Rückkehr ins Büro nach Covid: Hybride Arbeit ...
Rückkehr ins Büro nach Covid

Hybride Arbeit wird total normal

Raum für Begegnung: Die neue Unilever-Zentrale in Hamburg wartet auf die Rückkehr der Beschäftigten.
Raum für Begegnung: Die neue Unilever-Zentrale in Hamburg wartet auf die Rückkehr der Beschäftigten.
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Rückkehr ins Büro nach Covid
Hybride Arbeit wird total normal
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Corona wird die Arbeit in Handel und Industrie dauerhaft verändern. Rewe, einige Edeka-Regionen, Lidl, Fressnapf, Nestlé, DMK, Henkel und Unilever übertragen ihre Corona-Erfahrungen in den Alltag der Zukunft.

Seit März 2020 ist es sehr ruhig auf den Fluren der Unternehmen. Jetzt wird die Rückkehr der Menschen vorbereitet. Doch wieviel Homeoffice ist weiterhin möglich? Wieviele Vorgaben sind nötig? Wie muss hybride Arbeit organisiert werden, damit die Reibungsverluste gering sind? Fragt man die Mitarbeiter, wünschen sich die meisten flexible Angebote ohne Verpflichtungen, versteht sich. Auf Unternehmensseite könnte man vermuten, dass die baldige Rückkehr zur alten Ordnung mit weit verbreiteter Anwesenheitspflicht erwünscht wäre, da es interne Prozesse und Absprachen vereinfacht. Ein Rundruf der LZ in der Branche zeigt ein anderes Bild: Viele Händler und Hersteller sehen die Flexibilisierung als Schritt in die Arbeitswelt der Zukunft, der, von der Digitalisierung angetrieben, auch die Attraktivität als Arbeitgeber steigert. Bei einigen Unternehmen treiben auch die Modernisierung oder der Neubau der Zentralen den kulturellen Wandel voran.

"We:hybrid" nennt sich ein Team von Unilever-Mitarbeitern, das in den kommenden Monaten anpassbare Prototypen für ein individuelles und gemeinsames Arbeiten im physischen und virtuellen Raum entwickeln und testen soll. Ziel ist es, beide Arbeitswelten alltagstauglich zu verbinden. Eigentlich hatte der Konzern 2020 gerade erst neue Räumlichkeiten bezogen. Allerdings hat nur ein Teil der Belegschaft diese bereits als Arbeitsort erfahren. Zwar vermissen Viele persönliche Begegnungen und soziale Kontakte, dennoch will man in Zukunft vermehrt auf digitale Formate und Kommunikation setzen, denn "die Mitarbeitenden haben die Flexibilität der Homeoffice-Lösung zu schätzen gelernt".

Fester Bestandteil

"Hybrides Arbeiten wird ein fester Bestandteil unserer neuen Arbeitsweise sein", versichert auch Ralf Hengels, Personalchef bei Nestlé. Der Konzern fixiert bereits langfristige Rahmenbedingungen, die auch dauerhaft nach dem Umzug des Hauptsitzes in die Frankfurter Innenstadt 2024 gelten. "Wir haben entschieden, dass unsere Teams zukünftig rund 50 Prozent auch von zu Hause aus arbeiten können. Hierfür entwickeln wir maßgeschneiderte Konzepte, die wir in unser neues Nest mitnehmen werden."

Bei Henkel hat man jüngst festgelegt, dass Meetings standardmäßig virtuell abgehalten werden. Für eine bessere Meeting-Kultur insbesondere bei hybriden Events, soll es Trainings geben, erklärt Lucas Kohlmann, Global Head HR Strategy. Weltweit können die Teams bis zu 40 Prozent mobile Arbeit verabreden, so der Rahmen des Smart-Work-Konzepts.

dm-Neubau

dm-Drogeriemarkt hat das nach New-Work-Prinzipien neu gebaute "Dialogicum" bereits Mitte 2019 eröffnet. Dazu gehören Desksharing, technische Ausstattung und flexible Arbeitsorte. Mit verpflichtenden Vorgaben, wer wann wo arbeiten soll, hält sich das Unternehmen zurück: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Kolleginnen und Kollegen selbst sehr gut einschätzen können, wo und wie die Aufgaben am besten erledigt werden", sagt Christian Harms, dm-Geschäftsführer für das Ressort Mitarbeiter.

Bei der Rewe Group hat man sich im Rahmen der Digitalisierungsstrategie bereits mit mobiler Arbeit befasst. "Derzeit finalisieren wir die Projekte in Abstimmung mit dem Betriebsrat", erläutert Sprecher Andreas Kramer. Es steht das Angebot von zwei flexiblen Homeoffice-Tagen zur Orientierung für den Normalbetrieb im Raum, verbunden mit einer Umnutzung der Büroflächen. Über die tatsächliche Umsetzung wird in den jeweiligen Bereichen entschieden. "Starre Regelungen widersprechen hier unserem Verständnis von mobilem Arbeiten", stellt er klar.

Wenn nicht mehr für jeden Beschäftigten an fünf Tagen die Woche ein Arbeitsplatz vorgehalten wird, kann das Kosten sparen. Für die bessere Planbarkeit, müssen sich die Mitarbeiter beim Deutschen Milchkontor entscheiden: Kommen sie selten, weniger als drei Tage, mindestens drei Tage oder jeden Tag? Dementsprechend wird ein fester oder flexibler Platz für sie eingeplant.

Jeder mit eigenem Schreibtisch

Wenn Edeka Rhein-Ruhr voraussichtlich im Herbst die neue Zentrale bezieht, soll dagegen für jeden Mitarbeiter ein eigener Schreibtisch vorhanden sein. Dort hat man sich im Vorfeld bewusst gegen ein komplett flexibles Bürokonzept entschieden. "Wir wollen den Leuten einen Hafen bieten. Das geht nicht, wenn man ständig den Arbeitsplatz wechseln muss", erklärte Regionschef Dirk Neuhaus im Mai gegenüber der LZ. Wir sind ein Unternehmen, das vom persönlichen Austausch lebt." Er setzt darauf, dass die attraktiven neuen Räumlichkeiten magnetische Wirkung erzielen, "ein Ort, an dem man gerne zusammenarbeitet".

Auch Edeka Minden-Hannover bereitet den Neubau einer neuen Dienstleistungszentrale vor, die 2024 bezogen werden soll. Die aktuellen Erfahrungen mit mobiler Arbeit fließen in die Planung ein. Aktuell läuft deshalb ein Pilotprojekt in einzelnen Abteilungen, in dem die Erfahrungen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu diesem Arbeitsmodell gesammelt werden.
Homeoffice to go
Trennung von Arbeit und Privatleben: Zuhause konzentriert arbeiten.
office cube

Wenn Homeoffice den Alltag erreicht, brauchen Beschäftigte statt der Notlösung am Küchentisch attraktive Heimarbeitsplätze. Das niederländische Unternehmen Office Cube bietet flexibel im Garten oder in großen Räumen platzierbare Büros als Designer-Würfel. Für 20  000 bis 30  000 Euro sind verschiedene Größen und Ausstattungsvarianten im Angebot. Unternehmen können die Bürowürfel ähnlich wie Firmenwagen per Leasing oder Mietkauf finanzieren.


Bei Fressnapf gab es schon vor Corona die Möglichkeit, zwei Tage pro Woche im "Flexible Office" zu arbeiten. Aktuell werden Arbeitsweisen und Kommunikationswege analysiert und das Raumkonzept angepasst. Im Bereich Ware gibt es nun statt klassischer Zellenbüros einen Open Space mit Clean-Desk-Policy und Buchungs-App.

Die neue Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen hält für jeden Angestellten einen festen Arbeitsplatz vor. Der Discounter bietet dort zudem reichlich Service, den man als Anreiz verstehen kann, das Büro den privaten vier Wänden vorzuziehen: Neben moderner Einrichtung mit höhenverstellbaren Schreibtischen und neuster technischer Ausstattung gibt es Restaurants, ein Fitness-Studio, Kinderspielecken und einen Paketservice für Privates. Und wer seine Wäsche beim Reinigungsdienst abgibt, kann sie sauber wieder mit nach Hause nehmen. Doch auch die Schwarz-Gruppe wird sich von der Anwesenheitspflicht verabschieden und die Erfahrungen aus der Corona-Zeit in die künftige Arbeitskultur integrieren. Sobald die aktuelle Übergangszeit in den Normalbetrieb mündet, dürfen die Büro-Beschäftigten – von einigen Ausnahmen abgesehen – ihren Arbeitsort innerhalb Deutschlands an bis zu zwei Tagen pro Woche frei wählen, kündigen Personalvorstand Dirk Barnard und Carsten Theurer, Vorstandsvorsitzender Schwarz Dienstleistungen, in einem internen Papier an. Abgestimmt werden die Details mit der jeweiligen Führungskraft. Und bei wichtigen Terminen haben die Anforderungen der Arbeit selbstverständlich Vorrang vor etwaigen persönlichen Prioritäten.



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