Interview mit Reckitt-Marketingdirektorin Jul...
Interview mit Reckitt-Marketingdirektorin Julia Mellberg

"Karriere und Familie sind kein Widerspruch"

Reckitt
Julia Mellberg: Marketing Director Central Europe ist verheiratet und hat zwei Söhne, 6 und 4 Jahre alt.
Julia Mellberg: Marketing Director Central Europe ist verheiratet und hat zwei Söhne, 6 und 4 Jahre alt.
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Interview mit Reckitt-Marketingdirektorin Julia Mellberg
"Karriere und Familie sind kein Widerspruch"
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Work oder Life, Marketingdirektorin oder Mutter? Die Verbindung macht es für Julia Mellberg.

Frau Mellberg, Sie leiten bei Reckitt das Marketing für Zentraleuropa und haben zwei kleine Söhne. Nehmen Sie sich als Role Model wahr?

Nein, es gibt so viele ehrgeizige Berufstätige auf allen Ebenen, die eben zufällig auch Eltern sind. Aktuell sind bei Reckitt 30 Prozent der globalen Führungspositionen mit Frauen besetzt. Bis 2030 sollen daraus 50 Prozent werden, was ich natürlich sehr befürworte. Meine weiblichen und männlichen Kollegen inspirieren mich jeden Tag aufs Neue mit ihrer Hands-On Mentalität und ihrem Einsatz für die Familie, während sie genauso erfolgreich bei der Arbeit sind. Wir unterstützen uns außerdem gegenseitig mit Mentoring-Programmen, in denen wir Erfahrungswerte austauschen und wichtige Themen besprechen können.



Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als sie angekündigt haben, ein Kind zu erwarten?

Beide Male haben sich alle herzlich und empathisch mit mir über die Nachricht gefreut. In meinem Arbeitsumfeld bei Reckitt schätze ich es sehr, dass Nachrichten über Familiengründung oder -erweiterung immer Grund zur Freude sind, und dass weltweit Mutterschutz und ein zusätzlicher zweiwöchiger bezahlter Sonderurlaub gewährt wird.

Was finden Sie schwierig bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Mir ist es wichtig, dass ich immer "mein komplettes Ich" bin bei der Arbeit. Und ich denke, dass wir als Gesellschaft die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben überdenken müssen. "Work-Life-Balance" impliziert, dass die beiden Lebensbereiche diametral entgegengesetzt sind. Doch bei der Arbeit bin ich ja auch weiterhin eine Mama, und bringe aus dieser Rolle sowohl Stärken und Erfahrungen als Elternteil, genauso wie eigene Bedürfnisse mit. Ich finde es wichtig, den Druck rauszunehmen. Meine Prioritäten richten sich nach meinen Werten, ich gehe nicht zu perfektionistisch an meine Aufgaben heran und ich lebe im Augenblick. Die kleinen Dinge zu schätzen hilft mir, meine Rollen als Mama, Ehefrau oder als Marketing Director bei Reckitt zu leben und durch jede dieser Rollen Erfüllung zu finden.



Wieviel Verständnis haben Sie für Frauen, die einen vielversprechenden Vollzeitjob ablehnen, weil sie sich nicht vorstellen können, die Kinderbetreuung fast komplett aus der Hand zu geben?

Ich kann das gut nachvollziehen, auch wenn es nicht der Weg ist, den ich gegangen bin. Ich denke, die meisten berufstätigen Frauen verspüren Druck, sind hin- und hergerissen zwischen Familiengründung und Karriere, doch dieses Gefühl ist sehr individuell und bei jeder Frau anders ausgeprägt. Deswegen gibt es in meinen Augen hier auch kein Richtig oder Falsch. Für meinen Mann und mich haben sich Familiengründung und Karriere nicht widersprochen. Wir teilen uns die Kinderbetreuung, können unsere Arbeitszeiten anpassen und auch von Zuhause arbeiten. Dadurch haben wir ein Gleichgewicht gefunden, das für unsere Familie wunderbar funktioniert.



Glauben Sie, dass die Berufseinsteigerinnen heute selbstbewusster ihre Karriere angehen? Und sich von Kinderwünschen weniger beeinflussen lassen als die Generation vor Ihnen?

Ich denke, das kann man nicht verallgemeinern. Erfreulicherweise stelle ich aber fest, dass es eine positive Veränderung weg vom klassischen Lebensentwurf "Heirat, Haus, Kinder" gibt. Die Freiheit der persönlichen Entscheidung wird erfreulicherweise immer mehr zum "Normal", und ich halte das für einen sehr wichtigen Schritt.



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