Neue Arbeitswelt: New Work erreicht die Filia...
Neue Arbeitswelt

New Work erreicht die Filialen

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Mobile First: Per Smartphone können die Beschäftigten der Verkaufsfläche auf Wissens- und Organisations-Apps zugreifen.
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New Work erreicht die Filialen
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Kassierer oder Verkäufer können ihre Aufgaben nicht aus dem Homeoffice erledigen. Dennoch arbeiten zahlreiche Handelsunternehmen daran, mögliche New-Work-Prinzipien auch im Verkauf umzusetzen. Das zeigt eine Studie des EHI.

In der Corona-Krise ist New Work infolge der allgegenwärtigen Homeoffiche-Tätigkeit verstärkt zum Thema geworden. Doch: "Mobiles Arbeiten ist noch lange nicht New Work", stellt die EHI-Personalexpertin Vanessa Tuncer klar. Bei der digitalen EHI-Session "New Work in Retail" diskutierte sie aktuelle Studienergebnisse mit Experten aus dem Handel und der IT-Branche.

Wesentlich angetrieben wird der Veränderungsprozess von der Digitalisierung sowie dem gesellschaftlichen Wandel. "New Work ist nicht nur ein nettes Extra für die Handelsbranche ist, sondern vielmehr eine notwendige Voraussetzung, um zukunftsfähig zu bleiben", sagt Tuncer. Selbstbestimmung, flexibles Arbeiten, agile Prozesse sowie ein neues Verständnis von Führung stehen im Fokus. Dass der Handel dies forciert und sich zur Fachkräftesicherung verstärkt auf die Bedürfnisse der Beschäftigten einstellt, bestätigt die Befragung von Personalverantwortlichen der Branche des EHI Retail Institute.

Demnach haben bereits 64 Prozent der Retailer einen solchen Transformationsprozess angestoßen, weitere 10 Prozent planen es. Die Kernthemen, mit denen sich diese Händler im Gesamtunternehmen befassen, zeigt die untenstehende Grafik. 75 Prozent der Befragten stammen aus dem stationären Handel, die Hälfte aus Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern, sie repräsentieren ein Viertel des Umsatzes der Branche.

Einig ist man sich, dass neue Arbeitsformen in den Zentralen leichter umgesetzt werden können als auf den Verkaufsflächen. Zugleich sind 74 Prozent überzeugt, dass "am Ende alle zufriedener" sind, wenn auch die Filialbeschäftigten ihre Arbeitszeit selbstbestimmt einteilen können. Knapp die Hälfte (48 Prozent) traut den Angestellten diese Selbstorganisation zu. Zugleich glaubt die Mehrheit an positive Effekte durch eine demokratische Beteiligung an Entscheidungen, wie die Filiale zu führen ist. 90 Prozent sind überzeugt, dies steigere Engagement und Zufriedenheit, 74 Prozent erwarten davon ein besseres Kundenerlebnis und 81 Prozent mehr Innovation. Einschränkend befürchten 58 Prozent eine Überforderung der Mitarbeiter.

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Voraussetzung für mehr Selbstbestimmung in agilen Prozessen ist allerdings der einfache Zugang zu digitalen Tools, mit denen die Abläufe gesteuert werden. Doch was bei Büroangestellten normal ist, kann im Verkauf zur Herausforderung werden. Deshalb rät der Cloud-Experte Martin Schlewitt von Q-beyond dazu, die Filialen durch Prozessoptimierung mit Apps agiler zu machen. "Marktmitarbeiter sollten am Wissen des Unternehmens teilhaben", sagt er. Das kann der digitale Zugang zu Produkt- und Preisinformationen, Omnichannel-Kanälen, Unternehmens-News sowie Personal- und Organisationsprozessen sein. Die Modernisierung der Filialen müsse unbedingt die digitale Anbindung der dort Beschäftigten beinhalten. Wichtig: Die Anwendung muss intuitiv und nicht k omplizierter als bei Whatsapp sein.
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Thomas Klein, Leiter Personal und Organisation beim bayerischen Schuh- und Sportfilialisten Mücke (17 Standorte, 765 Mitarbeiter, davon 700 in Filialen und Logistik), sieht die Chancen: "New Work ist ein pragmatisches Mittel zur effizienten Steuerung", stellt er fest. Seit einigen Jahren treibt er die digitale Anbindung der Beschäftigten bei diversen Prozessen voran. Dazu gehört auch die Personaleinsatzplanung.

Sein Grundprinzip: "Mobile first!" Denn Klein hat sich zunutze gemacht, dass nahezu jeder Beschäftigte ein Smartphone besitzt und immer bei sich trägt. Über die App eines Workforce-Management-Systems können die Beschäftigten autonom ihre Arbeitszeit bestimmen – natürlich basierend auf einigen Grundregeln, wann und wo wie viele Mitarbeiter mit welchen Kompetenzen benötigt werden. Schon beim Test in einer Filiale hat Klein festgestellt: "Das funktioniert richtig gut und ist eine enorme Arbeitserleichterung." Eine digitale Tauschbörse macht auch nachträgliche Änderungen einfach. Nur gelegentlich und bei kurzfristiger Krankheit müsse nachgesteuert werden. Keine Frage, dass das Konzept im ganzen Betrieb ausgerollt wurde. Auch die Teilnahme an Schulungen wird per App selbstbestimmt organisiert und durchgeführt. "Mitarbeiter wollen nicht verplant werden", weiß Klein und freut sich über die Bestätigung seines Mottos in der Praxis: "Gute Laune, gutes Geschäft!"

















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