Minijobs: "Kein Gehaltszuwachs durch Mindestl...
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"Kein Gehaltszuwachs durch Mindestlohn-Anhebung"

Foto: TVNOW/Teamwork Instore Service
Stefan Krause
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"Kein Gehaltszuwachs durch Mindestlohn-Anhebung"
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Die Instore-Logisik-Branche beschäftigt viele Minijobber. Stefan Krause, Geschäftsführer Teamwork Instore Service, plädiert im Interview für die Anhebung der 450-Euro-Grenze.



Welche Rolle spielt der Minijob bei Ihnen im Unternehmen?

Für unser Unternehmen und die gesamte Instore-Logistik-Branche spielen Minijobber eine große Rolle, da wir unsere Dienstleistung vielfach nur einer sehr kompakten Zeitleiste von 2,5-3,5 Stunden erbringen. Da zwischen den von uns betreuten Objekten häufig große Entfernungen liegen, können wir hier oft  nur mit Minijobbern arbeiten. Anders sieht es natürlich aus, wenn wir in großen Objekten mit täglicher Verräumung tätig sind oder im innerstädtischen Bereichen, bei denen ein Team mehrere Märkte betreut, hier wird dann überwiegend mit Festangestellten gearbeitet.

Welche Auswirkungen hatte die Coronakrise konkret auf Ihr Minijobangebot?

Im LEH hat sich unser bundesweites Minijobangebot deutlich erhöht, da viele Menschen aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit geschickt wurden, in der Regel mit der Erlaubnis, sich einen Minijob zu suchen. Durch die erhöhten Warenmengen in den Lebensmittelsupermärkten mussten wir fast überall unsere Teams aufstocken und haben sehr gute Mitarbeiter dazu bekommen, teilweise aus dem Gastronomiebereich und Friseurhandwerk. Auch zusätzliche Aufträge wie die Um- Etikettierung der Preisschilder aufgrund der Mehrwertsteuerveränderungen, temporäre Kasseneinsätze durch erhöhten Kundenfluss und die vielen spontanen Neu- und Sonderaufträge waren vor allem durch die Nutzung von Minijobverträgen möglich.

Was hat sich infolge der Erhöhung des Mindestlohns verändert? 

In der Regel konnten aus den genannten Gründen nur die Stunden reduziert werden.  Das bedeutet inzwischen, dass jedes Jahr die ausfallenden Stunden mit Neueinstellungen aufzufüllen sind, da man beim Mindestlohn ja aus einem ursprünglich zweijährigen Anhebungsintervall mittlerweile durch die Splittungen der Anhebungen auf ein jährliches Intervall umgeschwenkt ist.

Wie würden Sie reagieren, wenn die 450-Euro-Grenze angehoben wird? Würden Sie mehr Minijobs anbieten? Die Stundenzahl bei den bestehenden erhöhen?

Beides würde passieren. Eine Erhöhung wäre zudem auch dringend notwendig, da die Minijobber – außer mehr Freizeit – überhaupt nichts von den Mindestlohn-Erhöhungen haben. Das Argument aus Teilen der Politik und der Gewerkschaften lautet ja immer: „Die Menschen können von einem bestimmten Stundenlohn nicht leben, daher muss er erhöht werden.“ Das trifft bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern häufig zu. Bei Minijobbern aber eben nicht. Selbst wenn ein Minijobber einen  Stundenlohn von 12€, 15€ oder 20€ hätte, würde das an seiner Einnahmesituation nichts ändern.

Welche Konsequenzen würden Sie ziehen, wenn diese Beschäftigungsform abgeschafft wird?

Eine solche Maßnahme würde zunächst einmal mehrere Millionen Menschen bestrafen, die sich mit einem Minijob steuerfrei in der Regel nebenbei etwas dazuverdienen, sei es für Urlaub, Anschaffungen oder einfach für das tägliche Leben. Das halte ich für politisch nicht durchsetzbar. Ähnliches wurde Anfang der 2000er auch schon mal getestet und nach wenigen Jahren wieder rückgängig gemacht. Man würde viele Menschen wie etwa Schüler, Studenten und Dazuverdiener,  für die ein sozialversicherungspflichtiger Hauptjob aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt, wichtige finanzielle Mittel  wegnehmen. Die Folgen wären für viele Menschen fatal. Vermutlich würde vor allem die Schwarzarbeit wieder stark zunehmen. Für unser Unternehmen würde die Abschaffung eine deutliche Einschränkung der Flexibilität bedeuten, viele kurzfristige Aufträge wären vermutlich nicht mehr machbar. Ich persönlich glaube aber auch nicht, dass die Politik in dieser Krisensituation so eine folgenschwere Thematik angehen wird, die Teile der Wirtschaft extrem belasten und vielen Menschen deutliche finanzielle Einschnitte bescheren würde.



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