YBF im Logistikzentrum Amazon beschleunigt auf der letzten Meile

von Iris Tietze
Donnerstag, 24. Oktober 2019
Thorsten Schwindhammer von Amazon erklärt den YBF-Teilnehmern wie das Logistikzentrum in Frankenthal funktioniert.
Thomas Fedra
Thorsten Schwindhammer von Amazon erklärt den YBF-Teilnehmern wie das Logistikzentrum in Frankenthal funktioniert.
Spannende Einblicke in das effiziente Logistiknetzwerk von Amazon und die Zukunftsstrategie des Online-Riesen Amazon bekamen die Teilnehmer der Young Business Factory in Frankenthal.



18,3 Kilometer Förderband, 14,5 Millionen Produkte in der Hand von mehreren hundert Robotern: Das 13 Fußballfelder große Logistikzentrum von Amazon in Frankenthal beeindruckte die Teilnehmer der Young Business Factory (YBF) nicht nur mit seiner schieren Größe sondern vor allem durch seine Effizienz. "Dank unserer modernen Technik an diesem Standort haben wir hier extrem schnelle Durchlaufzeiten", sagte Johannes Weingärtner, Standortleiter in Frankenthal. Orangene Roboter bringen dort 35.000 Regale zu den Mitarbeitern, die täglich eine halbe Million Artikel auf die Reise zum Konsumenten schicken.

Den Weg bis zur Haustür des Verbrauchers nimmt Amazon immer stärker in die eigene Hand, um sich von Paketdienstleistern wie hierzulande Hermes oder DHL zu emanzipieren. "Im Zuge der Planungen schauen wir, wo wir Bedarf an zusätzlichen Auslieferkapazitäten haben und eröffnen dann auch gezielt neue Verteilzentren", sagte Karsten Frost, Regional Direktor Amazon Logistics. "Für unsere Kunden zählt Zuverlässigkeit und Schnelligkeit." Der Markt der Paketdienstleister komme jedoch an eine Schwelle, wo das kaum noch gewährleistet werden könne.

Bislang expandierte Amazon vorwiegend in der Nähe von Großstädten mit seinen eigenen Verteilzentren, von denen aus mehrere verschiedene Kleinunternehmer die Logistik der letzten Meile im Auftrag von Amazon übernehmen. Doch das ändere sich. "Wir etablieren im Moment auch in kleineren Städten neue Standorte, um die Auslieferung dort zu übernehmen." Seit Beginn des Jahres stieg die Zahl der eigenen Zentren von 10 auf 17. Weitere sollen noch in diesem Jahr dazu kommen, sagt er. Da die Genehmigungen für neue Logistikflächen bei Kommunen immer schwieriger zu bekommen sind, ist Amazon dabei kreativ: Auch auf modulare Stationen als Interims-Möglichkeiten greift der Online-Riese zurück, bis sich dauerhafte Standort-Lösungen ergeben.

Um in Zeiten von Fahrermangel genügend Personal zu haben, setzt Amazon auf innovative Modelle: So hat das Unternehmen in diesem Jahr das Programm Amazon Flex in Deutschland weiter vorangetrieben, berichtet Frost. Dabei fahren Selbstständige Pakete in ihren privaten PKWs aus – in einem bestimmten Zeitraum, den sie selbst bestimmen können.

YBF zu Gast bei Alnatura

  • "Konsum der Zukunft – nachhaltig, bewusst, massentauglich?" In Kooperation mit Alnatura geht die nächsten Young Business Factory der LZ dieser Kernfrage nach, am 14./15. Januar 2020, in Darmstadt und Frankfurt.
  • Alnatura-Gründer Götz Rehn gibt persönliche Einblicke ins Unternehmen und den neuen Campus.
  • Weitere Highlights: Jens Lönneker, Rheingold Salon, beleuchtet die Verbindung von Haltung und Konsum. Alexander Neumann vom Startup Goodforgrowth berichtet über Innovation mit kalkulierter Provokation. Carola Knorr von Henkel spricht über Perspektiven nachhaltiger Produktstrategien. Inklusive Storecheck-Tour. Jetzt anmelden: lebensmittelzeitung.net/ybf

Die strategische Dimension der eigenen Präsenz auf der letzten Meile unterstrich Ingrid Ebner, EU-Direktorin für die Supply Chain bei Amazon. "Die letzte Meile ist für uns der wichtigste Punkt, hier kommen wir in Kontakt mit dem Kunden. Hier müssen wir uns weiterentwickeln." Sie verwies dabei auf Innovationen wie die digitale Türschloss- oder Kofferraumöffnung für den Amazon-Lieferanten.

Ebner stellte sich in der Plenumsdiskussion auch der Frage, inwiefern sich Amazon als Logistikdienstleister für dritte Unternehmen öffnet: "Beispielsweise bieten wir Kapazitäten in unseren Flugzeugen anderen Unternehmen an, um unsere Transporte besser auszulasten. Auch Kunden, die nicht bei uns verkaufen." Amazon brauche wie jedes andere Unternehmen Supply-Chain-Strukturen, die Sinn machen. In der Branche wird immer wieder spekuliert, ob und in welchem Umfang Amazon künftig seine Logistik weiter für andere öffnen wird. 

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