Interview mit Miya Knights: "Amazon ist nicht...
Interview mit Miya Knights

"Amazon ist nicht einzuholen"

Miya Knights
Die Britin Miya Knights ist Herausgeberin des Magazins "Retail Technology".
Die Britin Miya Knights ist Herausgeberin des Magazins "Retail Technology".
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Interview mit Miya Knights
"Amazon ist nicht einzuholen"
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London ist ein Testfeld für "Just Walk Out"-Stores. Amazon gibt den Takt vor, Wettbewerber von Aldi Süd bis Tesco folgen. Die britische Retail-Expertin Miya Knights über kassenloses Einkaufen, unterschiedliche Technologien und Expansionsmotive des E-Commerce-Giganten.

Frau Knights, Londoner Verbraucher bezeichneten in einer BBC-Radioumfrage das kassenlose Einkaufen vor allem als "easy". Die Abbuchungen bei Amazon Fresh seien durchweg korrekt. Funktioniert das tatsächlich so problemlos?
Amazons erster US-Store mit seiner Just Walk Out Technologie wurde im Januar 2018 eröffnet, sie ist also schon recht ausgereift. Das gilt aber auch für die Technologien der übrigen Anbieter. Sie verhindern aktiven Betrug und Warenschwund, weil sie so effektiv erkennen, mit was man den Laden verlässt.

Nach Amazon Fresh haben in den vergangenen Monaten die Testmärkte Aldi Shop & Go, Tesco Getgo und Sainsbury's Pick & Go in London eröffnet. Sind sie dem großen Vorbild sehr ähnlich?
Das Einkaufserlebnis ist in diesen Läden weitgehend gleich. Erforderlich ist der Download einer App, eine Registrierung und die Verknüpfung mit einer Zahlungskarte. Die Technologien stützen sich auf kameragestützte Computer Vision und Sensorverknüpfungen, um herauszufinden, was beim Verlassen des Ladens in Rechnung gestellt werden soll.

Aber die Händler nutzen die Technologien verschiedener Anbieter. Macht das keinen Unterschied?
Amazon hat seine eigene Just Walk Out Technologie. Aldi verwendet die von Aifi und Tesco die von Trigo. Sie alle unterscheiden sich voneinander, funktionieren aber weitgehend auf die gleiche Weise.

Um auf das Vorbild Amazon zurückzukommen: Wie erleben Sie die Fresh-Märkte? 
Mir ist aufgefallen, wie wichtig die Eigenmarkenstrategie für das Sortiment und damit auch für die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts ist. Außerdem liegt der Schwerpunkt auf To Go-Food und Convenience-Produkten. Amazon arbeitet mit lokalen Produzenten zusammen. Alle Läden befinden sich in einem Umkreis von 0,5 km um einen Verkehrsknotenpunkt, in der Nähe von Wohn- oder Bürostandorten mit hoher Bevölkerungsdichte und weniger als 200 Meter von einem anderen Supermarkt oder Lebensmittelgeschäft entfernt.
Zur Person
  • Die Britin Miya Knights ist Herausgeberin des Magazins "Retail Technology" und Expertin für den Technologie-Einsatz im Einzelhandel. 
  • Zusammen mit Natalie Berg hat sie das Buch "Amazon: How the World's Most Relentless Retailer will Continue to Revolutionize Commerce" geschrieben, das im Juni unter dem Titel "Das Amazon Modell" auf Deutsch erscheint.
  • Knights lebt in der Nähe von London.

Haben Sie den Eindruck, dass in den kassenlosen Stores weniger Personal beschäftigt wird als in vergleichbaren Märkten mit Kassen?
Alle genannten Händler setzen das Kassenpersonal wieder im Verkaufsraum ein, um die Kunden zu beraten und die Waren aufzufüllen. Die Amazon-Fresh-Geschäfte verfügen außerdem über einen Click & Collect-Schalter, um die Abwicklung und Rückgabe von Bestellungen zu verwalten.

Damit bietet Amazon einen wichtigen Zusatznutzen. Schlägt Amazon Fresh so die kassenlosen Alternativen der Foodkonkurrenz?
Nicht automatisch. Ich gehe davon aus, dass die bestehende Markentreue den Ausschlag gibt, wenn Kunden die Wahl zwischen zwei konkurrierenden kassenfreien Läden in der Nähe haben.

Amazon hat mit 16 Fresh Stores zahlenmäßig in London die Nase vorn. Ist der Vorsprung einzuholen?

Nein. Die Wettbewerber verfügen nicht über die Ressourcen, um mit Amazons Einführung Schritt zu halten. Sie könnten vielleicht versuchen, bestehende Läden umzurüsten, aber sicherlich nicht so schnell wie Amazon neue Läden eröffnen kann.

Welches Ziel verfolgt Amazon mit seiner Store-Expansion? 
Amazon folgt dem Geld. Wir geben als Verbraucher für Lebensmittel mehr aus als für jede andere Kategorie. Und noch ist der Anteil des Online-Riesen am Lebensmittelmarkt winzig. Außerdem glaube ich, dass Amazon gerade erst begonnen hat, das Potenzial der Just Walk Out Technologie zu erkennen. Abgesehen von seinen eigenen Stores und den Ambitionen im Foodsegment kann der Konzern die Ladentechnologie an andere Einzelhändler wie Sainsbury's in Großbritannien und den Airport-Shop-Betreiber Hudson in den USA weiterverkaufen. Hudson ist ein großartiges Beispiel dafür, wie gut diese Technologie auch für Transitknotenpunkte geeignet ist, wo Geschwindigkeit und Bequemlichkeit die Schlüssel zum Erfolg sind.


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