Preispolitik: Preisvergleich sorgt für Unmut
Preispolitik

Preisvergleich sorgt für Unmut

Schwarz-Gruppe
Lidl und Kaufland präsentieren sich unter Berufung auf zwei Studien als Preisführer im Markt - und sorgen damit für Unmut im Markt.
Lidl und Kaufland präsentieren sich unter Berufung auf zwei Studien als Preisführer im Markt - und sorgen damit für Unmut im Markt.
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Lidl und Kaufland entwickeln sich zum Feindbild für geradezu sämtliche Wettbewerber. Dass beide sich unter Berufung auf zwei Studien als Preisführer im Markt präsentieren und der Konkurrenz erheblich höhere Preise nachsagen, sorgt für erheblichen Unmut bei den Händlern.

Nicht nur in den Führungsetagen von Aldi Nord und Aldi Süd hat der jüngste Vorstoß von Lidl für viel Unruhe gesorgt. Während sich die beiden Top-Discounter um die Rolle des Preisführers streiten, geht es den Vollsortimentern insbesondere darum, in der Öffentlichkeit nicht gerade als Hochpreisanbieter wahrgenommen zu werden. Wenn Kaufland Edeka als vermeintlich "teuersten Supermarkt Deutschlands" bezeichnet, werden die Manager in Hamburg ungehalten. Entsprechend heftig ist derzeit die Kritik aus den Reihen von Edeka, Rewe und Real.

"Unseriös" wettert der Wettbewerb und bemängelt insbesondere, dass die Inhalte der Studie nicht transparent kommuniziert werden. Eine stichprobenartige Auswertung von wenigen Märkten könne man keineswegs als repräsentativ bezeichnen, so die Kritik der Konkurrenz. Darüber hinaus wird bezweifelt, ob methodisch überhaupt korrekt gearbeitet wurde.

Großer Respekt vor Aldi

Die Unruhe im Markt zeigt zugleich wie nervös alle Händler sich im Moment gegenseitig belauern. Und dies, obwohl die Marktforscher derzeit nahezu allen großen Lebensmittelhändlern eine gute Entwicklung mit zum Teil stattlichen Zuwächsen attestieren. Doch in einigen Fällen lohnt ein genauerer Blick auf die Zahlen, die zum Teil auch durch den Preisauftrieb bei vielen Produkten beflügelt wird.

So kann beispielsweise Lidl derzeit dem Vernehmen nach weiter gute Wachstumsraten erzielen. Allerdings gelingt es in diesem Jahr Aldi sehr erfolgreich, die jungen Kunden besser anzusprechen und auch beim Wachstum liegen die Essener und Mülheimer deutlich vor den Neckarsulmern. Auch Rewe und Edeka macht Aldi in diesem Jahr Kunden abspenstig. Das schlägt sich zwar bislang noch nicht in schwächeren Umsatzzahlen nieder. Doch wenn die beiden Supermarktgrößen einen Händler ernst nehmen, dann ist es Aldi.

Netto reagiert mit "unbezwingbaren Preisen"

"Andere lassen Studien sprechen, wir die Preise", kontert die Edeka-Tochter Netto Markendiscount diese Woche und antwortet mit einem "unbezwingbaren Preis". Mit Top-Angeboten für einen Tag setzt Netto in dieser Woche erstmals einen weiteren Akzent, um die Frequenz in den Märkten anzukurbeln und zugleich der Preisoffensive von Lidl und Kaufland etwas entgegenzusetzen. "Also der Liter Diesel ist teurer", heißt es auf der Facebook-Seite von Netto. Der Vorstoß ist nach LZ-Informationen jedoch zunächst nur auf diese Woche beschränkt.

Die Aufregung ist dem Vernehmen nach auch deshalb so groß, weil alle Teilnehmer im Markt wissen, dass eine geschickte Preiskommunikation beim Kunden verfängt. "Wenn man immer wieder die gleiche Botschaft vermittelt, kann man sicher sein, dass am Ende auch etwas hängen bleibt", kommentiert ein Handelsmanager das Geschehen. Da sei es im Zweifelsfall unwichtig, ob ein anderer Händler tatsächlich preiswerter oder teurer ist. Ein Discount-Experte verweist in diesem Zusammenhang auf das Schicksal von Aldi in Frankreich. Der Händler schnitt dort in Preisvergleichen stets sehr gut ab. In der Wahrnehmung der Kunden war dennoch Leclerc durch eine geschickte Kombination aus PR und Marketing stets der Preisführer.



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