YBF der Lebensmittel Zeitung Experimentieren mit dem Ungewissen

von Katy Weber und Silke Biester
Donnerstag, 17. Mai 2018
Die Young Business Factory der Lebensmittel Zeitung war zu Gast bei Verena Bahlsen und Werner M. Bahlsen.
Thomas Fedra
Die Young Business Factory der Lebensmittel Zeitung war zu Gast bei Verena Bahlsen und Werner M. Bahlsen.
Bahlsen lässt sich auf die Zukunft ein und nimmt die Young Business Factory (YBF) der LZ mit auf eine spannende Reise. Querdenken, sich vernetzen, im kleinen Unscheinbaren die große Innovation sehen – die Veranstaltung schärft die Sinne der Jungmanager für kreative Arbeitsprozesse.

Der Ort, an dem die 80 YBF-Teilnehmer zusammenkommen, hat Symbolkraft. Das fängt beim Namen an und hört bei der Lage noch nicht auf: Das "Hermann's" ist die Wirkungsstätte von Verena Bahlsen, es liegt in Berlin-Mitte, dem Epizentrum der Gründer- und Food-Szene, und ist benannt nach ihrem Ur-Großvater, dem Ideen-Finder, Leibnizkeks-Kreierer und Unternehmensgründer Hermann Bahlsen. Was im Hermann's passiert – einem lichtdurchfluteten Restaurant mit Test-Küche und Event-Räumen – könnte leicht nach Spielerei aussehen, doch davon ist es weit entfernt. Die Unternehmertochter Verena hat ihr Start-up gegründet, um die "alte und die neue Welt" der Ernährungswirtschaft zu vernetzen.

Ihr geht es ebenso wie ihrem Vorfahren darum, wegweisende Erkenntnisse ans Licht zu bringen und damit wirtschaftlich erfolgreich zu sein. "Wir sehen, dass viele Ideen separat von etablierten Unternehmen entstehen. Diese sprechen oft nicht die Sprache der Innovatoren", sagt die Jungunternehmerin auf dem Podium im Zwiegespräch mit ihrem Vater beim YBF-Auftaktabend. Ihr Team und das Hermann's bildeten eine Plattform, um Innovationen und Menschen, die sie vorantreiben, zusammenzubringen. Noch geschehe das völlig unabhängig von Bahlsen. Am Ende aber könnte das Hermann's womöglich das Versuchslabor sein, von dem aus eines Tages der Nährboden für die Zukunft des derzeit kerngesunden mittelständischen Unternehmens bereitet wird.

Werner Michael Bahlsen bringt seine Motivation für das Hermann's auf folgende Formel: "Gibt es wirklich jemanden, der unser Geschäftsmodell zerstören kann? Dann will ich dabei sein und daraus etwas Neues aufbauen." Dieser Gedanke sitzt. Bei der YBF sorgt er für angeregte Gespräche in den Pausen. Bei Bahlsen hat er vor vier Jahren einen Kulturwandel im gesamten Unternehmen angestoßen – "und zwar ausgehend von der Führungsspitze", wie Werner Michael Bahlsen betont.

Marktstratege Marc Sasserath kann diesen unternehmerischen Wandel nur begrüßen. Zum Erreichen neuer, weitreichender Ziele sei "Transformation das Zauberwort". Die Mehrzahl der Unternehmen aber scheitere daran, einen wirklichen Kulturwandel zu vollziehen. Die Angst vor einem neuen Umgang mit den Mitarbeitern, und zwar auf Augenhöhe, sei häufig zu groß.

Wie der Wandel gelingen kann, zeigen die Managementberater Nicole Seifert und Stefan Dickfeld von Feedbackpeople im Workshop "Digital Leadership". Die beiden Geschäftsführer begleiten Führungskräfte bei der digitalen Transformation. Sie erläutern, was High Potentials im Job erwarten: moderne Führung mit zukunftsweisenden Kompetenzen wie Wertschätzung, Kommunikation und Arbeiten auf Augenhöhe. Was sich in Unternehmen digital und kommunikativ verbessern lässt, darum geht es beim Workshop in Arbeitsgruppen.

YBF fokussiert POS im Juni

Die nächste Young Business Factory der LZ findet am 11./12. Juni in Köln statt. Motto: Was Kunden wollen – Volltreffer am POS. Info und Anmeldung: lebensmittelzeitung.net/ybf

Gelebt wird das Arbeiten auf Augenhöhe naturgemäß in Start-ups. In der Panel-Diskussion sprechen Daniel Duarte, Gründer von Koakult, Nick Helleberg von Foodspring, Maximilian Pahn von Mymuesli und Jonas Bieber von Dörrwerk von ihren Motivationen, neue Ideen anzustoßen und umzusetzen und von ihren Herausforderungen im Massenmarkt. Benedikt Sütterlin, Geschäftsführer von Hit Verbrauchermarkt Sütterlin, der ebenfalls der Runde angehört, muss sich die Frage gefallen lassen, warum es dem Handel so schwer fällt, Daten herauszugeben, die in beiderseitigem Interesse für mehr Wertschöpfung sorgen könnten. Die Gründer beschreiben den stationären Handel als "Black Box", während sie beim Online-Verkauf sehr viel über die Shopper erfahren. Sütterlin betont, dass es durchaus einen Austausch gebe, unterstreicht aber auch, dass am Ende der Handel die Datenhoheit behalten müsse.

Bei den Start-up-Touren zu den Firmen The Factory, Qopius, Le Wagon, Infarm und Markthalle Neun lässt sich der Berliner Gründergeist dann für die Teilnehmer greifbar erleben. Was für die YBFler am Ende der Veranstaltung vor allem im Kopf bleibt, ist die Frage, inwieweit die eigenen Unternehmen bereits Teil des kulturellen Wandels sind.

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