dm in der Corona-Krise "Ersten Ansturm gut bewältigt"

von Julia Wittenhagen
Dienstag, 14. April 2020
Individuelle Schutzmaßnahmen: Die Filial-Teams haben lokale Anforderungen vor Ort umgesetzt.
dm-drogerie markt_Alexander Schindel
Individuelle Schutzmaßnahmen: Die Filial-Teams haben lokale Anforderungen vor Ort umgesetzt.
dm in der Corona-Krise
"Ersten Ansturm gut bewältigt"
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Nach den Hamsterkäufen hat sich die Lage in vielen dm-Filialen normalisiert, in City-Lagen ist es sogar ruhig. Freie Kapazitäten werden nun für den Ausbau von dm-Express genutzt. Christian Harms über das wellenreiche Geschäft in Corona-Zeiten.

Herr Harms, die Corona-Krise hat dem Handel einiges abverlangt. Haben Sie die Weichen gestellt und können sich auf ruhige Ostertage freuen?
Ich glaube, vom ersten Massenansturm bis zum kontrollierten Einlass haben wir es ganz gut bewältigt. Jetzt freuen wir uns, ohne Feiertagsöffnungen auszukommen. Unsere Kollegen brauchen eine Verschnaufpause.

Wo steht dm jetzt?
Wir haben eine sehr heterogene Situation: Durch die Kontaktsperren ist es in den Innenstädten und Einkaufszentren sehr ruhig, weil viele Geschäfte geschlossen sind. In den Fachmärkten entspricht die Frequenz in etwa Vorjahresniveau.

Seit dieser Woche wirbt dm für dm-Express. Vor drei Wochen hieß es noch, die Kommissionierung und Versendung aus den Regalen der Märkte heraus sei ausgesetzt. Woher der Wandel?
Wir haben jetzt eine andere Verfügbarkeit und möchten Kunden, die aus Eigenschutz das Haus nicht verlassen oder nur schnell etwas abholen wollen, Online-Lieferung aber auch Click&Collect als Service anbieten. Die Express-Abholung läuft sehr gut an und ist für unsere Kolleginnen und Kollegen jetzt gut leistbar.

Christian Harms, dm-Drogeriemarkt
dm-drogeriemarkt
Christian Harms, dm-Drogeriemarkt

Konnten Sie das Geschäft bislang mit der Stammbelegschaft stemmen?
Ja, weitgehend. Wir standen im Austausch mit anderen Händlern, ob Unterstützung möglich ist. Das war kompliziert, weil viele schon Kurzarbeit angemeldet hatten oder nur in einigen Bundesländern schließen mussten.

Wie schützen sich die Mitarbeiter?
Die Teams haben sich, wie immer bei uns, sehr gut untereinander unterstützt, um unterschiedliche Anforderungen vor Ort zu erfüllen. Was wir zentral ausgerollt haben, haben wir vorher in den Filialen getestet. Mit Spuckschutz an den Kassen, Mundschutzmasken, Desinfektionsmitteln und 20 000 Schutzbrillen sind wir jetzt gut aufgestellt. Wir haben keine Gestaltungswettbewerbe ausgerufen zur Plexiglaserhöhung. Bei eiligen Sachen geht es darum, wer liefern kann. Abstandsregeln werden nach dem 20. April nicht wegfallen. Jetzt arbeiten wir an dauerhaften Lösungen, die besser ins Corporate Design passen.

Tragen dm-Mitarbeiter Mundschutz?
Wir haben den dm-Märkten mehrere 100 000 Mundschutzmasken zukommen lassen. Wir halten sie zurück für den Fall, dass wie in Österreich das Tragen Pflicht wird. Ich weiß aber, dass viele Kollegen sich und anderen selbst Masken genäht haben.

Erlauben Sie Mitarbeitern, sich aus Angst vor Ansteckung aus dem Kundenkontakt zurückzuziehen?
Erlaubt haben wir das fast allen, unabhängig von Risikogruppe oder Alter. Schutz geht vor. Den Ü-60-Jährigen haben wir zusätzliche Tage Sonderurlaub geschenkt, mit bezahlten Freistellungen gearbeitet und früh die Empfehlungen vom Robert-Koch-Institut eingehalten. Menschen, die aus Risikogebieten kamen oder in welchen leben, haben wir unter Quarantäne gestellt. Die Anzahl der positiv Getesteten hält sich bei uns zum Glück in Grenzen.

Mussten Sie Filialen schließen?
Wir haben manche dm-Märkte temporär geschlossen, wenn es Verdachtsfälle gab oder wenn die Besetzung knapp wurde. Wir haben auch tageweise Filialen, in denen die Kundenfrequenz stark zurückging, geschlossen, um frequenzstärkere Märkte öffnen zu können. Momentan sind aber alle der über 2000 dmMärkte geöffnet.

Motiviert dm Mitarbeiter mit Prämien?
Zuerst einmal tun wir alles, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Mitarbeiter ihren Versorgungsauftrag annehmen können. In Anerkennung der besonderen Leistung der letzten Wochen haben auch wir eine Sonderzahlung geleistet.

Welche komplett neuen Erfahrungen haben Sie in der Coronakrise gemacht?
Die Geschwindigkeit, mit der die Anforderungen kamen, plus die Unterschiedlichkeit auf Länder- und lokaler Ebene, war enorm. Beispielsweise gibt es bislang nur in Jena und Nordhausen eine Mundschutztragepflicht. Gut, dass bei dm niemand darauf wartet, bis die Zentrale etwas vorgibt. Dass hier mitgedacht und vor Ort schnell reagiert wird, hat sich wieder als unsere Stärke erwiesen.

Auf was freuen Sie sich ab 20.4.?
Auf mehr Normalität. Oft weiß man erst, was man vermisst, wenn es fehlt. Insofern hilft die Krise sicher, ein noch besseres Gespür dafür zu bekommen, was wichtig ist.

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