YBF in Frankfurt und Mainz Offline-Erlebnis versus Online-Handel

von Sabrina Schadwinkel und Silke Biester
Donnerstag, 07. September 2017
Als Branchen-Experten referieren auf der YBF Björn Weber, LZ Retailytics (v. l.), Silke Biester, LZ, Start-up-CEO Robert Kronekker, Hafervoll, Adrienne Héon-Kleinen, Maggi, Volkmar Schwenk, Ferrero, und Matthias Füchtner, Edeka Staufers.
B. Bostelmann
Als Branchen-Experten referieren auf der YBF Björn Weber, LZ Retailytics (v. l.), Silke Biester, LZ, Start-up-CEO Robert Kronekker, Hafervoll, Adrienne Héon-Kleinen, Maggi, Volkmar Schwenk, Ferrero, und Matthias Füchtner, Edeka Staufers.
Wie stehen die Chancen des stationären Handels im Wettstreit mit der Online-Konkurrenz? Die Young Business Factory (YBF) der LZ besucht das jüngste Flaggschiff des Edeka-Händlers Scheck in Mainz und sucht mit Experten nach Antworten auf der Fläche.

"Amazon, Amazon, Amazon" – wer über die Zukunft des deutschen Handels nachdenkt, kommt an der E-Commerce-Macht aus Seattle nicht vorbei. So geht es auch Bernd Biehl, stellvertretender Chefredakteur der Lebensmittel Zeitung, beim Auftakt der YBF zum Thema "Food Future am POS" am Verlagssitz in Frankfurt. Vor lauter Amazonisierung dürften die Händler aber ihr Stammgeschäft nicht vernachlässigen, mahnt er.

Was Händler virtuellen Endlos-Regalen entgegensetzen, zeigt das jüngste Projekt des Edeka-Händlers Adolf Scheck in Mainz. Wo zuvor Wertkauf, Walmart und Real scheiterten, führt Geschäftsleiter Tilo Lehmann seit vergangenem Oktober das neue Feinkost-Flaggschiff. "Wir haben keine Angst vor Amazon Fresh; unsere DNA ist Frische", betont der Ex-Perfetto-Manager und Lebensmittelenthusiast.

Auf der Tour durch den Markt zeigt er, warum ihm nicht bange ist: Auf 6800 qm erstreckt sich ein Sortiment von 60.000 Artikeln, das Premium und Regionalität großschreibt. Für die Spezialitäten und Fachberatung an der Fisch-, Käse- und Fleischtheke ziehen Kunden geduldig Wartenummern wie auf dem Amt. Auch bei den Teilnehmern kommt das Konzept an: Hochwertige Food-Inszenierung, die man online so nicht bekommt, lautet ihr Urteil nach dem Workshop. Stationärer Handel wird zum Showroom, ist auch Markenexperte Lukas Dudek von der Agentur Taste überzeugt. Für Marken heißt das: Sie müssen ihre Story künftig verkörpern.

Erfolgreiche Gründer berichten

Eine ganz persönliche Geschichte steht hinter dem Start-up Hafervoll von Robert Kronekker: Mit 19 Jahren erkrankte er an Krebs – für ihn die Initialzündung, sich mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen. Seine Handmade-Haferriegel ohne Zusätze sind vier Jahre nach der Gründung etwa bei Rossmann gelistet.

Eine "ältere Story" hat Matthias Füchtner zu erzählen: Er führt die Konsumgenossenschaft Göppingen e.G. Edeka Staufers. 1889 gegründet, hat das Modell heute in Deutschland Seltenheitswert. Am Beispiel der Staufers Markthalle erklärt er, wie eine Industriebrache zur Genusswelt mit eigenem Corporate Design wird.

Mit Neuroökonomie – also indem er Kunden ins Hirn schaut – will Volkmar Schwenk, Director Trade Marketing bei Ferrero, Marken im Laden mehr Sichtbarkeit verschaffen. Für ihn sind Lebensmittel eine stationäre Angelegenheit. Schwenk hofft darauf, dass die Digitalisierung künftig nützliche Food-Infos für den Alltag liefert.

Beratung via Chatbots

Hier setzt die Nestlé-Marke Maggi auf den Chatbot Kim, der Kunden über den Facebook-Messenger mit 3000 Rezepten inklusive Erklärvideos berät. "Wenn Menschen sich fragen, was sie kochen sollen, wollen wir zur Stelle sein", sagt Adrienne Héon-Kleinen, Digital-Chefin bei Maggi. Um das neue Gesundheitsbewusstsein zu bedienen, feilt die "Volksmarke" derzeit an ihren Rezepturen.

Selbst Händlermarken bilden heute in der Tiefe die Trends ab, erläutert Handelsberater Hermann Sievers. Amazon gehe es bei seinen Eigenmarken nicht um Preiseinstieg, sondern um Qualität, betont auch Björn Weber, Kopf der Analystengruppe LZ Retailytics. Bei Amazon sei nicht das Volumen, sondern das Veränderungspotenzial entscheidend, gibt er dem Nachwuchs mit auf den Weg. 

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