Zweiter Kongress für Handelspersonaler HR ohne Grenzen

von Julia Wittenhagen
Freitag, 18. Oktober 2019
Fressnapf meets Futterhaus: HR-Chefs Jens Berger und Britta Beste stehen vor den gleichen Herausforderungen.
Thomas Fedra
Fressnapf meets Futterhaus: HR-Chefs Jens Berger und Britta Beste stehen vor den gleichen Herausforderungen.
Recruiting, Learning und New-Work-Kongresse boomen, aber keiner bietet so viel Branchenbezug wie "In Führung! HR im Handel". Rund 90 Personen kamen zum zweiten Personalkongress der dfv-Conference Group, um mehr über Top-Themen bei dm, Otto oder Edeka zu erfahren. Besonders schätzen sie den Austausch mit Branchenkollegen.

Dass der Kongress bei Fressnapf in Krefeld stattfand, war kein Zufall. Denn bei der Auftaktveranstaltung im letzten Jahr in Mannheim hatte Fressnapfs HR-Geschäftsleiter, Jens Berger, an die Personaler im Handel appelliert, durch gemeinsame Aktionen die Attraktivität der Branche zu erhöhen. Er bot sich als Gastgeber des diesjährigen Kongresses an und konnte für die Eröffnung am Vorabend Fressnapf-Gründer und -Inhaber Torsten Toeller gewinnen.

Torsten Toeller: Weiß, dass er für neue Wege Leute mit einem Cocktail an Fähigkeiten braucht und Freiraum geben muss.
Thomas Fedra
Torsten Toeller: Weiß, dass er für neue Wege Leute mit einem Cocktail an Fähigkeiten braucht und Freiraum geben muss.Der erfolgreiche Unternehmer ist dabei, Fressnapf mit massiven Investments zur Plattform für alle Services rund um Tiere auszubauen, "ohne jetzt schon genau zu wissen wie wir damit Geld verdienen". Sicher sei nur, dass das, "was uns die letzten fünf Jahre erfolgreich gemacht hat, nicht das ist, womit wir in den nächsten fünf Jahren neue Umsätze generieren."
HR Leaders‘ Night: Die Teilnehmer freuten sich über lebhafte Gespräche über Branchen und Betriebsgrößen hinweg in der Fressnapf-Kantine.
Thomas Fedra
HR Leaders‘ Night: Die Teilnehmer freuten sich über lebhafte Gespräche über Branchen und Betriebsgrößen hinweg in der Fressnapf-Kantine.

Der Kongresstag selbst bot Vorträge und Workshops rund um Führung, Recruiting und Upskilling. Christian Harms von dm-Drogeriemarkt erläuterte, wie die Einführung von Mitarbeiter-Smartphones viele Abläufe verbessert hat: Statt im Büro kann der Mitarbeiter jetzt auf der Fläche Waren nachbestellen oder für den Kunden Produktinformationen am Regal abrufen.

Christian Harms: Berichtet von der Eigendynamik der Einführung von Mitarbeiter-Smartphones bei dm.
Fotos: Thomas Fedra
Christian Harms: Berichtet von der Eigendynamik der Einführung von Mitarbeiter-Smartphones bei dm. Zudem mache der mobile Zugriff auf die Personaleinsatzplanung viele Whatsapp-Gruppen überflüssig, "die unter Datenschutzgesichtspunkten sowieso bedenklich sind". Hürden bei der Einführung konnte er keine nennen. "Üben muss man sicherlich, welche App man für welches Thema nutzt." Doch hätten die dm-Mitarbeiter hier wieder einmal Gemeinsinn und Eigeninitiative bewiesen, indem ein Team junger Frauen mit unterhaltsamen Blogs zur Nutzung der Smartphones recht trockene, zentral produzierte Lernvideos ablöste.

Gleich im Anschluss berichtete Tobias Krüger, wie man "das Biest Kulturwandel" bei Otto befreit: Einfach Mitarbeiter mehr befähigen. Denn: "Organisationseinheiten wissen selbst am besten, was sie brauchen."

Tobias Krüger: Wandelt Kultur bei Otto
Tobias Krüger: Wandelt Kultur bei Otto

Wie viel auch kleine und große Handelsbetriebe miteinander gemeinsam haben, stellten Kristina Schütt, Leiterin Personalmanagement bei Tedi und Katharina Lukasiewicz, Inhaberin von zwei Edeka-Märkten, unter Beweis.

Nachwuchsmangel: Ist sowohl Kristina Schütt von Tedi als auch Edeka-Händlerin Katharina Lukasiewicz (l.) wohl bekannt.
Thomas Fedra
Nachwuchsmangel: Ist sowohl Kristina Schütt von Tedi als auch Edeka-Händlerin Katharina Lukasiewicz (l.) wohl bekannt.Offen und ehrlich sprachen sie davon, wie man mit dem Mangel an qualifizierten Bewerbern umgeht und erteilten Lockmitteln wie Smartphones oder Smarts eine Absage. "Mitarbeiter sollen von sich aus stolz sein, bei uns zu arbeiten und nicht bei Daimler oder Porsche. Sonst sind sie schnell wieder weg", sagte Katharina Lukasievicz. "Es wäre gut, wenn wir Händler uns offener austauschen könnten über Tools und Maßnahmen in der Personalarbeit. Dann muss nicht jeder wieder bei Null anfangen und die gleichen Fehler machen," sagte ein Kongressteilnehmer.
HR-Kongress: Rege Beteiligung
Thomas Fedra
HR-Kongress: Rege BeteiligungSelbstverständlich sei das bislang nicht. So begrüßte Torsten Toeller ausdrücklich Britta Beste vom Mitbewerber Futterhaus auf seinem Campus. Und Britta Beste musste schmunzeln, als sich ihr Workshop zum Thema "Change – nein danke" schnell füllte – mit mehreren Fressnapf-Mitarbeitern. Am Schluss fand sie lobende Worte für die Veranstaltung, zu der Handelspersonaler aus diversen Branchen kamen, darunter Peek&Cloppenburg, Leffers, Hornbach und Ernsting‘s Family. Nimmt man die lebhaften Gespräche in den Workshops und Pausen als Maßstab, hat sich der Kongress als Treffpunkt für HR-Profis bewährt.

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