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Interview mit HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth

"Das passt alles nicht zusammen"

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Deutschland, HDE
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Deutschland, HDE
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Interview mit HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth
"Das passt alles nicht zusammen"
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Gesundheitsschutz folgt unterschiedlichsten Vorgaben. Händler können Kunden kontrollieren, dürfen Mitarbeiter aber nicht nach ihrem Impfstatus fragen.

Die Gesundheitsminister konnten sich nicht auf einheitliche 3G-Regeln am Arbeitsplatz einigen. Paragraf 28 Infektionsschutzgesetz soll aber Grundlage für länderspezifische Regeln sein. Was folgt daraus?

Für den Einzelhandel wäre es viel wichtiger, endlich das Recht zur Erfragung des Impfstatus der Beschäftigten zu bekommen. Eine 3G-Regel ist mit Blick auf die nachgewiesenermaßen geringe Ansteckungsgefahr beim Einkauf weder für Mitarbeiter noch für Kunden notwendig. Völlig absurd wäre es, eine 3G-Regel für Beschäftigte einzuführen, ohne dass der Arbeitgeber den Impfstatus abfragen darf. Das passt alles nicht zusammen.



Wie erfahren Händler den Impfstatus ihrer Beschäftigten?

Sie sind auf freiwillige Auskünfte angewiesen. Das ist aus Sicht des HDE ein Fehler, den die Politik schnellstmöglich beheben sollte. Nur wenn der Arbeitgeber den Impfstatus aller Beschäftigten kennt, kann er die Tätigkeiten im Sinne eines noch besseren Pandemieschutzes verteilen. Dann könnten Ungeimpfte eher in Bereichen eingesetzt werden, die weniger oder gar keinen Kundenkontakt haben.

Was halten Sie davon, dass Betriebe weiter kostenlose Tests für Mitarbeiter bereit halten sollen?

Wir sehen die Gefahr, dass der Staat die Kostenlast für die Testungen mehr und mehr einseitig auf die Unternehmen abwälzen will.



Immer mehr Länder lassen Händlern die Wahl, die 2G-Regel anzuwenden. Ist das praktikabel?

Wichtig ist , dass solche Regeln für den Handel nicht zur Pflicht werden. Die freiwillige Umsetzung ist eine persönliche betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie birgt die Gefahr, dass weniger Kunden kommen. Hinzu kommt der Kontrollaufwand.



Wo wäre 2G dennoch denkbar?

Bei Händlern mit geringer Frequenz. Bei Lebensmitteln, Bekleidung oder Möbeln macht es keinen Sinn und würde zu Schlangen vor den Geschäften führen. Die Folge wäre eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage vieler Händler. Die sind aber nach den Lockdowns ohnehin in schwieriger Verfassung. Geöffnete Ladentüren und Pandemiebekämpfung sind kein Widerspruch.



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