Was in Filialen verdient wird : Kununu zeigt...
Was in Filialen verdient wird

Kununu zeigt Gehaltsgefälle im Handel

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Gold für Hornbach: Laut Kununu bezahlt Baumarktbetreiber Hornbach Filialmitarbeiter besser als sämtliche Lebensmittelhändler.
Gold für Hornbach: Laut Kununu bezahlt Baumarktbetreiber Hornbach Filialmitarbeiter besser als sämtliche Lebensmittelhändler.
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Was in Filialen verdient wird
Kununu zeigt Gehaltsgefälle im Handel
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Mit Gehaltsangaben auf Kununu ist nicht jeder Händler glücklich. Verzerrt oder falsch seien sie. Dennoch zeigt der Vergleich Bewerbern, dass Baumärkte oft großzügiger sind als Supermärkte und eine dreijährige Ausbildung sich mancherorts kaum auszahlt.

Fast 30 000 Euro brutto im Jahr verdient eine Verkaufskraft bei Hornbach. Das sind rund 5 000 Euro mehr als im LEH bei Rewe, Aldi Nord oder Lidl. Auf weniger als 2 000 Euro brutto im Monat kommt, wer bei Fressnapf, Futterhaus oder Tedi anheuert. So das grobe Raster der Durchschnittsgehälter, die Kununu anzeigt. Ohne Zweifel wird noch viel in Bewegung kommen in diesem Jahr. Dafür sorgt die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns im Oktober. Wenn er kommt, profitieren nicht nur die Beschäftigten, die es über die 12-Euro-Schwelle zu heben gilt, sondern auch jene, die aufgrund ihrer Leistung und Erfahrung bereits um die 12 Euro verdient haben. Es mangelt an Fachkräften und wenn ein Händler zu wenig zahlt, riskiert er bleibende Lücken. 



Fressnapf hat schon reagiert und gerade angekündigt, bereits ab April mindestens 12 Euro pro Stunde zu zahlen. Andere werden folgen. Besser verhandeln können die Beschäftigten, wenn sie wissen, was sie bei der Konkurrenz verdienen könnten. Kununu bietet seine Dienste an: "Wir wollen erreichen, dass du und alle Kununu- Nutzer:innen euch in Sachen Gehalt informieren könnt, um euren Marktwert zu ermitteln, Gehaltsvorstellungen formulieren zu können und mehr", heißt es dort.

Die von Arbeitgebern eher ungeliebte Bewertungsplattform hat Ende 2019 ihren Gehalts-Check eingeführt: Seitdem können Nutzer anonym Auskunft über ihr Gehalt geben. Abgefragt wird das Jahresbruttogehalt auf Vollzeitbasis inklusive Sonderleistungen, die das Schwesterunternehmen der Business-Plattform Xing aber nicht genauer spezifiziert. Sind damit sowohl Corona-Prämien, Fahrtkostenzuschüsse als auch Weihnachts- oder Urlaubsgeld sowie Boni gemeint? Anders als in Reiseportalen wie Tripadvisor wird bei Kununu auch nicht aufgeschlüsselt, wer Auskunft gibt: Hat hier eine neue oder langjährige Mitarbeiterin ihre Gehaltsdaten eingestellt? Trägt sie viel Verantwortung oder arbeitet sie nur ein paar Stunden? All das bleibt im Dunkeln. Dennoch ergibt sich aus den vielen Datensätzen, mit denen die Handelsbranche glänzen kann, ein Bild für Bewerber.

In das LZ-Ranking haben wir die größten Lebensmittelhändler einbezogen, ergänzt um je zwei Bau- und Drogeriemärkte sowie Tierbedarfshändler. Edeka wird repräsentiert durch zwei Regionalgesellschaften.

Dass Hornbach und Obi ihr Verkaufspersonal besser als die großen Lebensmittelhändler bezahlen, dürfte zu den ersten Infos gehören, die nicht jeder hat. "Wir zahlen in allen Hornbach-Märkten freiwillig und flächendeckend mindestens den Tarifwert des jeweiligen Einzelhandelstarifs." Aufgrund der starken Teamleistung 2021 und den aktuell steigenden Lebenshaltungskosten gebe Hornbach sich 2022 "einen Handlungsrahmen, der über den Tarifabschlüssen liegt", erklärt Jochen Braun, der als Geschäftsleiter bei Hornbach auch für den Personalbereich verantwortlich ist. Die Mitarbeiter das familiengeführten Unternehmens bekommen Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie eine Erfolgsbeteiligung. Neben einer betrieblichen Altersvorsorge können sie jedes Jahr Belegschaftsaktien erwerben. Erfolg: In Deutschland beträgt die Betriebszugehörigkeit im Schnitt zehn Jahre.

Große Unterschiede zwischen den drei Jahre ausgebildeten Einzelhandelskaufleuten und dem unsortierten Pool der Verkaufskräfte im Einzelhandel spiegelt Kununu bei Hornbach nicht wieder. Dagegen macht sich bei Kaufland, Lidl, Netto und Globus die längere Ausbildung der Einzelhandelskaufleute gegenüber Verkäufern mit rund 4 000 Euro bezahlt. Edeka Minden-Hannover legt laut Tabelle nur 900 Euro drauf. Allerdings sind die Angaben aufgrund der genossenschaftlichen Struktur von vorneherein verwaschen: Die Regiemärkte zahlen Tarif plus Sonderleistungen wie Corona-Prämien und Boni. Doch der Großteil der Märkte wird von selbstständigen Kaufleuten geführt, die allein über die Bezahlung entscheiden. Bei Rewe ist das nicht anders: "Wir zahlen in den Filialen nach Tarif. Und auch der Bereich der Selbstständigen orientiert sich daran, was angesichts des stark verbreiteten Fachkräftemangels zwangsläufig ist", sagt ein Sprecher.

Die für ihre gute Bezahlung bekannten großen Discounter Aldi und Lidl sind bei Gehältern für Filialleiter deutlich oberhalb der 50 0000 Euro erste Liga. Bei Einzelhandelskaufleuten aber können laut Kununu-Chart Globus (29  300 Euro) oder Penny (28 600 ) durchaus mithalten. Aldi Süd zahlt 29 500, Aldi Nord 28 300 Euro. Bei Verkaufskräften laufen dm mit 26 900 Euro auf Platz 3 und Kaufland mit 26 100   Euro auf Platz 4 – Aldi Nord und Süd sogar den Rang ab.

Auch interessant: Glaubt man den über 100 Selbstauskünften auf Kununu, verdienen sowohl Filialleiter (48 600 Euro), Verkaufskräfte (25 600) als auch Einzelhandelskaufleute (28 600) bei Penny mehr als beim großen Bruder Rewe Markt. Man könne die Durchschnittswerte auf Kununu nicht nachvollziehen, heißt es bei Rewe: "Vermutlich ist hier ein starker Teilzeit-Anteil enthalten, der Vergleiche verschiedener Unternehmen unangemessen verzerren kann." Auch Lidl sieht die eigenen Gehaltsstrukturen nicht widergespiegelt auf Kununu. Lidl bezahle alle tariflichen Mitarbeiter übertariflich zuzüglich Urlaubs- und Weihnachtsgeld und habe bereits heute einen internen Mindesteinstiegslohn von 12,50 Euro. 
Dass es nicht nur aufs Geld ankommt, betonen vor allem die Arbeitgeber gern, die keine Spitzengehälter zahlen. Im Fall von Rossmann scheint das ein kluger Schachzug zu sein: Der Drogeriebetreiber hat mit 69 Prozent genauso eine Top-Weiterempfehlungsquote wie Lidl, obwohl Rossmann eher mittlere Gehälter zahlt. Auch Edeka Minden kommt bei der Gehaltszufriedenheit nur auf 48 Prozent, doch bei der Weiterempfehlungsquote belegt die Regionalgesellschaft mit 66 Prozent den zweiten Platz.



Zu motivieren gelingt auch Fressnapf nicht schlecht, obwohl wie bei Tedi und Netto die Gehaltszufriedenheit nicht durch ein grünes Lach-Smiley, sondern ein rotes Flunsch-Smiley dargestellt wird: 63 Prozent empfehlen den Händler weiter. Das ist ein guter Anfang, um "zum beliebtesten Arbeitgeber im Handel" zu werden, so das neuerdings selbstbewusst formulierte Ziel der Krefelder. Wohl auch deshalb möchte Jens Berger, Senior Vice President People, den Zustand beenden, lohnmäßig am unteren Ende der Fahnenstange zu sein.


Bei Aldi Nord verhalten sich allgemeine und Gehaltszufriedenheit genau umgekehrt zu Fressnapf: 67 Prozent sind mit ihrer Bezahlung happy, doch empfehlen nur 40 Prozent den Discounter als Arbeitgeber weiter. Für Aldi Nord ist diese Kununu-Schere nicht nachvollziehbar: "Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter wird auch durch die lange durchschnittliche Unternehmenszugehörigkeit bestätigt, die bei Aldi Nord eine der höchsten im deutschen LEH ist", erklärt Veit Bier, Managing Director Human Ressources bei Aldi Nord. "Viele der Beschäftigten bei Aldi Nord in Deutschland sind in der höchsten Tarifstufe eingruppiert, da sie eine mehr als 10-jährige Betriebszugehörigkeit aufweisen", verrät der HR-Direktor. Darüber gebe es ein 13. Monatsgehalt und eine übertarifliche Aldi-Zulage. Selbstverständlich seien diese Informationen bekannt und würden bei der Rekrutierung helfen. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zu den bestbezahlten im Einzelhandel und wir liegen weit über dem geplanten Mindestlohnniveau von 12 Euro brutto", sagt Bier.

Bei den meisten der hier untersuchten großen Handelsorganisationen übersteigt die Gehaltszufriedenheit den Branchendurchschnitt. Der liegt bei 49 Prozent. Gleiches gilt für die Gehälter. Laut Kununu verdienen die meisten Verkaufskräfte im Einzelhandel in Deutschland 19 600 bis 24 400 Euro, der Durchschnitt liegt bei 23 700 Euro. Einzelhandelskaufleute bekommen 22 380 bis 26 660 Euro, im Durchschnitt 25 100 Euro.

Ein Aufwärtstrend ist aktuell unverkennbar, zeigt ein Update des LZ-Rankings: Von Februar bis März haben sich die Durchschnittsverdienste bei fast allen Händlern leicht verbessert. Der Fachkräftemangel lässt grüßen. Auf den nächsten Sprung dürfen Verkaufsmitarbeiter im Oktober hoffen: Sobald jede ungelernte Aushilfskraft per Gesetz 12 Euro pro Stunde bekommen muss, bugsiert das erfahrene Fachkräfte in eine gute Verhandlungsposition für etwas höhere "Halteprämien".



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