Nachhaltiger Unternehmensumbau: "Die Beschäft...
Nachhaltiger Unternehmensumbau

"Die Beschäftigten von Anfang an einbinden"

Verdi/Herschelmann
Verdi-Frau: S tefanie Nutzenberger leitet den Fachbereich Handel.
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Nachhaltiger Unternehmensumbau
"Die Beschäftigten von Anfang an einbinden"
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An der Gestaltung eines zukunftsfähigen Handels müssen die Beschäftigten mitwirken, findet Stefanie Nutzenberger von Verdi.





Gibt es Auswirkungen für die Beschäftigten, wenn Unternehmen in Nachhaltigkeit investieren?

Für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Handel spielen die Beschäftigten eine zentrale Rolle. Die Branche ist mit rund fünf Millionen Beschäftigten ein sehr relevanter Teil der Gesellschaft. Die Pandemie hat verdeutlicht, wie wichtig die Beschäftigten des Handels für die Versorgung der Bevölkerung sind. Für uns ist Nachhaltigkeit im Sinne der Menschen, die im Handel arbeiten, zu verstehen und dazu gehört, dass sich Respekt und Wertschätzung auch in den Arbeitsbedingungen und den Einkommen zeigen.



Werden die Mitarbeiter in der Diskussion ausreichend berücksichtigt oder liegt der Fokus beim Klimaschutz?

Klimaschutz ist ja kein Selbstzweck. Es geht um das Miteinander von Mensch und Natur für ein gutes Leben auf diesem Planeten. Deshalb sind soziale und ökologische Aspekte wichtig. Je klarer Unternehmen, Politik und Verbände sich dazu verhalten, umso besser wird die Gestaltung der Zukunft laufen. Dabei sind die Aufgaben vielfältig. Wir sehen reichlich Handlungsbedarf in einer ökologischen und nachhaltigen Tarifpolitik und darin, dass die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden.



Sehen Sie eine Gefahr für die Arbeitsplätze?

Arbeitsplätze wären dann gefährdet, wenn der Handel sich nicht nachhaltig und zukunftsfähig aufstellt. Wichtig ist es, die Menschen von Anfang an einzubinden. Arbeitgeber müssen die Beschäftigten bei der Gestaltung eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Handels beteiligen. Es muss zum Beispiel mehr in die Qualifikation der Beschäftigten investiert werden. Das ist noch kein Selbstläufer.



Wo sehen Sie einen Mangel?

Nehmen Sie zum Beispiel die Digitalisierung und Automatisierung: Aktuell bedeutet das für die Beschäftigten viel Kontrolle und wenig Gestaltung. Richtig wäre es, wenn Technologie die Beschäftigten unterstützt, wenn Technik zur Gesundheitsförderung eingesetzt wird. Oft ist es aber andersherum: Die Beschäftigten müssen so handeln, wie die Maschinen es vorgeben. Das ist gesundheitsschädigend und in keinster Weise entspricht es nachhaltigem Handeln.



Was wäre notwendig?

Ein zukunftsfähiger Handel muss so gestaltet sein, dass Menschen dort sowohl gerne arbeiten als auch gerne einkaufen. Dazu gehören zum Beispiel lebendige Innenstädte. Auch im ländlichen Raum muss beispielsweise die Nahversorgung funktionieren. Eine gute Standort- und Verkehrspolitik ist gefordert. Wo sind die Arbeitsplätze? Und wie kommen die Beschäftigten dort hin? Digitalisierung, Automatisierung und auch die Veränderungen durch die Plattformökonomie spielen eine Rolle. Ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften hat viele Facetten, die man verschränkt miteinander betrachten muss.



Wo sehen Sie konkrete Risiken für die Beschäftigten?

Im Handel herrscht ein massiver Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb. Hierbei spielen die Personalkosten eine große Rolle und häufig ist Lohndumping die Folge. Der Handel gehört zu den Branchen mit dem größten Risiko für Altersarmut. Allgemeinverbindliche Tarifverträge würden die Situation verbessern. Sie regeln die Arbeits- und Einkommensbedingungen für alle Beschäftigten in der Branche. Und dies ist aus meiner Sicht dringend notwendig für die Beschäftigten und für die Unternehmen.







Warum sollten sich die Arbeitgeber darauf einlassen? Aktuell haben viele Handelsunternehmen Schwierigkeiten, ausreichend Beschäftigte zu finden. Es ist offenbar so, dass die Branche mit den Arbeitszeiten und Einkommen nicht so attraktiv ist, dass genug junge Menschen dort arbeiten wollen. Ein Auszubildender muss überzeugt sein, dass er mit dem Gehalt heute und in Zukunft gut seinen Lebensunterhalt bestreitet. Solange das nicht der Fall ist, ist die Branche nicht gut für die Zukunft aufgestellt.



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