Working out loud "Wer nicht vernetzt ist, kommt nicht weiter"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 25. Mai 2018
Jochen Adler: Will WOL mit deutscher Plattform „über den Atlantik helfen“.
Silke Brenner
Jochen Adler: Will WOL mit deutscher Plattform „über den Atlantik helfen“.
Jochen Adler war zur gleichen Zeit in der IT bei der Deutschen Bank wie der Initiator von Working Out Loud", John Stepper. Ihn begeistert WOL als einfache Methode, um neue Kompetenzen zu entwickeln.

"2008 war die Deutsche Bank recht früh dabei, ein internes soziales Netzwerk einzuführen", erinnert sich Jochen Adler an eine der Initialzündungen für WOL. John Stepper gehörte damals zu den IT-Führungskräften. "Damit verbunden war natürlich die Frage, was es bedeutet, wenn jeder Mitarbeiter am Chef vorbei kommunizieren kann. Das ist eine Machtverschiebung hin zu denen, die etwas posten." Stepper schrieb 2015 sein wegweisendes Buch über WOL und machte sich 2016 mit dem Thema selbstständig. Adler betreibt seit 2015 das deutsche WOL-Netzwerk ehrenamtlich, ohne kommerzielles Interesse. "Denn wenn ich das Material nicht teile, konterkariert das ja eigentlich den Grundgedanken von WOL." Er arbeitet beim Softwareanbieter Opentext, der sich mit SAP-nahen Lösungen für die Verarbeitung von Belegen wie Eingangsrechungen, Lieferscheinen und Rechnungen auch im Einzelhandel tummelt. WOL sei für ihn Herzensthema, dem er "über den Atlantik helfen möchte" durch Sammlung von Anwendungsbeispielen sowie Übertragungen und Übersetzungen ins Deutsche. "Weil ich daran glaube, dass Mitarbeiter neue Kompetenzen entwickeln müssen. Und wer nicht vernetzt ist, kommt nicht weiter." Grob geht es darum, etwas besser zu machen als vorher und dafür Resonanz suchen.

Ein Beispiel im Einzelhandel könnte der Verzicht auf Centbeiträge sein. "WOL gibt einem die Möglichkeit, die neue Maßnahme in einem virtuellen Resonanzraum zu testen. Man würde sich also ein, zwei Interessierte in der Hauptverwaltung suchen, drei Interessenten aus Pilotfilialen dazunehmen und zwölf Wochen lang in einer geschlossenen Gruppe durchspielen, wie sich das Projekt umsetzen lässt und was es bedeutet. Oberste Regel: "Was im Circle besprochen wird, bleibt im Circle."

Charme der Methode: "Es braucht nicht viel." Eine Stunde pro Woche für einen Verbesserungsprozess zu opfern falle meist weder Mitarbeitern noch Vorgesetzten schwer. "Der Segen der Geschäftsführung ist allerdings wichtig, sonst wird das zarte Pflänzchen schnell zertreten." Der Austausch könne sowohl persönlich wie auf digitalen Kommunikationswegen erfolgen. "Risiko und Kosten sind gering." Das Limit auf 12 Wochen gebe genug Zeit, nachhaltig neue Verhaltensweisen zu entwickeln und einzuüben, nehme aber gleichzeitig die Angst vor Überforderung.

Adler macht es im eigenen Arbeitsumfeld so: Er hält auf Betriebsversammlungen einen Impulsvortrag zu einem Thema und lädt Interessierte dazu ein, sich in eine Liste einzutragen, wenn sie sich für einen Circle interessieren. Voraussetzung ist "ein Thema, das mit erreichbaren Fortschritten von Beziehungsarbeit profitiert." ‚Erfahrung und guter Umgang mit dem Entgelttransparenzgesetz‘ könnte ein Beispiel sein, für das ein Personaler Mitstreiter sucht.

"Grundidee ist es, Leute, die motiviert sind, ein bestimmtes Thema voranzubringen, miteinander zu vernetzen." Job jedes Einzelnen bleibt es, zu überlegen, was er anderen anbieten kann, dass sie interessiert. "Insofern eignet sich Working out loud nicht als Bühne für Selbstdarsteller, sehr wohl aber für alle, die etwas besser machen möchten als vorher und dafür Resonanz suchen." Letztendlich bringe der Circle nicht eine Lösung für alle, sondern "jeder verfolgt sein individuelles Ziel, aber alle gemeinsam werden besser und fitter für die neue Arbeitswelt." Ist gutes Verkaufspersonal im Handel das Thema, könne er sich vorstellen, Spitzenverkäufer aus dem Flagship-Store mit denen aus der Provinz zu vernetzen. "Es geht auch darum, Veränderungen zu skalieren. Wenn ich 100  000 Mitarbeiter habe, gehen 27 clevere schnell unter."

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