Nach Strategiewechsel: Lidl tauscht E-Commerc...
Nach Strategiewechsel

Lidl tauscht E-Commerce-Chef aus

Lidl
Lidl will mit neuer Führung online in weitere Länder vorstoßen.
Lidl will mit neuer Führung online in weitere Länder vorstoßen.
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Rund ein halbes Jahr nach dem Abgang von CEO Sven Seidel sind die personellen Nachwirkungen im Online-Geschäft von Lidl weiter zu spüren. Nun nimmt der zuständige Bereichsvorstand Heiko Hegwein seinen Hut.

Die Turbulenzen in Lidls Online-Organisation erreichen nun die Spitze des E-Commerce-Geschäfts des Discounters: Nach LZ-Informationen hat jetzt auch der verantwortliche Bereichsvorstand Heiko Hegwein das Unternehmen verlassen. Lidl bestätigt die Personalie auf Anfrage. Hegwein hatte den Aufbau des intern "Lidl Digital" genannten Bereichs seit 2009 maßgeblich mitgestaltet. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass mit Philipp Götting, Leiter des "digitalen Innovationsmanagements", eine weitere Online-Führungskraft des Händlers ihren Hut genommen hat.

Im Umfeld des Unternehmens wird Hegweins Abschied auf den abrupten Strategiewechsel zurückgeführt, den Lidl im Februar nach dem Abgang von CEO Sven Seidel vollführt hatte. So begrub Schwarz-Konzernchef Klaus Gehrig Seidels Pläne für bundesweite Click & Collect-Standorte, die zunächst in Berlin erprobt werden sollten. Auch das in einer frühen Phase befindliche Projekt für Tests mit einem eigenen Lieferservice kassierte Gehrig ein. Das zuständige Team wurde aufgelöst, Götting als verantwortlicher Manager ging wenig später. Hegwein trug den abrupten Kurswechsel zunächst nach außen mit. "Die Verunsicherung darüber, was in diesem Rahmen strategisch noch möglich ist, war aber bis nach oben zu spüren", so ein Insider.

Den schnellen Rollout des klassischen Onlineshops für Nonfood, auf den sich Lidl in Europa nun konzentrieren will, soll Hegweins Nachfolger vorantreiben. Der steht bereits fest: Neuer Bereichsvorstand Lidl E-Commerce International ist der bisherige Leiter der Unternehmensentwicklung, Thorsten Reichle. Der ehemalige Unternehmensberater war bereits unter Ex-CEO Seidel bei Lidl und agierte bislang ebenfalls auf Ebene des Bereichsvorstandes. Reichle ist kein ausgewiesener E-Commerce-Experte, war aber auch in seiner bisherigen Tätigkeit schon mit "wichtigen Digitalprojekten" befasst, wie es aus dem Konzern heißt. Er übernimmt auch die Verantwortung für den Aufgabenbereich des digitalen Innovationsmanagements.

Nächster Online-Shop in Tschechien

Der angestrebte Ausbau des Online-Geschäfts in Europa geht unterdessen voran. So hat Lidl angekündigt, nach Deutschland, Belgien und den Niederlanden bald auch in Tschechien einen Onlineshop zu eröffnen. 

Zudem entsteht derzeit in Venlo laut lokalen Medienberichten das zweite niederländische Online-Logistikzentrum des Discounters mit einer Fläche von 70.000 qm. Lidl will sich zu den Planungen nicht äußern. Die Verantwortung für den Rollout des Onlineshops tragen die einzelnen Länder, auch die Umsätze werden dort verbucht. Kenner des Unternehmens beziffern den E-Commerce-Umsatz des Discounters auf rund eine halbe Milliarde Euro. Die zuletzt häufiger kolportierte Zahl von Online-Erlösen in Höhe von einer Milliarde Euro sei wohl eher als eine "Zielgröße" zu verstehen, heißt es im Umfeld des Händlers.

Den jüngsten Strategiewechsel überstanden hat auch der Kochboxen-Anbieter Kochzauber, der Teil des weiterhin bestehenden Berliner Digital-Büros des Händlers ist. So hat Lidl gerade erst Christian Altmeyer, Mitgründer des Münchner Lieferdienstes Freshfoods, der mittlerweile zu Feneberg gehört, als Geschäftsführer für das Start-up an Bord geholt. Das Angebot von Kochzauber wurde in die Lidl-Website integriert, zudem laufen in Berliner Lidl-Filialen Tests zur stationären Vermarktung. "Intern wird vor allem die Transparenz bei den Spannen geschätzt, die die Kochboxen bieten", erklärt ein Insider. Die Umsätze dürften allerdings noch überschaubar ausfallen.



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