HR in Krisenzeiten : Nachhaltigkeit kommt in ...
HR in Krisenzeiten

Nachhaltigkeit kommt in der Personalarbeit an

Fotos (v.l.n.r.): C. Lattmann; Gerd Hanke; NDAB Creativity/Shutterstock; K. Schilling
Engpassfaktor Personal: Unverzichtbar sind ein gutes Arbeitsumfeld, faire Bezahlung, Gleichberechtigung, Homeoffice-Regelung
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HR in Krisenzeiten
Nachhaltigkeit kommt in der Personalarbeit an
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Die Schönwetterzeiten sind vorbei, in denen Kulturwandel und New Work die Top-Themen waren. Mit einem Aber: In Krisenzeiten machen sich zufriedene, gut geführte Mitarbeiter erst recht bezahlt.

Es hätte alles so schön sein können: Mit einem Ausblick auf "Personalarbeit nach der Pandemie" startete unser Ressort 2022 in das neue Jahr. Klar war, dass der Fachkräftemangel und hybrides Arbeiten herausfordernd bleiben würden für die sich erholende Wirtschaft. Nicht klar war, dass nur wenige Wochen später mit dem Angriff auf die Ukraine eine Kette von Ereignissen losgetreten würde, die viel geschäftliche Sicherheit hinfortgefegt hat. Immerhin: Zusammenhalt und Haltung hat sie gestärkt. Schnell halfen Unternehmen mit Ukraine-Präsenz ihren Mitarbeitern bei der Flucht in den Westen, viele organisierten Laster voller Sachspenden oder Geld. Erste Jobbörsen wurden speziell für die Ukrainer kreiert. Wie man die mittlerweile 1 Million Kriegsflüchtlinge gut in den Arbeitsmarkt integriert, wenn sie bleiben möchten, wird uns auch 2023 beschäftigen.
Purpose im Praxistest bot Unternehmen die Frage, ob sie weiterhin in Russland produzieren und verkaufen dürfen. Das wurde auch intern bei Henkel, Ritter Sport, Metro oder Globus heiß diskutiert. Was folgte, war der oft kostspielige Rückzug der meisten Firmen aus dem Land.
„Für uns ist Kulturwandel nicht nice-to-have, sondern Kern der Transformationsfähigkeit“
Sebastian Klauke, Otto Group


Das "Karussel im Kopf" hat sich seitdem nicht verlangsamt: Die neu gewählte Bundesregierung beschloss Ende Februar, den neuen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro im Oktober einzuführen. Die Tatsache, dass die hohe Zahl von mehr als 6 Millionen Menschen betroffen war, hat die Diskussion um das Lohngefälle zwischen Gut- und Niedrigverdienern, Ost- und Westdeutschland befeuert. Fressnapf und dm zogen die Anhebung des internen Mindestlohns auf 12 Euro bereits im April vor, um konkurrenzfähig auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben. Amazon ging auf 13 Euro internen Minimalstundenlohn, Lidl und Aldi und Norma toppten das mit 14 Euro. Die Branchenverbände HDE und NGG warnten die Politik vor dem "Anpassungsdruck", der von Fachkräften ausgeht, die nahe dem Mindestlohn verdienen. Nun ist er da. Zur Unzeit: Mit zehn Prozent Inflation hat im Februar noch keiner gerechnet.

Viele Unternehmen kämpfen mit Warenverknappung, explodierenden Energiekosten und sinkender Konsumlaune um ihre Existenz. Galeria Karstadt Kaufhof gerät erneut ins Taumeln, sogar Amazon nimmt Massenentlassungen vor. Dabei ist Personalabbau die schlechteste Option beim Kosten sparen, wissen kluge Personaler, denn der demographische Wandel reißt nachhaltige Lücken am Arbeitsmarkt. Wer mühsam rekrutierte IT-Kräfte, Metzger oder Verkäufer entlässt, wird sie so schnell nicht wiedergewinnen. 2035 könnte in der mäßig beliebten FMCG-Branche jede dritte Stelle vakant sein, zeigt eine PwC-Prognose. Schon jetzt ist der Handel die am stärksten suchende Branche, offenbart der BAP-Jobmonitor vom November.

Wie man Mitarbeiter besser führt, entwickelt und damit bindet, gehört dringend auf die Agenda jedes nachhaltig denkenden Personalers. Rewe und Ikea nehmen dabei mit speziellen Programmen Beschäftigte jeden Alters in den Blick, nicht nur begehrte Einsteiger. Dass quer durch alle Generationen weniger Hierarchie und mehr Einbindung gewünscht ist, können Firmen für sich nutzen, indem sie mehr kluge Köpfe in ihr Krisenmanagement einbinden: "Für uns ist Kulturwandel nicht nice-to-have, sondern Kern der Transformationsfähigkeit, machte kürzlich Otto-Bereichsvorstand Sebastian Klauke deutlich.



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