Trendence Barometer: Nachwuchs mag systemrele...
Trendence Barometer

Nachwuchs mag systemrelevante Jobs

Jacob Lund/Stock Adobe.com
Der LEH bietet Sicherheit: Im Corona-Jahr haben junge Menschen erfahren, dass es „entbehrliche“ Jobs gibt.
Der LEH bietet Sicherheit: Im Corona-Jahr haben junge Menschen erfahren, dass es „entbehrliche“ Jobs gibt.
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Nachwuchs mag systemrelevante Jobs
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Die Pandemie verändert die Karrierepläne junger Menschen. Welche Arbeitgeber handelsaffine Schul- und Hochschulabgänger bevorzugen, zeigt eine Sonderauswertung des Trendence Instituts für die LZ.

Die Berufsorientierung ist für den Nachwuchs im Corona-Jahr besonders herausfordernd. Die Krise hat den Blick von Schülern und Studierenden auf ihren potenziellen ersten Arbeitgeber verändert. Und obwohl Besserung in der deutschen Wirtschaft allmählich sichtbar wird, empfindet die Jugend aktuell noch mehr Zukunftsangst als andere Berufstätige. Die Frage, "bin ich entbehrlich?", hat es auf ganze Berufsgruppen und Branchen bezogen vor Corona noch nicht gegeben.

Das Trendence Schülerbarometer sowie das Ranking der Wunscharbeitgeber von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften spiegelt das Bedürfnis nach Sicherheit. Systemrelevanz beeinflusst die Entscheidungen. "Viele assoziieren damit auch den Handel", sagt Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah. Das Image der Branche profitiert insgesamt. An der Zahl potenzieller Bewerbungen bei einzelnen Handelsunternehmen lässt sich dies dennoch nicht unbedingt erkennen.

Betrachtet man die Sonderauswertung des Schülerbarometers für die LZ, bei dem nur die Arbeitgeberwünsche derjenigen berücksichtigt werden, die bevorzugt in den Handel wollen, scheinen die meisten Händler im Ranking abzurutschen. Selbst bei Schülern beliebte Ausbilder wie Ikea, Fressnapf, Aldi Süd, Mediasaturn, Rossmann oder Lidl haben im Vergleich zu allen Arbeitgebern Punkte eingebüßt. Dieses Phänomen erklärt Ullah allerdings damit, dass manche anderen Bereiche sehr stark zulegen konnten: Überporportional viele junge Menschen streben zurzeit beispielsweise in den öffentlichen Dienst. Und auch Arbeitgeber wie die Polizei oder Bundeswehr sowie die Deutsche Bahn, die trotz Krise intensives Personalmarketing betrieben haben, konnten das Interesse sehr vieler auf sich ziehen.

Die bei Schülern beliebtesten Handelsunternehmen heißen in diesem Jahr Thalia, Douglas und dm-Drogeriemarkt. Der Buchhändler Thalia hat es neu ins Ranking geschafft und sich direkt an die Spitze gesetzt. Im Food-Bereich folgen ab Rang 8 Rossmann, Aldi Süd und Edeka, wobei sich die Blaugelben deutlich nach vorne arbeiten konnten. Das zielgruppenorientierte Ausbildungsmarketing über Social Media scheint bei der Zielgruppe angekommen zu sein.


Auch Aldi Nord konnte bei den potenziellen Azubis gewinnen. Das Image des Handels als systemrelevante Branche kann insgesamt profitieren. "Wir stellen fest, dass Bereiche, die in den vergangenen Monaten verstärkt in den Medien waren, die Arbeitgeberwahl deutlich beeinflussen", beobachtet Ullah. Beispielsweise habe Aldi viel öffentliche Aufmerksamkeit durch die Übernahme von McDonald-Mitarbeitern bekommen, was sich positiv auf die Bewerberlage auswirkt.

Ein solcher Effekt zeigt sich anschaulich beim RKI-Institut, das vor Corona in der Zielgruppe wenig bekannt war, infolge der allgegenwärtigen Covid-Kommunikation aber als Bewerbungsziel kräftig zulegen konnte. Durch die natürliche Präsenz setzen sich Unternehmensnamen in den Köpfen fest – aktuell wirkt sich das bei der Berufsorientierung stärker aus als zu normalen Zeiten. Denn Kontaktmöglichkeiten wie Berufsmessen sind ausgefallen oder haben nur digital stattgefunden. Auf praktische Erfahrung durch Berufspraktika musste die Jugend ebenso verzichten.

E-Commerce-Unternehmen spielen für Schüler keine große Rolle. Ganz anders sieht es bei Wirtschaftsstudenten aus: Abermals ist Amazon mit Abstand der beliebteste Handelsarbeitgeber. Im Vergleich zu allen Unternehmen aller Branchen hat der Online-Riese sich dabei noch von Rang 13 auf 7 vorgearbeitet. Dahinter folgen Aldi Süd und Zalando gleichauf. Während Amazon von 6,3 Prozent der Absolventen eine Bewerbung bekommen würde, schicken noch 2,3 Prozent ihre Unterlagen zu Aldi Süd oder Zalando. Kaufland erreicht im reinen Handelsvergleich Rang 15, was aber im Wettstreit aller Unternehmen Position 102 entspricht. Das bedeutet, das gerade noch 0,5 Prozent der Wirtschaftsstudenten sich dort bewerben würden.


Die Top-5 Wunschziele unter den Konsumgüterherstellern (das Ranking finden Sie in LZnet) sind bei branchenaffinen Studierenden Adidas, L‘Oreal, Nike, Redbull und Coca Cola. Es folgen die klassischen Markenartikler Ferrero, Unilever, Beiersdorf und Dr. Oetker. Auffällig sei in diesem Jahr allerdings, dass deutlich mehr Studierende den Wunsch haben, länger an der Uni zu bleiben, stellt Ullah fest. Sowohl Schüler als auch Absolventen fühlen sich infolge des Distanzlernens deutlich schlechter ausgebildet, zeigen die Trendence-Befragungen. Mit diesem "Bildungs-Gap" sollten sich Arbeitgeber beschäftigen, rät Ullah. Nicht nur Ausbildungs- oder Traineeprogramme sollten gegebenenfalls angepasst werden. Auch die Standard-Einstellungskriterien können sich infolge der Pandemie als realitätsfern erweisen: Wer Highpotentials einstellen möchte, die zum Beispiel auch Auslandserfahrung mitbringen, dürfte wenig Auswahl haben.



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