LZ-Interview : "Auf jede Online-Bewerbung in ...
LZ-Interview

"Auf jede Online-Bewerbung in 30 Sekunden antworten"

Teamwork Instore Services
Stefan Krause: Geschäftsführer von Teamwork Instore Services
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LZ-Interview
"Auf jede Online-Bewerbung in 30 Sekunden antworten"
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Ein großer Dienstleister für Warenverräumung merkt sehr früh, wenn seinen Handelskunden personell das Wasser bis zum Hals steht. Stefan Krause von Teamwork Instore Services bekommt jeden Tag Anfragen von Neukunden. Zum Thema Mitarbeiter finden, binden und bezahlen hat er eine sehr klare Meinung. 

 
Herr Krause, wer dem Handel mit einem Pool von 5500 Leuten deutschlandweit Instore Services anbietet, merkt sehr früh, wann das Personal dort an seine Grenzen kommt. Wie läuft Ihr Geschäft zur Zeit?

Es brummt. Wir kriegen jeden Tag drei bis fünf Aufträge von Neukunden. Es ist fast wie zu Beginn der Pandemie. Nennen Sie mir 500 arbeitswillige Personen und ich stelle sie sofort ein. Wir verlieren gerade gute Leute, die wieder in die Gastronomie oder den Eventbereich gehen.

Um was für Neugeschäft geht es?

Die Aufträge reichen von der Aushilfe für 14 Tage über regelmäßiges Regal auffüllen, Kassenkräfte, Umbauhelfer bis zum Retourenmanagement für Onlinehändler.

Also sourcen ihre Kunden nicht nur einzelne Leistungen aus, sondern nutzen Ihren Service auch, um kurzfristig Lücken zu stopfen?

Genau. Im Lebensmitteleinzelhandel muss immer genug Personal da sein, um Frische, Bedientheke, Kasse und Kundenberatung zu stemmen. Danach erst kommt der tägliche Prozess des Ware Verräumens. Der ist vielerorts extrem schwer zu besetzen und vor allem in Urlaubszeiten und bei Krankheitsfällen ein Problem.

Wie finden Sie Ihre Leute?

Wir haben eine riesige Recruitingabteilung, die alle Kanäle nutzt und bemüht ist, auf jede Online-Bewerbung innerhalb von 30 Sekunden zu antworten – vor den anderen.

Warum ist Personalnot immer noch so ein Problem im Lebensmitteleinzelhandel?

Die Arbeit ist härter als im Eventbereich oder einem Modeshop. Und die Arbeitszeiten haben sich in den letzten 30 Jahren extrem ausgeweitet. Früher war samstags um 13 Uhr Schluss, jetzt oft erst um 22 oder 24 Uhr. Das passt nicht zur nachwachsenden Generation, die Work-Life-Balance vor alles stellt.

Liegt es nicht auch an der Bezahlung?

Den Lohn reguliert der Markt. In Frankfurt, Hamburg oder München brauchen Sie mit 9,60 Euro Mindestlohn nicht zu kommen, da sind 12,50 angesagt. Wer es anders macht, wird gnadenlos bestraft und kann Aufträge nicht besetzen.

Was halten Sie von 12 Euro Mindestlohn?

In strukturschwachen Regionen wird das manchen Unternehmer aus der Kurve tragen. 12 Euro Stundenlohn für jeden setzen eine Preisspirale in Gang: Restaurants, Friseure, Taxiunternehmen und Händler müssen ihre Waren und Dienstleistungen teurer anbieten. Auch der Lohn für gelernte Fachkräfte müsste deutlich angehoben werden, da 12 Euro sicher oft nah an dem sind, was sie aktuell verdienen. Für junge ungelernte Kräfte ist ein hoher Mindestlohn toxisch: Wer geht denn noch drei Jahre in die Lehre, wenn er auch ohne Ausbildung sofort 2 000 Euro im Monat verdienen kann?

Wie attraktiv ist Tarifbindung für Bewerber?

Wenn es eine allgemeine Pflicht gäbe, würde die Entlohnung gleicher. Ob das die Sache besser macht, weiß ich nicht. Real wurde durch Tarifverträge gebeutelt, die das Unternehmen unbeweglich machten. Wie es endete, weiß man. Das Unternehmen wird gerade überwiegend zerschlagen, war zum Teil einfach nicht mehr wettbewerbsfähig aufgrund der hohen Lohnkosten.

Wenn es nicht am Geld liegt und nicht am Tarif, was kann der Handel dann tun, um mehr Leute anzuziehen?

Er muss ein Paket schnüren aus marktgerechter Bezahlung, flexiblen und familiengerechten Arbeitszeiten und zusätzlichen Benefits wie Jobtickets. Außerdem müssen leitende Verantwortliche sich den Blick auf die Menschen bewahren, die sie führen und Perspektiven bieten. Wir bemühen uns sehr um all diese Punkte, denn eine hohe Fluktuation kommt uns noch teurer zu stehen. In Zeiten von Kununu und Co. muss man als Arbeitgeber an seinem guten Ruf arbeiten. Anders geht es nicht.

Glauben Sie, dass die Personalnot weiter anhält?

Ja! Unser Umsatz ist von Juli 2020 bis Juli 2021 fast um 30 Prozent gewachsen. Dazu haben vor allem die Kunden aus Nonfood- und Online-Handel beigetragen. Im LEH haben wir wegen Rückgängen bei Real nur sieben Prozent zugelegt. Mit mehr Mitarbeitern hätten wir mehr Geschäft machen können. In Hamburg nutzen wir schon andere Zeitarbeitsunternehmen, um Aufträge abzuwickeln. Jetzt, nach der Urlaubszeit ist es etwas ruhiger. Aber einen Silberstreif sehe ich nicht: Manche Restaurants sind noch nicht komplett wieder geöffnet und viel Personal wandert dorthin ab.


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