Corona-Krise: Österreich macht Hoffnung
Corona-Krise

Österreich macht Hoffnung

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In Österreich herrscht für Kunden momentan Mundschutz-Pflicht.
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Österreich macht Hoffnung
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Die österreichische Ankündigung, ab kommenden Dienstag wieder langsam in die Normalität des Handels zurückzukehren, weckt auch in Deutschland Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Shutdown.

So richtig fröhliche Ostergrüße waren es noch nicht, die Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz überbrachte. Aber die Botschaft, dass ein europäisches Land planmäßig den Ausstieg vom Ausstieg vorbereitet, lässt viele Branchenbeteiligte hoffen. Ab kommendem Dienstag dürfen kleinere Geschäfte und Boutiquen in Österreich wieder öffnen, weitere folgen zwei Wochen später – falls nicht das Virus doch wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Für Spar-Austria-Chef Gerhard Drexel ein "Lichtblick". Länger als vier bis sechs Wochen sollte der Zustand nicht anhalten, sonst drohten irreparable Schäden für die Wirtschaft. Neben Supermärkten betreibt Spar auch Shoppingcenter.

Diese sind in Deutschland seit wenigen Wochen in einer Zwitter-Lage. Die Food- und Drogeriemärkte in Centern sind geöffnet, leiden aber unter der mangelnden Frequenz, die ja gerade durch den Branchenmix entsteht. Von einer schnellen Lockerung in Deutschland geht beim German Council of Shopping Centers allerdings niemand aus, sagt Sprecher Ingmar Behrens. "Wir brauchen eine bundesweit einheitliche Regelung", so Behrens. Die Szenarien, die dort entwickelt werden, gehen in Richtung eines schrittweisen "soft-opening". Wer jedoch öffnen dürfe und wer nicht, das sei eine Frage, die die Politik zu klären habe.

Und da sieht man branchenweit die bisherigen Signale kritisch, weil die föderalen Regelungen zu Ungerechtigkeiten geführt haben. Geschlossene Fachhändler müssen ansehen, wie andere Formate Produkte aus ihrem Angebot weiter verkaufen.

Einer transparenten und vor allem frühzeitigen Kommunikation redet auch Ludwig Veltmann, Geschäftsführer des Mittelstandsverbundes das Wort. Auch er kritisiert den aktuell "kaum zu überblickenden Flickenteppich, bei dem sich die Bestimmungen deutlich zwischen den einzelnen Ländern und teilweise sogar den Kommunen unterscheiden".



Für den HDE verspricht Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, dass der Handel mit "Hygienemaßnahmen und weiteren konkreten Auflagen, wie der Anzahl der Kunden im Geschäft, dazu beitragen will, sukzessive wieder öffentliches Leben und damit auch Handel möglich zu machen". Man bereite sich intern auf eine baldmögliche Öffnung der Geschäfte vor. "Und wir müssen gemeinsam mit der Politik zum richtigen Zeitpunkt einen Weg aus diesem kompletten Shutdown finden." Diese Sicht unterstützt auch der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA.

Aus der mittelständischen Industrie meldet sich Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker zu Wort und fordert, Einschränkungen jetzt zu lockern. Es sei an der Zeit dafür, sagte er der LZ. "Sonst wird der Schaden für die Gesundheit der Menschen größer sein als der Nutzen", warnt er, "dies würde weitere Existenzen vernichten".

Eine flexible, risikoadaptierte Strategie fordert auch ein Expertenkreis um Ifo-Direktor Clemens Fuest. Dieser nennt Kriterien, wo und in welchen Branchen die Tätigkeiten wieder aufgenommen werden können, zum Beispiel in wertschöpfungsintensiven Bereichen. Auch die AG Mittelstand, in der neben HDE und ZGV weitere Verbände wie DIHK, Dehoga und DRV vertreten sind, fordert trotz der begrüßenswerten Schritte zur Abmilderung der Folgen eine "intensive Debatte" über eine gute Exit-Strategie. Konkret wird Joachim Stoll, Chef von Leder Stoll und koffer24.de: "Der Mensch braucht immer eine Perspektive. Österreich ist ein Hoffnungsschimmer".



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