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Fressnapf-Campus steht vor Totalumbau

Fressnapf Holding SE/ CBRE
Design unterstützt Funktion: Viel Grün belebt den Austausch, die Unterwasserwelt beflügelt das Abtauchen am Schreibtisch. Und Hunde werden immer mitgedacht.
Design unterstützt Funktion: Viel Grün belebt den Austausch, die Unterwasserwelt beflügelt das Abtauchen am Schreibtisch. Und Hunde werden immer mitgedacht.
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Fressnapf-Campus steht vor Totalumbau
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In der Fressnapf-Zentrale wird sich in den nächsten Monaten viel verändern. Nicht Corona ist der Auslöser, sondern die Neuorganisation der Arbeit. Bald geht die erste Testfläche für Mensch und Hund an den Start. Florian Hage verrät mehr.

Wie man Büroflure wiederbelebt und gleichzeitig dem Wunsch nach mobiler Arbeit Rechnung trägt, beschäftigt derzeit viele Unternehmen. "Umbaupläne hatten wir aber schon vor der Coronakrise", erklärt Florian Hage, der in der Stabsstelle Unternehmensstrategie und Organisationsentwicklung die Einheit Future Work leitet. Auslöser sei das Pet-Ökosystem gewesen, mit dem Fressnapf sich strategisch vom Versorger zum Umsorger entwickeln möchte durch Rundumservice für Tiere in den Märkten. "Stellt man die Kundenbedürfnisse mehr in den Mittelpunkt, ändert sich auch die Arbeitsweise in der Zentrale", erläutert Hage. Früher seien Themen von einzelnen Bereichen getrieben und verantwortet worden wie etwa der Cross-Channel-Service von Logistik und IT. "Heute bilden wir sogenannte Product-Teams und besetzen diese exklusiv mit Mitarbeitern aus ganz unterschiedlichen Bereichen", so Hage. "Crossfunktional haben wir auch früher schon gearbeitet, aber man hatte immer noch das Tagesgeschäft im Heimatteam zu erledigen."

Florian Hage: Leiter der Einheit Future Work
Privat
Florian Hage: Leiter der Einheit Future Work

Der neuen Arbeitsorganisation sollten neue Arbeitswelten folgen. "Dann kam Corona. Von jetzt auf gleich hatten wir einen Paradigmenwechsel auf Remote. Das war eine neue Herausforderung, die die IT durch das schnelle Ausrollen von mobilen Endgeräten und Microsoft Teams unterstützt hat." Insofern wurde das Product-Team "Digital Workplace" zum ersten Ergebnis der Neuausrichtung.

Das Timing hätte nicht besser sein können, glaubt Hage, denn so sei die neue Rolle der virtuellen Arbeit gleich mit in die Planung geflossen. Ende 2020 wurde die Einheit Future Work gegründet. Seit Februar widmet Hage dem Projekt 100 Prozent seiner Zeit. Weitere 20 bis 40 Kollegen sind mit wechselnder Intensität involviert.


"Wir hatten schnell die Erkenntnis, dass Corona kein temporäres Phänomen ist, sondern langfristig die Landschaft prägt." Also habe Fressnapf im Juni intern eine umfangreiche Umfrage gestartet, um die Mitarbeiter an der Transformation zu beteiligen: "Es ging um den Arbeitsplatz und die Arbeitsprozesse: Wir fragten bewusst nicht, ‚was brauchst Du?‘, sondern, ‚wie arbeitest Du? Kollaborativ, mit welchen Abteilungen, von wo aus? Telefonierst Du viel? Arbeitest Du vertraulich? Brauchst Du Aktenschränke? Wieviele Home-Office-Tage wünschst Du Dir? Was sind Deine Wohlfühlfaktoren?‘" Die Rücklaufquote von über 70 Prozent habe sehr konkret die Bedürfnisse der Mitarbeiter widergespiegelt.

Fressnapf Holding SE/ CBRE

So sei der durchschnittliche Wohlfühlfaktor von drei Tagen im Home-Office und zwei Tagen im Büro Basis für Mobilarbeit bei Fressnapf geworden. "Aus den Umfragedaten haben wir in Design Thinking Workshops vier Arbeitsstil-Personas abgeleitet mit einigen Untervarianten." So werde im Bereich Marketing typischerweise anders gearbeitet als im Recht, aber den Typ "präsent, wenig digital, sehr konzentriert" könne es in beiden Bereichen geben. "Die Umfrage hat uns geholfen, herauszufinden, welchen Anteil die Arbeitsstile haben, um die richtige Arbeitswelt für jeden Bereich zu designen."

Mit einem strategischen Partner für Innenarchitektur und Workplace Consulting, der Beratung CBRE, wurden im Juli aus den Ergebnissen 14 Raummodule abgeleitet: Angepasst an die Arbeitsstile, aber auch allgemeine Anlässe wie Ruheräume, Räume für Spiel und Spaß und UX-Labore. Zum Beispiel HR: Im Recruiting gibt es Räume für Vieltelefonierer, Personalgespräche finden in vertraulicher Umgebung statt und Meetingräume braucht es auch. Als Designsprache wurden Themen- und Tierwelten gewählt. "Nach und nach haben wir mit dem Umgestalten angefangen. Es ist eine Operation am offenen Herzen, denn wir bauen den Campus im Normalbetrieb um."

Future Work habe nämlich noch ein Zweites gemacht: "Aus der Frage: Wer arbeitet mit wem, haben wir Erkenntnis darüber gewonnen, welche Bereiche aufgrund ihrer Workflows idealerweise dichter beieinander sitzen sollten." Hage ist sich sicher, dass der crossfunktionale Austausch durch die Anpassung der Büronachbarschaften an natürliche Arbeitsschnittstellen wächst. "Wir wollen unseren Mitarbeitern jetzt und in Zukunft ein einmaliges Arbeits- und Kulturerlebnis bieten: Die Arbeitswelt soll ihren Aktivitäten entsprechen, so dass sie keine Kompromisse machen müssen aufgrund der Umgebung."

Fressnapf Holding SE/ Yvonne Ploenes

Und dann kamen die Hunde ins Spiel: Fressnapf hat in Krefeld nämlich nicht nur 1 000 Mitarbeiter, sondern auch 200 Bürohunde. "Sie gehören zur Office-Kultur, helfen uns auch, die richtigen Talente anzuziehen im großen Wettbewerb". Sie haben eine große Rolle gespielt beim Bürodesign. "Wir haben 500 Feedbacks nur zum Thema Hunde bekommen. Deshalb ist unser Projekt auch bundesweit einmalig", ist Hage überzeugt. "Hunde am Arbeitsplatz muss man auf vielen tausend Quadratmetern orchestrieren, denn wenn wir von der Zellen- zur Großraumstruktur gehen, ist das auch für das Tier ein Paradigmenwechsel." Also hat Future Work in die Büroplanung auch Hundehalter, Hundepsychologen und -coaches involviert. "Sie helfen uns, das Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Hund, Hunden untereinander sowie Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern zu entschlüsseln." Ein Beispiel: "Durch sinnvolle Innenarchitektur im Open-Office kann man die Sichtachsen von Hunde durchbrechen, aber auch den Menschen tut das gut. Wir haben also in zwei Ebenen gedacht und die Räumlichkeiten 3D-simuliert."
Ende des Jahres geht nun die erste Erlebnisfläche mit 14 Raummodulen live. Sie bietet auf 800 qm rund 100 Arbeitsmöglichkeiten und Hundeplätze. "Das ist ungefähr ein Zehntel unserer Fläche. Wir möchten unser Konzept verproben. Alle Bereiche dürfen zwei oder drei Wochen lang hier arbeiten." Das Feedback sei wichtig: Trägt das Gesamtkonzept? Reichen die Raumtypen? "Unsere Überzeugung: Konzentriert Arbeiten kann man auch im Home-Office. Socializing, Wellbeing und Kollaboration aber werden am Campus deutlich mehr Gewicht haben als vorher."
„Fressnapf möchte der beste Arbeitgeber der Branche werden“
Torsten Toeller

Welchen wirtschaftlichen Nutzen erhofft sich das Unternehmen? "Es ist eine Rieseninvestition in die heutigen und zukünftigen Mitarbeiter", sagt Hage. Gleichzeitig brauche Fressnapf die Veränderung für das neue Ökosystem. Sie werde Informationsflüsse, Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit verbessern. "Man muss sich kennen, um sich Hilfe anzubieten, zusammen Probleme zu lösen und Innovationskraft zu entfalten."

Mehr Leben in der Zentrale gehört natürlich auch zu den Zielen. "Unser Campus wird deutlich attraktiver und auch funktional aufgewertet. Trotzdem entscheiden die Mitarbeiter, wann sie kommen", sagt Florian Hage. Fressnapf sei ein Unternehmen, das entschlossen agiert. "Wir haben den Anspruch, eine Blaupause zu entwickeln, die auch für andere Unternehmen attraktiv und interessant ist." Der Gründer und Inhaber von Fressnapf, Torsten Toeller, drückt es noch ambitionierter aus. Seine Maxime: "Wir wollen bester Arbeitgeber der Branche werden."



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