YBF bei Molkerei Gropper "Private Labels sind alternativlos"

von Jörg Konrad und Silke Biester
Donnerstag, 28. März 2019
Als Veranstaltungsort für das Meet & Greet dient das Schloss Leitheim und bietet einen Premium-Rahmen für Eigenmarken.
Hans-Rudolf Schulz
Als Veranstaltungsort für das Meet & Greet dient das Schloss Leitheim und bietet einen Premium-Rahmen für Eigenmarken.
Der bayerisch-schwäbische Eigenmarkenhersteller Gropper lädt ein – und rund 80 Führungsnachwuchskräfte kommen. Bei der Young Business Factory (YBF) der LZ erhalten die Youngsters exklusive Einblicke in die Mopro-Innovationsmaschine Gropper. Im Zentrum der Vorträge und Diskussionen stehen die Zukunft von Marken und Eigenmarken.



"Me-toos sind heute Me-better, Schmuddelimage war gestern", betonte Molkerei-Inhaber Heinrich Gropper in seiner sehr persönlich gehaltenen, leidenschaftlichen Begrüßungsrede an den Branchennachwuchs. Der Geschäftsführer eines der größten Eigenmarkenhersteller im Molkereisegment in Europa, sein Management um Exportgeschäftsführer Stanislaus Syryca sowie Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer Christian Oppitz und die mehr als 800 Mitarbeiter allein am Stammsitz Bissingen helfen dem Handel als "echte Partner, innovativ zu sein".

Konflikte blieben dabei nicht aus, so Gropper, der das Familienunternehmen aus dem Landkreis Donau-Ries, das auch gekühlte Kaffeedrinks, Smoothies und Direktsäfte produziert, in dritter Generation führt. Diese gelte es mit dem nötigen Maß Geradlinigkeit auszuhalten – auch in Zeiten, in denen der Ton zwischen Industrie und Handel zunehmend rauer geworden sei. Gropper spielte damit auf die jüngste Eskalationsstufe zwischen Händlern und Herstellern an: den Konflikt zwischen Heinz und Edeka, der gleich mehrfach Thema der jüngsten YBF war. Für Innovationstreiber Gropper ist klar: "Es geht im Spagat Marke-Handelsmarke nicht mehr nur um Preise, sondern längst auch um Produktqualitäten und Innovationskraft." Nur so gelinge es Händlern sich von Wettbewerbern zu differenzieren.

YBF bei Facebook

  • Beim "Digital Sales & Marketing Camp" macht die Young Business Factory der LZ den Führungsnachwuchs fit für Facebook & Instagram
  • Wie geht Schweinebauch digital? Welche Customer Journey bringt Marken voran? Diskutieren Sie mit dem Management-Team von Facebook über die Zukunft des Handels und der Mediennutzung
  • Termin: 15./16. Mai 2019
  • Ort: Facebook-Zentrale, Berlin
  • Info und Anmeldung: lebensmittelzeitung.net/ybf
  • Limitierte Teilnehmerzahl
Dem konnte Günther Nessel, Chef der Offenbacher Food- und Beverage-Agentur Taste, nur zustimmen. "Alles wird immer ähnlicher: Vollsortimenter und Discounter, Marken und Eigenmarken, Sortiment, Ladengestaltung. Jeder kopiert jeden." Ob das die Zukunft ist? Für Nessel ist das fraglich. Die Gesellschaft befinde sich in einem dynamischem Wandel. "Der Handel weiß das und lebt das, indem er neue Produkte und Eigenmarken listet, Start-ups unterstützt oder gesellschaftlich relevante Themen wie Zuckerreduktion aufgreift, Beispiel Rewe: Du bist Zucker", erläuterte der Werbeexperte. Der Handel spielt das gut, nicht selten professioneller und innovativer als manch große A-Brand.

Fragmentierung beschleunigt sich

Dass die Potenziale von Eigenmarken noch nicht ausgeschöpft sind, berichtete Christian Däumler, Experte der GfK u.a. für Molkereiprodukte. Seine Vorhersage: "Marken verlieren weiter an Mehrwert-Handelsmarken; die Fragmentierung beschleunigt sich." Getreu dem Motto der Veranstaltung begab sich Ariane Thieleking auf die Spur der Shopper. Die Geschäftsführerin von F&T Shoppermarketing und ehemalige Bahlsen- und Rewe CM-Spezialistin erklärte den Top-Talenten von morgen, warum Shoppermarketing für Marken und auch für die Hausmarken den Handels wichtig ist. "Die Erwartungen der Shopper werden immer komplexer."

Für Denise Klug, Referentin der YBF, verändern die "Supermarktisierung und die Digitalisierung" die Welt der Private Labels. Eine mögliche Konsequenz: das Ende des Preiseinstiegs? Soweit wird es so schnell nicht kommen. Aber die Einstiegsstufe habe sich beim Handel und der Kundenwahrnehmung geändert. Ihr Fazit: "Preiseinstieg bleibt wichtig, reicht aber im Wettbewerb nicht mehr aus." Die Analystin von LZ Retailytics prognostiziert außerdem eine Zunahme der "Preiskämpfe im Mehrwertsegement."

"Starke Eigenmarken sind absolut alternativlos und Hauptbestandteil unserer DNA." Warum das so ist, erläuterte Julian Beer. "Markenumsatz ist geliehen", so der Direktor Einkauf Food bei Lidl Deutschland. Führe ein Händler eine bestimmte Marke nicht mehr, wechsele der Kunde unter Umständen zur Konkurrenz. "Eine starke Eigenmarke fängt jedoch genau dies auf." Mit den Eigenmarken nutze Lidl die Möglichkeit, jede Woche aufs Neue Kunden innovative Artikel anzubieten. Der Einkauf bei Lidl gestalte durch ein "überlegenes Preis-Leistungsverhalten das für den Kunden beste Sortiment", erläuterte Beer.

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