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Benko wirbt für sich als Kaufhof-Käufer

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Der Karstadt-Investor René Benko wirbt in einem Schreiben an HBC für sich als Käufer von Kaufhof und legt Finanzierungsdetails dar. Insider äußern aber weiterhin Zweifel an seinen Möglichkeiten.

Karstadt-Eigner René Benko hat es bei der Übernahme von Kaufhof offenbar eilig: Seine Signa-Holding könne den Kaufvertrag innerhalb weniger Wochen unterzeichnen, schreibt er in einem Brief an Richard Baker, Vorstandschef des kanadischen Kaufhof-Mutterkonzerns Hudson‘s Bay Company (HBC).

Mit dem Schreiben drängt Benko aber nicht nur auf einen schnellen Deal, sondern will wohl vor allem Zweifel an seiner Finanzkraft ausräumen. Benkos Signa-Holding sei enttäuscht über "die Art, in der Sie unser Angebot öffentlich charakterisiert haben", heißt es in dem Brief, in den die LZ Einblick hatte.

HBC hatte die Offerte von Signa in Höhe von 3 Mrd. Euro für das deutsche Kaufhof-Geschäft sowie zahlreiche Immobilien in einer Ad-hoc-Mitteilung Anfang November als "unvollständig, nicht verpflichtend und unerbeten" bezeichnet und fehlende Details zur Finanzierung beklagt. Es sei unverständlich, wie HBC zu dieser Einschätzung komme, schrieb Benko in dieser Woche – und schlüsselte auf, wie Signa die Übernahme finanzieren will.

Insider stellen Fragen zur Finanzierung

Zum einen plant die Holding, den Immobilienkredit eines Bankkonsortiums unter Führung der LBBW in Höhe von 1,34 Mrd. Euro zu übernehmen. Diesen hatten die Banken einem Joint Venture von HBC und einem US-Immobilienkonzern gewährt.

Den Rest des Kaufpreises will Benko durch eine Anfang Oktober durchgeführte Kapitalerhöhung sowie ein weiteres Darlehen in Höhe von 700 Mio. Euro aufbringen. Dazu schickte Signa HBC offenbar eine Finanzierungszusage der österreichischen Raiffeisen Bank International sowie eine Bestätigung, dass die Immobiliengesellschaft Signa Prime Selection über liquide Mittel von knapp 390 Mio. Euro verfüge.

Insider weisen aber darauf hin, dass es weiter Fragen zur Finanzierung gebe. So müsse Signa noch Sicherheiten nachweisen, um den Kredit der Wiener Bank zu erhalten. Zudem sei unklar, ob das Unternehmen das bestehende LBBW-Darlehen ohne Weiteres übernehmen könne.

Auch im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung sehen die Insider mögliche Schwierigkeiten: Die Signa Prime Selection hatte ihr Eigenkapital zwar um rund 1 Mrd. Euro erhöht – allerdings nicht in bar, sondern im Wesentlichen durch Sacheinlagen in Form von Anteilen an Immobiliengesellschaften. Ein Signa-Sprecher wies diese Kritik zurück: Bei etwa zwei Dritteln der Summe handele es sich um "Zuschussverpflichtungen in bar", die der Vorstand noch in diesem Jahr abrufen werde.

Benko wollte Kaufhof schon vor zwei Jahren übernehmen

Benko arbeitet schon länger an einer Deutschen Warenhaus AG. Die damalige Metro-Tochter Kaufhof wollte er bereits vor zwei Jahren übernehmen, als schließlich HBC für rund 2,8 Mrd. Euro zum Zuge kam. Nun will der Karstadt-Investor mehr zahlen als die Kanadier damals – und das obwohl die Kaufhof-Geschäfte nicht gut laufen.

Das Warenhaus schreibt dem Vernehmen nach Verluste und muss seit der Übernahme durch HBC höhere Mietpreise zahlen. Derzeit verhandelt Kaufhof mit der Gewerkschaft Verdi über einen neuen Tarifvertrag, der Einschnitte bei Löhnen und Gehältern vorsieht.

Für Benko ist ein Deal vor allem wegen der Immobilien interessant. Nach LZ-Informationen bewertet Signa allein die Kaufhof-Gebäude mit rund 2,6 Mrd. Euro.



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