Betriebsgastronomie neu denken: Mitarbeiter-T...
Betriebsgastronomie neu denken

Mitarbeiter-Treffpunkt mit Zukunft

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Mehr als satt machen: Kreative Konzepte mit Streetfood oder Barista-Kaffee sorgen für Emotion und Flair im Betriebsrestaurant.
Mehr als satt machen: Kreative Konzepte mit Streetfood oder Barista-Kaffee sorgen für Emotion und Flair im Betriebsrestaurant.
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Betriebsgastronomie neu denken
Mitarbeiter-Treffpunkt mit Zukunft
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Flexible Arbeit stellt neue Anforderungen an die Verpflegung im Unternehmen. Branchenexperten sind überzeugt, dass die Bedeutung für den sozialen Kitt im Betrieb nach der Corona-Krise noch zunehmen wird. Das ergibt der "Café Future Talk" der dfv-Mediengruppe bei der virtuellen Messe Internorga.

Die Betriebsgastronomie wird sich "dramatisch verändern", ist Burkart Schmid überzeugt. Mehr Homeoffice wird zum "New Normal", meint der Chefredakteur der LZ-Schwester gv-praxis. Zudem geht der Trend vom Mittags- zum Ganztagsangebot. In der Covid-Pandemie hat fast die Hälfte der Beschäftigten von zuhause aus gearbeitet und dort auch gegessen. Das hat zu signifikant sinkenden Frequenzen in den Kantinen geführt. Deutliche Unterschiede gibt es dabei allerdings zwischen den Gruppen der "Blue Colour" und "White Colour Worker". Während die Zahlen in der Produkion (Blue Colour) vergleichsweise stabil geblieben sind, konnten in den bürodominierten Einheiten nur zwischen 20 und 50 Prozent der normalen Essensmengen ausgegeben werden. Dementsprechend drastisch ist der Umsatz eingebrochen.

Ob diese betriebswirtschaftliche Katastrophe zugleich Chancen birgt, darüber diskutierte Schmid im digitalen "Café Future Talk" mit den Großverbraucher-Experten Simon Kuhn, Geschäftsführender Gesellschafter der K&P Gruppe, Oliver Ringleben, Director Strategic Accounts der Compass Group, und Thomas Walter, Leiter Gastronomie der R+V Versicherung.

Wenn die Kapazitäten nach der Krise weiter wenig genutzt werden, besteht die Gefahr, dass sich das Angebot nicht mehr rechnet. Dennoch glauben die Diskutanten an die Bedeutung: Gerade durch die steigende Flexibilisierung der Arbeitszeiten und -orte sei es wichtig, den Mitarbeitern eine Heimat zu bieten. Voraussetzung ist es, die Mitarbeiterverpflegung aus der alten Welt in die neue Welt zu überführen.

Veränderung ist angesagt: In Zukunft geht es nicht mehr nur darum, die Beschäftigten satt zu machen, die dann möglichst schnell an den Arbeitsplatz zurückkehren. Essen, Trinken und die Arbeitsumgebung werden als Teil des Lebens und Lebensraums verstanden. Es gilt mehr denn je, Räume der Begegnung zu schaffen. Die Betriebsgastronomie spiegelt die Kultur des Arbeitgebers. Dort zu investieren verbessert die Chancen, Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.

Etliche Unternehmen, die sich schon vor der Krise mit New Work befasst haben, nutzen die aktuelle Situation, um massiv in neue Konzepte zu investieren, berichten die Gastroprofis. Sie stellen sich gezielt auf die veränderten Ansprüche der Mitarbeiter ein. Kreativität ist gefragt. Neben der klassischen Freeflow-Essensausgabe oder Buffetangeboten liegen handgemachte Gerichte wie Livecooking, Streetfood und Barista-Kaffee im Trend. Der Fokus sollte künftig nicht mehr nur auf dem Mittagsangebot liegen, sondern Snacks vom Frühstück bis in die Nacht hinein parat halten. Dabei sind auch Automatenangebote denkbar, sofern sie nicht nur Schokoriegel beinhalten, sondern auch frische Convenience.

Um die Frequenz zu steigern, könnte das Angebot für externe Gäste geöffnet werden. Ergänzend kann zudem ein Lieferservice die Auslastung steigern. Basis dafür sei die stärkere Digitalisierung mit Speisekarte und Bestellung per App. Service und qualitative Aufwertung könnte möglicherweise die Preisbereitschaft der Gäste steigern. Die Unternehmen sollten sich aber auch auf höhere Zuschüsse einstellen. Wenn es Unternehmen und Dienstleistern gemeinsam gelingt, mit Qualität, Flexibilität, Ambiete und Service zu punkten, bleibt die Betriebsgastronomie auch in Zukunft der wichtigste Treffpunkt für die Beschäftigten, sind die Teilnehmer der Talkrunde überzeugt.



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