Arbeitgeberimage: Familienunternehmen sind zu...
Arbeitgeberimage

Familienunternehmen sind zu leise

Nastasic/IStock
Chancenreich: Viele Traditionsunternehmen verjüngen sich gerade.
Chancenreich: Viele Traditionsunternehmen verjüngen sich gerade.
Anhören

Merken

Arbeitgeberimage
Familienunternehmen sind zu leise
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Berufseinsteiger halten familiengeführte Unternehmen nicht für innovativ. Die Stiftung Familienunternehmen und Partner liefern Argumente zum Gegensteuern.

Die aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens PWC zum Image von Familienunternehmen dürfte vielen missfallen haben. Denn daraus geht hervor, dass ausgerechnet die 18- bis 29-Jährigen, also die begehrten Berufseinsteiger, sowohl die wirtschaftliche Bedeutung, die Innovationskraft als auch das gesellschaftliche und ökologische Engagement von Familienunternehmen deutlich schwächer einschätzen als der durchschnittliche Bundesbürger. Nur 61 Prozent der Jungen halten Familienunternehmen für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, während es über alle, man darf ruhig sagen, besser informierte Altersklassen hinweg 80 Prozent sind: Immerhin sind 90 Prozent der deutschen Firmen im Familienbesitz und schaffen fast 60 Prozent der Arbeitsplätze. Ein Erklärungsansatz für PWC ist, dass die Befragten mit familiengeführt häufig kleine Unternehmen verbinden, obwohl auch Aldi, Lidl oder Oetker dazugehören.


Das schlägt durch auf das Arbeitgeberimage. PWC bezeichnet es als "offene Baustelle": Wenn es um Gehalt oder Weiterbildung geht, werden Konzerne signifikant besser bewertet, sogar die öffentliche Hand schneidet besser ab. Bei Karrieremöglichkeiten und modernen Arbeitsbedingungen rutschen Familienunternehmen sogar an die dritte Stelle, hinter Startups. Auch bei Innovation und Digitalisierung schneiden sie schlecht ab, obwohl diese Punkte jungen Arbeitnehmern wichtig sind. Punkten können sie bei Wohlfühlfaktoren wie Wertschätzung, Fairness, Familienfreundlichkeit, flachen Hierarchien.

Uncool, aber nett: Das macht sie bei 30 Prozent der Befragten zum Wunsch-Arbeitgeber. Aber sind das auch die Kandidaten, die man anziehen möchte? Bettina Wurster, Leiterin Wissenschaft bei der Stiftung Familienunternehmen fragt sich zwar, ob die PWC-Umfrage bei 1 000 Befragten für jede Altersgruppe repräsentativ ist. Doch weichen die eigenen Studien darüber, wie Familienbetriebe auf dem Arbeitsmarkt positioniert sind, nicht wirklich ab: Beim ein bis zweimal jährlich stattfindenden "Karrieretag Familienunternehmen" erhebt die TU München regelmäßig, welches Bild die Bewerber von den Arbeitgebern haben, und bei Vergütung, Ansehen, Standort oder Internationalität haben Konzerne die Nase vorn.

2006 wurde die Veranstaltungsreihe gemeinschaftlich initiiert, um die Besonderheit der Unternehmenskategorie stärker in den Fokus zu rücken. Denn genau das ist der Stiftungsauftrag. Veranstalter ist der Entrepreneurs Club, Projektleiter Sebastian Klemm. Er weiß, dass viele Familienunternehmen im Employer Branding ihr Potenzial noch nicht voll ausschöpfen, aber nennt Ansatzpunkte: "Young Professionals wollen etwas bewegen, sie wünschen sich Sinn und Nachhaltigkeit. Wo könnten sie das besser verwirklichen als im Familienunternehmen?"

Auch in puncto Sicherheit, die der jungen Generation so wichtig ist, können Familienunternehmen seiner Meinung nach trumpfen: "Sie entließen während der Pandemie weniger Arbeitnehmer als die Dax-Konzerne." PWC selbst zeigt in einer weiteren Studie, dass Verjüngung an der Spitze in Sicht ist. In vielen Inhaberfamilien wachse eine junge, gut ausgebildete Generation heran, die entschlossen ist, Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen.

Klemm nennt Verena Bahlsen als Beispiel und die Transformation des Keksherstellers mit größtmöglicher Agilität. "Viele der Nachfolger öffnen sich auf LinkedIn einer breiten Community und treten dort auch in Kontakt mit jungen Nachwuchstalenten." Beim leidigen Thema Standort hat Bettina Wurster Hoffnung: Schon vor Corona habe die Bewerberumfrage gezeigt, dass Städte mit 100 000 bis 500 000 Einwohnern beliebter werden als Metropolen.

Die Stiftung Familienunternehmen unterstützt ihre Mitglieder mit Erfa-Gruppen. 2022 sind gleich fünf Karrieretage geplant. Auch die überarbeitete Website "Karriere im Familienunternehmen" des Entrepreneur-Clubs soll die Wahrnehmung verbessern. Sebastian Klemm ist es nicht bange um die früher als verschwiegen geltende Unternehmenskategorie, "aber wir dürfen nicht aufhören, Steine zu klopfen". Es brauche spannende Führungspersönlichkeiten und gute Storys, um die Aufmerksamkeit für Familienunternehmen nachhaltig zu erhöhen.



stats