Möglicher Lockdown Brandbrief führender Gastronomen an die Kanzlerin

von Boris Tomic (FOOD)
Dienstag, 27. Oktober 2020
Ein weiterer Lockdown würde die Gastronomie schwer treffen.
imago images / Stefan Zeitz
Ein weiterer Lockdown würde die Gastronomie schwer treffen.
Möglicher Lockdown
Brandbrief führender Gastronomen an die Kanzlerin
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Einen zweiten Lockdown werden viele Betriebe der Branche nicht überleben. Daher haben sich Deutschlands führende Individual- und Systemgastronomen mit einem Brandbrief an die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin gewandt. Sie möchten so das Schlimmste verhindern.

Die unterzeichnenden Gastronomen, unter anderem die CEOs der Block Gruppe und von L'Osteria, Stephan von Bülow und Mirko Silz, aber auch bekannte Individualgastronomen wie Tim Mälzer, stehen für eine Initiative großer Unternehmen sowie eine Branche mit mehr als 2 Millionen leidenschaftlichen Mitarbeitern und über 80 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr.

Ihre Bitte an die Politik: "Geben Sie uns die Chance, unseren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Lassen Sie die Gastronomie mit ihren Hygienekonzepten und sicheren Räumen für die Bevölkerung offen". Es darf keine weiteren Beschränkungen der Öffnungszeiten bis hin zur kompletten Schließung geben – das würde die Branche nicht überleben.

Hier die Anregungen der Gruppe im Einzeln:
Ein sogenannter Lockdown light (Schulen und Kitas weiter offen, Gastro dicht)…

  • … ist unverhältnismäßig: In der aktuellen zweiten Welle der Corona-Pandemie war die Gastronomie nie ein Infektionsherd. Die Gastronomie steht unter strengen Auflagen, filtert die Luft und wird engmaschig kontrolliert. Infektionsherde sind in erster Linie private Zusammenkünfte ohne Hygienekonzept und Kontrollen.
  • … verdrängt Menschen aus einem sicheren Umfeld: Die Schließung der Gastronomie wird dazu führen, dass sich die Menschen vermehrt im privaten Umfeld treffen – dem aktuellen Hotspot der Pandemie. Der Lockdown light verdrängt also Menschen aus der sicheren Gastronomie in stickige Partykeller, Wohnzimmer und Garagen mit dem Potenzial, Superspreading-Events zu erzeugen.
  • … verstärkt die gefährliche Pandemie-Müdigkeit: Aktuell wird die Pandemie-Müdigkeit als die größte Gefahr gesehen. Unverständliche und willkürliche Maßnahmen verstärken diese Müdigkeit und führen zu Protesten sowie nachlassender Aufmerksamkeit.
  • … führt zu einem Flickenteppich der Regelungen in Deutschland: Ein Lockdown light führt unmittelbar zu berechtigten Klagen der Gastronomen. Erste Gerichtsentscheidungen werden dann zwangsläufig zu einem Flickenteppich der Regelungen in Deutschland führen – wie auch schon beim Beherbergungsverbot. Dies ist genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung aktuell erreichen möchte.
  • … unterscheidet nicht zwischen verschiedenartigen Angeboten: Der Lockdown light ist undifferenziert und reine Symbolpolitik. Er unterscheidet nicht zwischen kontaktreicheren Betrieben wie Nachtclubs auf der einen Seite und auf der anderen Seite professioneller Systemgastronomie sowie klassischer Bediengastronomie mit sicheren Hygienekonzepten. Auch strenge Hygieneregeln bleiben vollkommen unberücksichtigt.
Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung seien grundsätzlich richtig sagt die Initiative und die Unterstützung der Bevölkerung in Deutschland die Voraussetzung dafür, dass alle gemeinsam gut durch diese Zeit kommen. 

Dieser Text erschien zuerst auf www.food-service.de.

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