Azubi-Gewinnung: Schüler finden nicht in die ...
Azubi-Gewinnung

Schüler finden nicht in die Ausbildung

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Nachwuchsprobleme: Auch im zweiten Pandemie-Jahr halten erschwerte Kontakt- und Arbeitsbedingen Schulabgänger vom Bewerben ab.
Nachwuchsprobleme: Auch im zweiten Pandemie-Jahr halten erschwerte Kontakt- und Arbeitsbedingen Schulabgänger vom Bewerben ab.
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Schüler finden nicht in die Ausbildung
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Um elf Prozent brach die Zahl der Ausbildungsverträge 2020 ein. Trotz erster Erholungstendenzen bleibt fraglich, wann die Vor-Corona-Zahlen jenseits der 500 000 wieder erreicht werden.

Von 484 000 Ausbildungsstellen waren im Juli 194 000 noch unbesetzt, verrät der Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der seit Oktober registrierten Bewerber ist erneut um acht Prozent auf 404 000 gesunken. Beide Trends dürften den Handel in besonderem Maße treffen. Denn 12,3 Prozent aller seit Oktober 2020 bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Stellen führen jetzt zu den beiden wichtigsten Handelsberufen: Kaufmann oder -frau im Einzelhandel (34 900 Stellen) und Verkäufer/in (24  700). 2019 waren es noch 10,4 Prozent. Anders als Gastronomie oder Industrie hat der Handel in der Krise nicht den Rotstift gezückt, sondern sein Lehrstellenangebot erheblich ausgebaut. Nonfood habe das Ausbildungsangebot gehalten und der LEH aufgestockt, beobachtet Katharina Weinert, Bildungsexpertin beim HDE.
„Der Nachvermittlungszeitraum ab Oktober gewinnt eine größere Bedeutung“
Katharina Weinert, HDE

Verdienstvoll, aber schwer zu besetzen: So zählte die BA zuletzt nur 20 861 (2019: 24 716) gemeldete Bewerber für Stellen als Einzelkaufleute und 23 575 (2019: 26 557) für Verkäufer – bei knapp 60 000 Vakanzen. Das generell gesunkene Interesse an der dualen Ausbildung hat mehrere Gründe: Praktika und Berufsorientierung an den Schulen fielen häufig aus, aber auch die sinkende Zahl der Schulabgänger und die anhaltende Studierneigung belasten den Ausbildungsmarkt.

Wo sich Angebot und Nachfrage am Ende treffen, ist noch lange nicht entschieden. "Der Nachvermittlungszeitraum ab 30.9. gewinnt eine größere Bedeutung", prophezeit Katharina Weinert für den Handel. Sie rechnet mit Einstellungen bis ins neue Jahr. Schade nur, dass dann das Berufsschuljahr längst angefangen hat und den Jung-Azubis wieder das abverlangt, was viele an der Ausbildung in Corona-Zeiten bemängeln: Lernen allein zu Haus.

So verbrachten 40 Prozent der Azubis mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice, zeigen die Azubi-Recruiting Trends 2021. 5 600 Schüler und Azubis wurden hier zur Ausbildung unter Pandemiebedingungen von der Jobbörse Aubi-Plus und Einstellungstestanbieter U-Form befragt. Beim digitalen Lernen vermissten die Azubis den Austausch mit anderen Lernenden und das Feedback von Ausbildern und Lehrern, lobten aber auch die Möglichkeit, sich ort- und zeitunabhängig im eigenen Tempo und multimedial auf Prüfungen vorbereiten zu können. Zwei Drittel sind sogar dafür, Homeoffice weiterhin während der Ausbildungszeit zu ermöglichen, was Post-Corona aber die Hälfte der Arbeitgeber ablehnt.



Die Systemrelevanz von LEH und Logistik hat das Image der entsprechenden Ausbildungsberufe laut Studie positiv beeinflusst. Dennoch zeigt eine Sonderauswertung für die LZ, dass Handels-Azubis die Entscheidung für ihren Ausbildungsplatz weniger leicht gefallen ist als dem Gros der Auszubildenden. Außerdem würden sich nur zwei Drittel wieder für eine Ausbildung im gleichen Beruf entscheiden. Drei Viertel sind es über alle Branchen hinweg. Doch Nachwuchsmangel ist längst kein Problem einzelner Branchen oder Betriebe mehr. Beim Bundesinstitut für Berufsbildung geht man davon aus, dass das Vor-Corona-Niveau bei den Ausbildungszahlen auch nach der Pandemie nicht mehr erreicht wird. Gefragt seien "Maßnahmen mit einer echten Lenkungswirkung für eine Trendwende bei der Berufs- und Studienorientierung junger Erwachsener." Ansonsten werde der Fachkräftemangel noch in diesem Jahrzehnt "zur Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz vieler Betriebe".



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