Managerin des Jahres : Engagiert im Führen un...
Managerin des Jahres

Engagiert im Führen und Fördern

Anne Simon
Seit einem Jahr an der Spitze: Astrid Teckentrup, Geschäftsführerin DACH-Länder bei Procter & Gamble
Seit einem Jahr an der Spitze: Astrid Teckentrup, Geschäftsführerin DACH-Länder bei Procter & Gamble
Anhören

Merken

Managerin des Jahres
Engagiert im Führen und Fördern
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Die Rolle der Geschäftsführerin für die deutschsprachigen Länder bei Procter & Gamble trat Astrid Teckentrup letztes Jahr bestens vorbereitet an. Sie hat sukzessive immer mehr Führungsverantwortung übernommen und dabei nie die paritätische Besetzung von Führungsteams aus den Augen verloren. Dafür gewinnt sie den Titel "Managerin des Jahres".

Als "tolle Frau, die in einer Männerwelt Leuchttürme setzt", hat Wegbegleiter Holger Follmann Astrid Teckentrup kürzlich bei dem LZ-Event YBF beschrieben. Sie sei spontan, begeisterungsfähig, setze auf junge Talente, öffne Türen und erobere Herzen im Sturm. Follmann gehört mit Astrid Teckentrup dem Kuratorium der Frankfurter Werte-Stiftung an und restrukturierte 2014 bis 2016 die European Business School. Die private Hochschule ist bis heute ein wichtiger Talentpool für P&G. Auch Astrid Teckentrup war EBS-Studentin, als sie im Praktikum erstmals in Kontakt kam mit Procter & Gamble.

1991 wurde daraus ihre erste Anstellung, Aufstieg im Vertrieb, und immer ist die dem amerikanischen Konsumgüterkonzern treu geblieben. "Das ist eine meiner Entscheidungen, über die ich immer noch jeden Tag froh bin. Natürlich hat das auch mit Glück zu tun, sich so früh richtig zu entscheiden." Offenbar fand sie bei P&G eine Kultur vor, in der sie aufgeht. Denn immer wieder kommt sie darauf zu sprechen: "P&G ist ein Unternehmen, das geprägt ist von Werten wie Vertrauen, Internationalität, Diversität, Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Kombination hat mich über die 30 Jahre sehr zufrieden gemacht."

Im vergangenen Jahr hat die 55-Jährige es an die Spitze geschafft und die Gesamtverantwortung für das Geschäft in den deutschsprachigen Ländern übernommen. Dass sie als "logische Nachfolgerin" von Franz-Olaf Kallerhoff bezeichnet wurde, weil sie ihm schon zuvor in der Position der Vertriebschefin gefolgt war, hat sicher auch damit zu tun, dass kaum jemand das Unternehmen, seine Entwicklung und seine Mitarbeiter so gut und lange kennt.

Trotzdem ist es ein großer Schritt, den die Topmanagerin gern ein bisschen herunterspielt. "In unserer Unternehmenskultur teilen wir viele Werte und das hat den Übergang relativ einfach gemacht. Meine Arbeit fand vorher im Team statt, tut es jetzt und ich habe das Glück, mit vielen Leuten zusammenzuarbeiten, die einen guten Job machen." Auch dass jetzt eine Frau in der Zentrale in Schwalbach an der Spitze steht, findet sie nicht so bemerkenswert, weil Führungspositionen in der deutschen Zentrale des Konzern schon seit fünf, sechs Jahren zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt seien. "Wir haben eine 50:50-Kultur. Das ist bei P&G schon lange nicht mehr spannend. Die Vorgängerin von Herrn Kallerhoff war im Übrigen auch eine Frau."
Stationen ihrer Karriere
Astrid Teckentrup verantwortet das Geschäft im größten und diversifiziertesten P&G-Markt außerhalb der USA mit rund 10 000 Beschäftigten, neun Werken und einigen globalen F&E-Zentren.

Die Schwerpunkte ihrer derzeitigen Arbeit liegen auf der Transformation zu einer noch digitaleren Organisation, die Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der Unternehmensaktivitäten versteht. Die gebürtige Aachenerin führte bis zur Übernahme ihrer derzeitigen Aufgabe den Vertrieb von Procter & Gamble DACH und war für das weltweite Geschäft von Metro/Makro verantwortlich.
Ihre Karriere bei P&G startete sie 1991 im Vertrieb. Seitdem hatte sie Führungspositionen inne in allen Produktkategorien und mehr als zehn Jahre globale Verantwortung in Europa, Asien und Lateinamerika.


Auf Geschlechterparität muss die Chefin nicht mehr hinarbeiten, sondern hat davon profitiert: "P&G kennzeichnet eine konsequente Karriereentwicklung mit voller Chancengleichheit aus, ohne Ethnien, Geschlecht oder irgendetwas anderes einzubeziehen. Diese Möglichkeit habe ich genutzt." Die letzten Jahre habe sie das Glück gehabt, "viele Aufgaben in DACH übernehmen zu dürfen, aber auch international viel zu sehen. Ich war im Vertrieb unterwegs und habe über den Tellerrand geschaut, etwa bei Marketing- und Integrationsaufgaben bei Wella und Gillette. Diese verschiedenen Perspektiven haben meine Karriere bereichert und helfen mir hoffentlich, das ordentlich zu tun, was ich mache." Wieder klingt Bescheidenheit durch, die Nähe schafft. Am Nachmittag will sie sich mit den Auszubildenden zusammensetzen. Sicher wird es keine steife Veranstaltung, sondern eine muntere, spaßige.

Ist ihr unprätentiöses, sachorientiertes Herangehen an die neue Rolle vielleicht typisch Frau? Führen Frauen ihrer Meinung nach anders? "Ich glaube schon, tue mich aber schwer mit dem Holzschnittartigen", sagt Teckentrup. "Alle, die Verantwortung übernehmen, müssen irgendwann Entscheidungen treffen, die für möglichst viele Menschen und das Unternehmen richtig sind." Wichtig sei dabei, die Vielfalt der Bedürfnisse im Auge zu behalten.

"Ich greife gerne Themen auf, von denen ich glaube, dass sie für Stakeholder - ob Beschäftigte, Kunden oder andere Partner - eine wichtige Rolle spielen", sagt sie, "Da nutze ich meinen Gestaltungsspielraum sehr stark aus." Bezogen auf ihren langjährigen Großkunden Metro hat sie das einmal so beschrieben: "Die Bedürfnisse des Kunden immer wieder aufs Neue zu erfragen und mit unseren Produkten und Leistungen so zusammenzubringen, dass beide Seiten davon profitieren, ist die spannendste Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann."

Ihr Handlungsfeld ist riesig: "Auf der einen Seite habe ich mehr operative Verantwortung – auch in vertrauten Aufgabengebieten wie der Kategorieentwicklung mit den Marken und Innovationen, die wir haben." Zweitens sei das Geschäft ordentlich gewachsen in den letzten Jahren. "Um auch in Zukunft ein zuverlässiger Partner zu sein, müssen wir unsere Infrastruktur anpassen. An den Lagerstandorten Crailsheim und Euskirchen haben wir stark investiert in 45 000 zusätzliche Palettenstellplätze." Ein weiterer Treiber seien die Erwartungen der Konsumenten an Markenhersteller: "Sie wollen, dass die Marken Verantwortung übernehmen für – ich sag es mal ganz groß – die Zukunft unseres Planeten."

Deshalb spiele Transformation im Sinne der Nachhaltigkeit eine Riesenrolle. "Mit GS1 haben wir beispielsweise daran gearbeitet, Kartons mehrwegfähig zu machen." Ein weiterer Fokus seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem sich alle gut aufgehoben fühlen und produktiv arbeiten können?" Die Unterstützung junger Talente gehört für sie unbedingt dazu. "Wir stellen Leute nach der Uni oder Ausbildung ein und fördern sie für eine lebenslange Karriere." Wie gut das gelingt, daran werde bei Procter & Gamble auch die Führungskraft gemessen.

Frauenförderung schreibt sie sich ganz bewusst nicht auf die Fahnen, sondern Gleichstellung. Denn die Zeiten, in denen weibliche Nachwuchskräfte besonders unterstützt werden mussten, seien vorbei. "Es gibt Frauen, die brauchen überhaupt keine Ermutigung und überfahren alle. Und es gibt Männer, die Ermutigung brauchen. Was immer wichtig ist: Gut hingucken und schauen, ob man noch ein bisschen unterstützen kann – oder auch bremsen."

Zum Ziel der Geschlechterparität hat Astrid Teckentrup intern gern beigetragen. "Kamingespräche mit engagierten jungen Frauen und Männern, die die aktuellen Fragestellungen zu Gleichstellung immer wieder herausarbeiten, haben uns in die Lage versetzt, uns zeitgemäß aufzustellen."

Gern trägt sie diese Themen auch über Unternehmensgrenzen hinweg in die Branche: Teckentrup erzählt, dass die P&G Female Community maßgeblich die Gründung des Diversity-Netzwerkes LEAD Frankfurt verantwortet und unter diesem Dach eine Veranstaltungsreihe begonnen hat, bei der Männer und Frauen zum moderierten und zwanglosen Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg eingeladen wurden. Mestemacher-Chefin Ulrike Detmers gehörte auch schon zu den Teilnehmern.

Initiatorin: Prof. Dr. Ulrike Detmers
Mestemacher
Initiatorin: Prof. Dr. Ulrike Detmers
Mestemacher-Preis Managerin des Jahres
Zum 21sten Mal wird die Auszeichnung "Managerin des Jahres" am Freitag in Berlin verliehen. Initiatorin des Gleichstellungspreises ist Ulrike Detmers (u.), Gesellschafterin, Vorsitzende und Sprecherin des Stifterunternehmens Mestemacher, Wirtschaftsprofessorin und Frauenrechtlerin. Ausgezeichnet werden Top-Managerinnen, die als leitende Angestellte die Geschäfte eines Unternehmens verantworten und darüber hinaus Frauen beim beruflichen Aufstieg fördern. Mit dem Preis stellt das Stifterunternehmen heraus, wie gut Frauen befähigt sind, in der Unternehmensspitze zu arbeiten. Erreicht werden soll damit insbesondere die Steigerung des Anteils an Frauen, die GmbH-Geschäftsführerin oder Vorstandsmitglied einer AG sind.


Eine weitere Aktion: "Im Herbst 2020 haben wir das erste Mal einen virtuellen Summit mit unseren Geschäftspartnern veranstaltet, der in eigener Regie das Thema gleichberechtigte Teilhabe besprochen hat." Mehr noch: Mit dem für Teckentrup typischen Durchhaltevermögen ist es ihr auch gelungen, das Präsidium und den Vorstand des Markenverbands dazu zu bewegen, das Thema "Gleichberechtigung" aufzunehmen und Ende des letzten Jahres ein Haltungspapier dazu zu veröffentlichen. "Ich sehe das nur als ersten Schritt auf der Reise unserer Industrie", sagt Astrid Teckentrup nicht ohne Stolz. Dass sie von Mestemacher nicht nur als prominentes Role Model der Konsumgüterindustrie, sondern auch für ihr Gleichstellungs-Engagement zur Managerin des Jahres gekürt worden ist, freut sie außerordentlich: "Frau Professor Detmers setzt sich seit zwei Jahrzehnten für Frauen an der Spitze ein. Und sie tut es ausgewogen, indem sie die Managerin des Jahres und den Vater des Jahres auslobt. Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Sie ist für mich eine Ratgeberin, die ich sehr schätze, insbesondere zum Thema Vielfalt. Sie macht einen Riesenunterschied für die Branche."



stats