwickeln lassen, um zu lernen, wo die junge Zielgruppe unterwegs ist."

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