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Rekrutierung

Endlich wieder Präsenz-Bewerbertage

Entrepreneurs Club
Persönlicher Austausch: Für Aussteller wie Absolventen ein Anlass zur Freude nach zwei Jahren Pandemie.
Persönlicher Austausch: Für Aussteller wie Absolventen ein Anlass zur Freude nach zwei Jahren Pandemie.
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Endlich wieder Präsenz-Bewerbertage
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Der persönliche Kontakt zu Bewerbern lockte nach über zwei Jahren Pause Bahlsen, Tönnies, PreZero, Storck, Heristo, Dr. Wolff und Haribo zum 25. Karrieretag nach Bielefeld. Das Bauunternehmen Goldbeck trommelte als Gastgeber selbstbewusst für die Vorzüge von Familienunternehmen.

Familiengeführte Unternehmen aus Ostwestfalen sind bei Hochschulabsolventen nicht unbedingt die erste Wahl. Deshalb warb Gastgeber Jan-Hendrik Goldbeck zu Beginn des Karrieretags für diese Spezies. "Wir laufen nicht irgendwelchen Quartalszahlen hinterher, sondern wollen unsere Unternehmen enkelfähig machen." Anders als bei Konzernen seien geschäftliche Interessen, Haftung und Emotionen immer an den gleichen Personenkreis geknüpft, die Gesellschafter. "Also müssen Sie sich damit anfreunden, langfristig mit uns Vorlieb zu nehmen", wandte sich der Familienunternehmer in lässig kariertem Anzug und weißen Turnschuhen an die rund 650 Bewerber. Das Wort Leistungsbereitschaft habe er entgegen der Empfehlung seiner Marketingagentur, die in Zeiten des Fachkräftemangels keinen Bewerber vergraulen möchte, nicht aus den Karriereseiten gestrichen. "Wir verstehen Leistung im Sinne von, sich einsetzen und Erfolg haben in einem Klima, das Spaß macht".

Mehr als zwei Jahre lang fielen Recruitingmessen aus. Dadurch geriet die Veranstaltung zu einem Seismograph für Talentgewinnung nach der Pandemie. "Wir haben es mit einer sehr aufgeklärten, gut informierten Generation zu tun, die sich mit ihren Optionen beschäftigt", beschreibt Dr. Christian Mestwerdt, Geschäftsführer bei Alpecin-Anbieter Dr. Wolff die Herausforderung.

Aus 1 800 Bewerbungen von Absolventen hatten die Veranstalter 650 nach den Wünschen der 54 Aussteller herausgefiltert, die Hälfte davon mit MINT-Studium. Dies ist ein guter Indikator für die Besetzungswünsche der Unternehmen auf dem Event der Stiftung Familienunternehmen und des Entrepreneurs Clubs. Mehr als sonst kamen aus der Konsumgüterindustrie.

"Wir sind das allererste Mal dabei", erklärte Julia Stronz, HR-Referentin bei Tönnies. "Hier sind Leute, die Interesse haben", lobte sie das Messekonzept. "Aus den Bewerbern konnten wir selbst die passenden Kandidaten auswählen." Gesucht werde Unterstützung für IT, HR, Finanzbuchhaltung und Controlling. Da nicht jeder diese Jobs mit dem größten deutschen Fleischverarbeiter in Verbindung bringe, setze sie auf Bewerber aus der Region, die Tönnies kennen.

"Ich freue mich sehr, dass wir uns endlich wieder präsentieren können," sagte Christian Effenberger, HR-Direktor bei Bahlsen. Die starke Marke wecke das Interesse der Bewerber. Im zweiten Schritt komme schnell die Frage nach der Kultur, der Besonderheit von Bahlsen. Nähe, Verbundenheit und Verbindlichkeit machen für ihn, der sowohl Konzern als auch Familienunternehmen von innen kennt, die Arbeit im Unternehmen aus. "Lange Tradition, frisch im Handeln." Obwohl das Stammhaus in Hannover wunderschön sei, biete man Pendlern die Option, 50 Prozent mobil zu arbeiten. Die "Welcome back weeks" mit Highlights wie Barbecue auf der Dachterrasse sollen aktuell Zusammenkünfte nach der Pandemie fördern.
„Wir haben es mit einer sehr aufgeklärten, gut informierten Generation zu tun, die sich genau mit ihren Optionen beschäftigt“
Christian Mestwerdt, Dr. Wolff

Storck kann bei Jobs in Marketing und Vertrieb mit dem hippen Standort Berlin glänzen, doch Ingenieure, ITler und Betriebswirte werden auch am Standort Halle/Westfalen gesucht. "Der Fachkräftemangel ist auch bei uns angekommen. Wir haben daher Recruiting-Spezialisten für Active Sourcing eingestellt, um proaktiv auf die richtigen Kandidaten zuzugehen", verriet Birte Schmitz, Teamleiterin HR in Halle. Storck ziehe diese individuelle Ansprache externen Matching-Dienstleistern vor. Die Betriebsvereinbarung Mobilität sei schon durch: Jeder Bereich dürfe nun selbst entscheiden, wie viele Anwesenheitstage Pflicht sind.

"75 zu 25" gibt die Dr. Wolff Gruppe seit dieser Woche als Marschrichtung für mehr Präsenz aus. "Die Mitarbeiter müssen sich treffen können", ist Christian Mestwerdt überzeugt. Wie solle ein wachsendes Unternehmen, bei dem in den letzten vier Jahren fast 50 Prozent der 800 Mitarbeiter neu an Bord gekommen sind, sonst seine Kultur vermitteln? Um die erklärungsbedürftigen Produkte in 22 Ländern zu vermarkten, hat allein die Einheit zur Kreation, Distribution und Analyse digitalen Contents, e-Wolff, von 4 auf 40 Mitarbeiter aufgestockt. Gibt es diese Profile am Standort Bielefeld? "Die Netzwerke unserer Mitarbeiter sind eine wichtige Pipeline", antwortet Mestwerdt, "und wir bieten sehr viel". Dazu gehöre eine Kultur, die eher hinterfragt, anpasst und anders macht als vorgibt, eine coole Loftetage für die e-Wölffe, ein Betriebsrestaurant mit eigenen Köchen und die Verfügbarkeit von Profi-Rennrädern. Denn Dr. Wolff sponsort das Profi-Radsport-Team Alpecin-Fenix, das sogar die Tour de France fährt. Für Absolventen wurde im letzten Jahr ein Traineeprogramm neu aufgelegt, für interessierte Studenten "Meet the CEO". Dieser Workshop mit Kaminabend werde wiederholt. "Wir wollen anfassbar sein", sagt Mestwerdt. Dass er selbst auf der Messe Gespräche führt, ist ein Beleg dafür. Wie schwer greifbar umgekehrt die Bewerber sind, zeigte, dass etliche Aussteller ausgefallene Gesprächstermine beklagten.



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