Interim Management: Im Handel sind Controller...
Interim Management

Im Handel sind Controller gefragt

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Der Handel hat 2021 mehr Interim-Manager nachgefragt als andere Branchen. Eine Umfrage von Ludwig Heuse zeigt, wo die Haupteinsatzfelder waren.

"Das Interim-Business nimmt an Fahrt auf, gefühlt aktuell noch stärker, als es unsere Umfrage vom Februar dieses Jahres zeigt", sagt Christine Feuerstein, Niederlassungsleiterin München der Ludwig Heuse GmbH, einem Vermittler von befristeten Management-Einsätzen. Heuse Interim hat 7 000 aktive Interim-Managerinnen und -Manager im Netzwerk und befragt diese seit 2001 zu ihren Einsätzen.

"Durch Corona hat sich das Tool Interim-Management von der produzierenden Industrie hin zum Handel und den Dienstleistungen entwickelt", beobachtet er. Aus dem Handel gab es 2021 mehr Interim-Anfragen als aus anderen Branchen, so das Ergebnis der Heuse-Umfrage. Interim-Manager im Handel sind vor allem gefragt, um personelle Lücken zu schließen. 35 Prozent der befragten 1 000 Interim-Manager nennen dies als wichtigsten Grund für den Einsatz im Handel. In der produzierenden Markenartikelindustrie sind es mit 34 Prozent ebenfalls deutlich mehr als in anderen Branchen, die zur Überbrückung einer Vakanz engagiert werden. 



Restrukturierung und Sanierung sind in allen Branchen (23 Prozent) gleichermaßen wichtige Themen, für die zeitweise Experten ins Unternehmen geholt werden. Rund ein Viertel der Interim-Mandate im Handel kommen aus diesem Grund zustande. Der zusätzliche Managementbedarf und die Projektarbeit sind weitere Bedarfssituationen im Handel, für die Experten auf Zeit gesucht werden.

Projektarbeit ist, betrachtet man alle Branchen, mit knapp 30 Prozent der wichtigste Grund für Unternehmen, interimsmäßig Kompetenz einzukaufen. Ein PMO (Project Management Officer) mit multipler Projekterfahrung sei mittlerweile eine gefragte Person für ein Interim-Mandat, so Feuerstein. "Dieser koordiniert und orchestriert mehrere Projekte und Projektteams in einem Unternehmen."

Inhaltlich ist Change-Management für alle Branchen ein Schwerpunkt des Interim-Einsatzes: Rund ein Drittel aller Befragten geben an, dafür engagiert zu werden. Das gilt auch für Handel und Markenartikelindustrie. Für letztere spielen Manager auf Zeit nochmal eine größere Rolle, wenn es um Zukunftsthemen wie neue Märkte und Produkte geht. Zielgerichtete Expertise ist gefragt, um beispielsweise Anstöße in der Produktentwicklung zu geben.

Bei der Bahlsen GmbH & Co. KG war es das wachsende Handelsmarkengeschäft, das mit Hilfe einer Interim-Managerin restrukturiert wurde. Sie übernahm die Führung und die Verantwortung für den Geschäftsbereich sowie einen Produktionsstandort, vertrat die Interessen des Bereichs innerhalb des Konzerns, verhandelte Verträge mit dem Handel und baute ein Geschäftsführungs-Board aus drei Mitgliedern auf, die den Bereich übernahmen.


Eine Sonderauswertung zum Einsatz von Interim Management in der Lebensmittelwirtschaft - Quelle: Ludwig Heuse GmbH
LZ-Grafik
Eine Sonderauswertung zum Einsatz von Interim Management in der Lebensmittelwirtschaft - Quelle: Ludwig Heuse GmbH

Dass der Handel im vergangenen Jahr im Krisenmodus war und mit spitzer Feder rechnen musste, zeigt auch das angefragte Know-how der Interim-Experten: Im Handel war besonders Controlling-Fachwissen gefragt. Knapp 40 Prozent der Interim-Mandate bezogen sich auf den Umgang mit wirtschaftlichen Kennziffern im Controlling und Rechnungswesen. "Das überrascht nicht. Schließlich navigiert der CFO ein Unternehmen durch die Krise und holt sich dazu Unterstützung", so Feuerstein. In der Markenartikel-Industrie war vor allem zusätzliches Produktions- und Marketing-Know-how erforderlich.

Und wie lohnend ist der Einsatz eines Interim-Managers, der einen Tagessatz von über 1 000 Euro berechnet? "Für einen Euro Invest erhält der Kunde vier Euro zurück", sagt Feuerstein zum durchschnittlichen "Return-on-Interim-Invest" (ROIM). Im Handel und der Produktion liege der Faktor mit 3,72 etwas darunter, auch das ein Ergebnis der Studie. "Was hat ihr Einsatz den Kunden gekostet, und was hat er ihm gebracht?", war die entscheidende Frage.



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