Moderne Vergütung: Mit Geld und Goodies auf T...
Moderne Vergütung

Mit Geld und Goodies auf Talentjagd

Prostock-Studio/ iStockphoto; LZ-Montage
Barista-Café, Dienstwagen, teilbare Elternzeit: Nebenleistungen müssen Mitarbeiter in ihrer jeweiligen Lebenssituation abholen.
Barista-Café, Dienstwagen, teilbare Elternzeit: Nebenleistungen müssen Mitarbeiter in ihrer jeweiligen Lebenssituation abholen.
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Die Corona-Krise beschleunigt die Digitalisierung und ändert auch in der Food-Branche die Anforderungen an Mitarbeiter. Um Talente zu binden, rät die Vergütungsberatung Towers Willis Watson (WTW), die Benefits stetig anzupassen.

Welche Themen der Lebensmittelbranche schon jetzt den Personalbedarf verändern, kann WTW-Beraterin Nicole Fischer präzise beschreiben: "Die Akteure erleben ein geändertes Konsumentenverhalten in Richtung Gesundheit und Unverträglichkeiten. Um das zu erkennen und zu spiegeln, wird Künstliche Intelligenz und Big Data immer wichtiger." Auch die Lieferkette werde komplexer: Unter dem Stichwort "ESG" (Environmental, Social und Governance) gilt es, verantwortungsbewusstes Handeln nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch bei Lieferanten und Vertriebskanälen sicherzustellen. Hinzu kommen Automatisierung, Digitalisierung sowie Ausbau des E-Commerce. "Es gibt also an verschiedenen Stellen große Anforderungen, für die man Spezial-Wissen und Big-Data-Spezialisten braucht", sagt die Vergütungs-Expertin.

Teilweise könne man die Mitarbeiter aus verschiedenen Rollen im Haus heraus entwickeln. Am externen Arbeitsmarkt findet man breiter aufgestellte Kandidaten mit Erfahrung aus anderen Branchen. "Nur sucht die Lebensmittelbranche nicht als einzige nach Talenten. Banken stehen vor ganz ähnlichen Umbrüchen." Arbeitgeber aus dem Food-Sektor müssten also profund analysieren, was sie in die Waagschale werfen können, um die gesuchten Köpfe zu gewinnen.

Erster Schritt: "Unternehmen sollten ihren Bedarf an IT-Skills kennen und genau wissen, was eine marktgerechte Vergütung etwa für einen Web Application Developper ist und zwar je nachdem, ob er Kenntnisse in HTML, Java oder Java Script hat." Eine Beratung kennt die Benchmarks: "Wir bilden in Clustern ab, wie attraktiv man mit seinem Paket im Vergleich zum Wettbewerb ist."

Das größte Kapital des Foodsektors: "Seine Bedeutung gewinnt in der Pandemie an Visibilität und Systemrelevanz." Das zahlt ein auf das Arbeitserlebnis, zu dem neben der Sinnhaftigkeit der Arbeit ihr erkennbarer Beitrag zu den Unternehmenszielen gehört, die Zusammenarbeit mit Kollegen und Führungskräften sowie Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten. Glänzt ein Arbeitgeber in allen Punkten, ist das für Nicole Fischer fast ein Garant dafür, dass das Unternehmen mit exzellenter Performance am Markt heraussticht: "In einer Zeit, in der digitale Talente rar sind, sehen wir eine klare Verbindung zwischen Arbeitgeberattraktivität und wirtschaftlichem Erfolg."

„Wir sehen eine klare Verbindung zwischen Arbeitgeberattraktivität und wirtschaftlichem Erfolg in einer Zeit, in der digitale Talente rar sind“
Nicole Fischer
 Nicole Fischer: Vergütungsexpertin bei Willis Towers Watson (WTW)
Foto: WTW
Nicole Fischer: Vergütungsexpertin bei Willis Towers Watson (WTW)

Zweiter Schritt: Im Zuge des Wandels sollten Stellenbewertungssysteme vereinfacht werden. "Je größer das Unternehmen, desto schwieriger ist es, den Überblick insbesondere bei erfolgskritischen Stellen über deren "Preisschild" zu behalten." Die Abgrenzung der Leitung Buchhaltung zu den Buchhaltern, sei relativ einfach. "Wertigkeitsunterschiede zwischen Programmierer und Projektcontroller sind schon schwieriger einzuschätzen." Nicole Fischer rät, fachliche Ansprüche an jede Stelle zu formulieren, nach Wertigkeit zu clustern und mit einem Gehaltsband in Abhängigkeit vom Marktpreis zu verknüpfen. Bei der Gestaltung der Nebenleistungen empfiehlt sie als erstes eine Bestandsaufnahme: Das Problem seien meist nicht fehlende Incentives, sondern für die Lebensphase der Mitarbeiter relevante, klar kommunizierte.

Wie man gerecht bezahlt, wenn Hierarchien agilen "New Work"-Strukturen weichen? In sehr strukturierten Arbeitsbereichen wie Handelsfilialen sei das zunächst noch kein Thema, sagt Fischer. "Aber vor allem in digitalen Projekten der Hauptverwaltung übernehmen Mitarbeiter je nach Expertise mal die Rolle des Projektleiters, mal des -mitarbeiters." Sie je nach Aufgabe mal höher, mal niedriger zu bezahlen, verbiete das Arbeitsgesetz. Besser sei es, beispielsweise durch mehrere unterjährige 360-Grad-Befragungen der Projektteams für die jährliche Gehaltsanpassung eine fundiertere Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Auch Spot-Boni für erfolgreiche Projekte erhöhen die Motivation. "Viele Food-Unternehmen haben eine Sonderkonjunktur erlebt und dadurch manchmal konzeptionelle Themen zurückgestellt", weiß Fischer. "Doch die Arbeitsbedingungen bleiben ein Thema. Und der Digitalisierungsdruck steigt eher." Insofern sei die Branche gut beraten, jetzt an der Attraktivität als Arbeitgeber zu feilen.



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