Mitarbeiterbeteiligung: Mitbesitzer sind enga...
Mitarbeiterbeteiligung

Mitbesitzer sind engagierter

Robbert Brink
Vertrauensbeweis: Wer in den Arbeitgeber investiert, zeigt Identifikation, Bindung und Hoffnung auf die Zukunft.
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Die Deutschen sind vorsichtige Investoren. Doch wenn ihr Arbeitgeber ihnen Anteile anbietet, greifen sie gerne zu. Es gibt viele Gründe, warum beide Seiten profitieren. Der Wunsch nach mehr Sinn oder "Purpose" zählt dazu.

Im Juni kamen Hornbach-Aktionäre ins Schwitzen. Nach einer Gewinnwarnung am 14.6. stürzte der Kurs der Holding von 111 Euro ab und bewegt sich seitdem nahe 80 Euro. Was war passiert? Nach zwei besonders guten Corona-Jahren meldete der Baumarktbetreiber für das erste Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang aufgrund rasanter Preissteigerungen und Lieferkettenproblemen. Damit steht Hornbach nicht allein, doch das Gros der deutschen Anleger mag Schwankungen nicht. Bevor sie Aktien kaufen, legen sie das Geld lieber zinsfrei auf das Sparkonto.

Nicht so 20 bis 25 Prozent der Hornbach-Mitarbeiter: Seit 1993/94 kaufen sie von einem Teil ihres Gehalts Belegschaftsaktien. Vom Kursverfall im Juni waren sie zum Glück nur bedingt betroffen: Grundsätzlich sind sie durch zweijährige Haltefristen langfristig orientiert, zudem federn 54 Prozent Zuschuss zum Kaufpreis (2021) Kursrisiken ab. Drittens waren sie Aktionäre der Hornbach Baumarkt AG. Diese wird nicht mehr an der Börse gehandelt, so dass viele ihre Aktien verkauft oder der Hornbach Holding angedient haben. Ab Herbst wird das Beteiligungsprogramm mit Aktien der Holding fortgeführt. "Die Teilnahme am Belegschaftsaktienprogramm hat für viele Mitarbeiter einen hohen Stellenwert und ist damit ein sehr bedeutender Bestandteil der Zusatzleistungen", erklärt Holger Gebhardt, der bei dem Baumarkt in Deutschland den HR-Bereich "Zusatzleistungen" verantwortet. Selbst in Bewerbungsgesprächen sei das schon Thema.

Wirtschaftsexperten preisen Vermögensbeteiligungen seit vielen Jahren. Und selbst die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung macht sich stark für diese Form der verbrieften Teilhabe an den Früchten der Arbeit. Doch bislang beteiligen nur rund zehn Prozent der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter am Gewinn und magere zwei Prozent am Kapital. Handel und Logistik halten sich besonders zurück, zeigt eine Umfrage der HR-Beratung Aon. 



Doch gerade bei den jungen Arbeitnehmern wächst das Interesse: "Beteiligungsmodelle kommen gut an, steigern Teilhabe und unternehmerisches Denken und ermöglichen auch Steuervorteile, die der Gesetzgeber mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz noch ausweiten will", erklärt Ralf Schmidt-Stoll von der Vergütungsberatung Willis Towers Watson. "Wir haben sie vermehrt auf der Agenda".

Dazu tragen die Erfolgsgeschichten von Startups bei, die in der Gründungsphase auf Geldeinlagen ihrer Mitarbeiter angewiesen waren und sie am Ende zu Millionären gemacht haben. Herumgesprochen hat sich auch: In Niedrigzinsphasen können sie viel lukrativer sein als die Betriebsrente. "Das Arbeitseinkommen ist von 1950 -2017 um den Faktor sieben gestiegen, Kapitalerträge um den Faktor 12", wirbt David Voggeser von der HR- und Vergütungsberatung HKP für sein Herzensthema Mitarbeiterbeteiligungen. Ihn freut, dass der Staat endlich die Rahmenbedingungen verbessert hat. "Der Freibetrag wurde vervierfacht. Wir haben seither Anfragen von Unternehmen aller Größen und Branchen." Seit dem 1. Juli 2021 müssen Mitarbeiter, die beispielsweise verbilligte Belegschaftsaktien bekommen, den Preisnachlass erst jenseits von 1440 Euro als geldwerten Vorteil versteuern.

"Es ist der höchste sach- und leistungsungebundene Freibetrag, den ein Arbeitnehmer nutzen kann", macht Dirk Lambach vom Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung - AGP deutlich, der Unternehmen auch berät. Er weiß: Wo ein Beteiligungsangebot vorhanden ist, macht ein hoher Anteil der Mitarbeiter davon Gebrauch – quer durch alle Alters- und vor allem Gehaltsgruppen. Das Risiko deckeln meist Höchstanlagebeträge: Bei Hornbach 10 bis 20 Aktien pro Jahr. 

"Die Familie Hornbach selbst ist stark investiert im Unternehmen. Also begrüßt sie es, wenn Mitarbeiter das auch tun", erklärt Sprecher Florian Preuß die Motivation. Am Erfolg direkt beteiligt zu sein, sei ein gutes Gefühl, sagt er aus eigener Erfahrung. "Wie alle Aktionäre profitieren wir doppelt: vom Kursgewinn und von der Dividende." Und bei der Hauptversammlung gebe es immer ein großes Wiedersehen mit Ex-Kollegen und Pensionären.



Globus ist wie die meisten Händler keine AG. Das Familienunternehmen aus dem Saarland bietet seinen Beschäftigten seit knapp 30 Jahren stille Beteiligungen an. Der Finanzierungseffekt dieser Maßnahme ist enorm: Die Mitarbeiter halten mittlerweile zehn Prozent des Eigenkapitals. Mitarbeiterbindung nennt HKP-Berater Voggeser als weiteres gewichtiges Argument: "Eine noch unveröffentlichte Studie der Universität Göttingen zeigt am Beispiel eines Dax-Unternehmens, dass Mitarbeiter, die investiert sind, länger bleiben als die Kohorte der Nicht-Investierten." Die Hürden für ein Beteiligungsprogramm sind ihm bewusst: Viele Unternehmer fürchten zu viel Mitbestimmung oder Aufwand. "Das Programm muss einmal konzipiert und dann verwaltet werden. Zudem kostet es das Unternehmen – wie alle Benefits – Geld", sagt er. Die verschachtelten Rechtsformen im Handel seien dagegen kein Hinderungsgrund. "Man muss nur genau überlegen, am Erfolg welcher Geschäftseinheit die Mitarbeiter am besten beteiligt werden." So erwerben Marktmitarbeiter bei Globus Anteile direkt an "ihrer" Markt GmbH.





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