Agentur-Chef Ben Schulz: "Minderheiten bekomm...
Agentur-Chef Ben Schulz

"Minderheiten bekommen zu häufig Recht"

Ben Schulz & Partner AG
Ben Schulz: Möchte dem Unternehmertum mehr Gehör verschaffen.
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Agentur-Chef Ben Schulz
"Minderheiten bekommen zu häufig Recht"
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Ben Schulz hat sich früh auf Personal Branding spezialisiert. Mit der Umfirmierung seiner Agentur Werdewelt in Ben Schulz & Partner möchte er noch stärker Unternehmen dabei unterstützen, sich authentisch zu positionieren.

Herr Schulz, sollten Unternehmen öfter Haltung zu politischen Themen einnehmen?
Ich bin dafür. Sehr oft fehlen in Berlin sowohl jeder Pragmatismus als auch der unternehmerische Blick. Wie kann es sein, dass Firmen kein Mitspracherecht haben, ob sie nach der Pandemie noch Homeoffice-Plätze anbieten, oder wie viele Frauen in ihren Vorstand gehören? Oder das Gendern: Fragen Sie mal erfolgreiche Unternehmerinnen und Managerinnen wie wichtig es ihnen ist, ob wir das grammatikalische oder biologische Geschlecht verwenden. Dass ich für mehr Frauen in Führung bin, hat damit gar nichts zu tun.

Wie ist es so weit gekommen?
Die Unternehmen kriegen viel Druck von allen Seiten, insbesondere wenn es um idealistische Werte wie zum Beispiel Klimaschutz geht. Hinzu kommt der große Generationswechsel: Heute ist ein Arbeitgeber attraktiv, wenn er eine Kita und ein Fitnessstudio hat und die Kantine vegan kocht. Unternehmen müssen schon aus Imagegründen E-Autos fahren, grünen Strom nutzen und gendern. Die Frage ist: Wann passiert etwas aus Überzeugung und wann aus Imagegründen? Dieser Druck macht es unheimlich schwer, authentische neue Leitbilder, Führungs-, Anstellungs- und Entlohnungsmodelle auf den Weg zu bringen.

Was ist das Problem mit der jungen Generation?
Sie hat aus meiner Sicht wenig Respekt vor der Aufbauarbeit, die ein Unternehmer leistet, vor dem, was es heißt, Unternehmer zu sein und sich Dinge selbst zu erarbeiten. Eine große Studie der Boston Consulting Group hat gezeigt, dass die Generation Z Führungspositionen und Verantwortung viel weniger anstrebt als die Vorgängergenerationen. Sie hat andere Werte. In den nächsten drei bis fünf Jahren wird es im Mittelstand zum größten Generationswechsel kommen, den es je gab, und ich weiß, dass viele Unternehmer Angst davor haben.

Nur wenige Manager trauen sich, öffentlich ihre Meinung zu vertreten. Eine Ausnahme ist der VW-CEO Herbert Diess. Erstaunlicherweise spricht er zumeist recht positiv über den politisch gewollten Umstieg in die E-Mobilität, obwohl jetzt von 30 000 gefährdeten Arbeitsplätzen die Rede ist.
Das eine wird von außen gefordert, das andere sind die Konsequenzen. Wenn er sich gegen E-Mobilität stellt, kriegt er Protest. Wenn er über den daraus folgenden Arbeitsplatzabbau spricht, ebenso. Das Verständnis der Gesellschaft für die Entscheidungen an der Spitze eines Unternehmens ist begrenzt. Natürlich gibt es skrupellose Manager. Aber es gibt auch genug, die genau wissen, welche Verantwortung sie für heutige und zukünftige Generationen tragen.

Ist es nach der Wahl nicht besonders wichtig, dass die Wirtschaft lauter wird im öffentlichen Diskurs?
Ich würde es mir wünschen, weil Unternehmer stärker in Erreichungs- als in Vermeidungszielen denken. Ein gutes Beispiel ist die Impfkampagne des Handels. Sie hat die Impfstationen in die Läden und Shopping-Center geholt, obwohl es Impfstationen gab. Ergebnis: Es wurden noch mehr Menschen erreicht. Trotzdem haben Manager und Unternehmer in unserer Gesellschaft kein besonders gutes Ansehen. Wirtschaft gilt schnell als böse.

Welche Rolle spielt politische Haltung denn in Ihrem Business, der Managementberatung?
Eine kleine, denn man kann eigentlich nur verlieren. Wenn man für etwas einsteht und polarisiert, wird man von der Gesellschaft zerstört. Wenn eine Minderheit unter den Mitarbeitern eine Behauptung darüber aufstellt, was der Arbeitgeber falsch gemacht hat, kriegt sie immer recht. Natürlich wäre es wichtig, sich bei bestimmten Themen stärker zu positionieren. Aber gegen die Frauenquote oder das Binnen-Sternchen? Dazu braucht es wirklich mutige Unternehmer, die für Ihre Rechte aufstehen und etwas verändern wollen.



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